Beiträge von Pyxio

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    Nicolaus August Otto (deutscher Ingenieur)

    Als Nicolaus August Otto am 14. Juni 1832 im Taunus zur Welt kommt, fahren die Menschen noch Kutsche – wenn überhaupt. Die meisten verlassen eher selten ihre Dörfer und Städte. Otto aber zieht es nach einer Kaufmanns-Ausbildung nach Köln, wo er für einen Großhändler Waschmittel, Strümpfe und Haushaltswaren verkauft.

    Doch seine Leidenschaft gilt der Technik. Zusammen mit seinem Bruder entwickelt Otto den Gasmotor des französischen Ingenieurs Étienne Lenoir weiter. Sie setzen auf einen Antrieb mit flüssigem Brennstoff – zunächst ohne Erfolg. Doch Otto tüftelt weiter, überlegt und probiert jahrelang.

    Ansaugen, verdichten, verbrennen, auspuffen

    "Das spricht dafür, dass man es sehr weit bringen kann, wenn man eine Idee, ein Vorstellungsvermögen und eine Ausdauer hat", erzählt seine Ururenkelin Roswitha Nottebaum bewundernd. Ottos Idee ist eine Maschine, die im Viertaktprinzip läuft: ansaugen, verdichten, verbrennen und auspuffen. Die Grundlagen für den späteren Otto-Viertakt-Motor.


    Auch ein wenig Glück verhilft zum Erfolg. Nicolaus Otto lernt 1864 mit Eugen Langen einen Mitstreiter und Kapitalgeber kennen. Gemeinsam konstruieren sie einen Verbrennungsmotor, der die industriellen Dampfmaschinen ablösen soll. Die "Atmosphärische Gaskraftmaschine" erhält 1867 auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille. Bald folgen Aufträge aus aller Welt.

    Spannungsverhältnis mit Daimler und Maybach

    Otto und Langen gründen die Deutz AG. Dort arbeiten auch die späteren Auto-Pioniere Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach, die den Viertakt-Motor zur Serienreife bringen. Als im Oktober 1880 der fertig gebaute Kölner Dom eingeweiht wird, setzen ihn mit Otto-Motoren betriebene Scheinwerfer in Szene.


    Im Unternehmen gerät Otto immer wieder mit Daimler und Maybach aneinander. "Er hatte auch das Bestreben, keine anderen Götter neben sich gelten zu lassen", sagt Helmut Müller, Leiter Unternehmensgeschichte der Deutz AG. "Deshalb auch dieses Spannungsverhältnis mit Daimler und Maybach."

    Der ewige Streit um Patente

    Schließlich verlassen Daimler und Maybach die Firma, während Otto sich viel mit juristischen Fragen beschäftigen muss. 1886 verliert er sogar sein Patent auf den Viertakt-Motor. Das trifft ihn schwer. Der Eigenbrötler ist eigentlich auch ein "harmoniebedürftiger Mensch", sagt seine Ururenkelin Nottebaum, "und nicht so ein Kämpfer."

    Mit nur 58 Jahren stirbt Nicolaus August Otto am 26. Januar 1891 in Köln an Herzversagen. Auf der Grundlage seines Viertakt-Motors fahren bis heute unzählige Fahrzeuge weltweit.



    Es gibt noch Audio, siehe Link


    26.01.2021 - https://www1.wdr.de/stichtag/s…laus-august-otto-100.html

    Die automatische Nummernschilderfassung soll mit einer StPO-Reform bundesweit zur Strafverfolgung zulässig, eine heimliche E-Beschlagnahme möglich werden.


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    Die Bundesregierung plant eine einheitliche Rechtsgrundlage, mit der die Polizei und andere Sicherheitsbehörden wie der Zoll die automatisierten Kennzeichenlesesysteme (AKLS) im öffentlichen Verkehrsraum zu Fahndungszwecken nutzen können sollen. Dazu hat das Bundeskabinett am Mittwoch einen Gesetzentwurf zur "Fortentwicklung der Strafprozessordnung" (StPO) gebilligt. Laut dem damit geplanten Paragraf 163g StPO dürfen Ordnungshüter "örtlich begrenzt im öffentlichen Verkehrsraum" ohne das Wissen der betroffenen Personen "Kennzeichen von Kraftfahrzeugen sowie Ort, Datum, Uhrzeit und Fahrtrichtung durch den Einsatz technischer Mittel automatisch" erheben. Die Daten können anschließend abgeglichen werden mit Nummernschildern von Kfz, die auf den Beschuldigten oder auf Verbindungspersonen zugelassen sind oder von ihnen genutzt werden. Im Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums war zunächst ein allgemeinerer Abgleich mit "Halterdaten" vorgesehen.

    Straftat erheblicher Bedeutung

    Für das Kennzeichen-Scanning müssen "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass eine Straftat von erheblicher Bedeutung begangen worden ist". Der weitgehend unbestimmte Rechtsbegriff bezieht sich laut Juristen auf gewerbs-, gewohnheits-, serien-, bandenmäßig und allgemein "organisiert" begangene Verbrechen. Dazu zählen auch Betrugsfälle, Drogenkriminalität und das Verbreiten von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs. Das Kennzeichen-Scanning ist zulässig, wenn es "zur Ermittlung der Identität oder des Aufenthaltsorts des Beschuldigten führen kann". Dies soll auch gelten, wenn das Kennzeichen des mutmaßlichen Täters bekannt ist, der Name eines Flüchtigen aber noch nicht. Die Daten dürfen laut Gesetzentwurf "nur vorübergehend und nicht flächendeckend" automatisch erhoben werfen. Wenn kein Treffer vorliege oder dieser nicht bestätigt werden könne, müssten die erhobenen Informationen "sofort und spurenlos" gelöscht werden.

    Anordnung reicht aus

    Eine schriftliche Anordnung "der Staatsanwaltschaft oder ihrer Ermittlungsperson" soll ausreichen, um AKLS in Stellung zu bringen. Darin müssen die Halterdaten der Verdächtigen und die Stellen der Überwachung genau bezeichnet werden. Bei Gefahr im Verzug ist eine mündliche Anweisung möglich. Die Anordnung muss befristet werden, ein Richtervorbehalt sei aber nicht angezeigt. Für die Gefahrenabwehr werde das Kennzeichen-Scanning schon seit vielen Jahren anlassbezogen polizeilich in zahlreichen Bundesländern verwendet, erläutert das Kabinett. Dies sei aber mit erheblichen Rechtsunsicherheiten verbunden. Bisher könne das Instrument höchstens auf Paragraf 100h StPO gestützt werden. Dieser bestimme aber nur allgemein, dass "auch ohne Wissen der betroffenen Personen außerhalb von Wohnungen Bildaufnahmen hergestellt werden dürfen", um den Aufenthaltsort eines Beschuldigten herauszufinden; damit werde nicht erlaubt, Kennzeichen mit Datenbanken abzugleichen. Vor allem in Brandenburg ist die Nummernschilderfassung daher umkämpft, eine Verfassungsbeschwerde anhängig. Vom Kennzeichen-Scanning seien typischerweise viele Personen betroffen, schreibt die Regierung. Diese alle anschließend über den Grundrechtseingriff zu benachrichtigen, erscheine "praktisch undurchführbar" und sei verfassungsrechtlich auch nicht vorgeschrieben. Informiert werden sollen daher nur Beschuldigte und Kontaktpersonen.

    Mehr heimliche Online-Durchsuchungen

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    Mit dem Gesetzentwurf, der noch den Bundestag und den Bundesrat passieren muss, will die Regierung auch den Straftatenkatalog für heimliche Online-Durchsuchungen mit Staatstrojanern und den großen Lauschangriff in Paragraf 100b StPO "geringfügig" ausdehnen und so "an die Bedürfnisse der Praxis" anpassen. Aufgenommen werden sollen weitere Delikte aus dem Bereich des Menschenhandels und der Begleitdelikte, der gewerbs- und bandenmäßige Computerbetrug sowie Tatbestände aus dem Außenwirtschafts- und dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz. Die Zahl der heimlichen Online-Durchsuchungen werde so jährlich durchschnittlich von 12 auf 14 ansteigen, die der Wohnraumüberwachung von 8 auf 9, schätzt das Kabinett. Es will zugleich die klassische Telekommunikationsüberwachung bei bandenmäßiger Steuerhinterziehung in größerem Umfang als bisher ermöglichen.

    Elektronische Beweismittel

    Vor allem auf elektronische Beweismittel wie beim Provider gespeicherte E-Mails oder Chats, Inhalte eines Nutzerkontos eines sozialen Netzwerks sowie Daten in der Cloud sollen Ermittler zudem teils heimlich zugreifen dürfen. Mit einem neuen Paragraf 95a es ihnen möglich werden, die Bekanntgabe einer Beschlagnahme in bestimmten Konstellationen bei Straftaten von erheblicher Bedeutung und unter Beachtung des Verhältnismäßigkeitsgebots per gerichtlicher Anordnung zurückzustellen. Derlei Ausnahmen zu dem prinzipiell fortbestehenden Grundsatz der Offenheit solcher Zugriffe soll Fällen vorbehalten sein, "bei denen sich der zu beschlagnahmende Beweisgegenstand im Gewahrsam einer unverdächtigen Person befindet". Werde offen beschlagnahmt, bestehe die Gefahr der Aufdeckung oder der Vereitelung des Ermittlungserfolgs, wenn etwa gleichzeitig durchgeführte heimliche Strafverfolgung ihren Sinn verliere. Es gehe vor allem um Kinderpornographie, Handel mit Waffen, Drogen, Hehlerware und sonstigen verbotenen Gegenständen sowohl im Internet als auch im Darknet. Etwa auch bei Staatsschutzdelikten und Cyberkriminalität stünden die Fahnder hier immer wieder vor Herausforderungen.


    Das Kabinett will auch die Regeln zur Postbeschlagnahme verschärfen. Ermittler sollen künftig auch Auskunft von Postdienstleistern über Postsendungen von oder an beschuldigte Personen verlangen können, die bereits ausgeliefert sind oder sich noch nicht beim Serviceanbieter befinden. Dies sei wichtig, "um eine effektive Strafverfolgung auch in Zeiten des vermehrten Online-Versandhandels zu gewährleisten". Gerade der zunehmende Versand krimineller Ware "über das besonders abgeschottete Darknet" könne mit dieser Handhabe besser aufgeklärt werden.



    20.01.2021 - https://www.heise.de/news/Bund…it-5031140.html?seite=all


    Der Action-Verwirrfilm „Tenet“ von Christopher Nolan sollte vergangenes Jahr das Kino retten. Jetzt lehrt einen die DVD-Version das Fürchten.


    John David Washington blickt streng. Hinter ihm ist ein Maschendrahtzaun. Washington hat kurzes, dichtes Haar und einen vollen Bart. In einer Fensterscheibe vor Washingotn ist ein Einschussloch.


    Der Protagonist (John David Washington) weiß nicht unbedingt, was auf ihn zukommt


    Der Regisseur Christopher Nolan ist bekannt für ungewöhnliche Zeitkonstruktionen. Sein Film „Memento“ aus dem Jahr 2000 etwa folgt einer Chronologie, in der die Geschichte, im Wechsel von Szene zu Szene vorwärts wie rückwärts erzählt wird. In der Mitte des Films treffen sich kurz beide Richtungen. In „Tenet“, seinem jüngsten Streich, hat sich die Zeitebenenverquickung noch einmal kräftig verdichtet. Hier läuft die Zeit in den meisten Szenen simultan vorwärts und rückwärts.

    Mit überraschenden Konsequenzen wie Gefahren aus der Zukunft. Von denen erfährt der von John David Washington verkörperte Protagonist, der lediglich „Der Protagonist“ heißt, während seines CIA-Einsatzes, der wie der Filmtitel nach dem Palindrom „Tenet“ benannt ist. Welcher Lehrsatz, welches Axiom sich genau hinter dem Ausdruck verbirgt, ist nicht unbedingt entscheidend. Was der Protagonist in dieser Geschichte aber lernt, ist, der Zeit als etwas Gegebenem zu misstrauen. Oder vielmehr der sich stur in eine Richtung abspulenden Zeit, wie die landläufige Vorstellung des Chronologischen geht.

    Verstörende Wirkung

    Denn die Gefahren lauern nicht einfach in der Zukunft, wie zum Beispiel die Klimakatastrophe oder das langfristig absehbare Ende des Lebens auf der Erde, sondern kollidieren durchaus schon mal mit der Gegenwart. Kugeln fliegen aus Einschusslöchern in Pistolen, von Bomben hervorgerufene Detonationslöcher in Gebäuden schließen sich wieder und dergleichen mehr.


    Was wie das Gedankenspiel eines Physikers mit Vorliebe für Action-Krawumm wirkt, hat bei aller spinnerten Anmutung eine heftig verstörende Wirkung. Die Zeit ist ziemlich kräftig aus den Fugen geraten, dieser Eindruck entsteht auch ohne die Kenntnis dessen, ob der in „Tenet“ präsentierte Zeitmatsch einer strengen gedanklichen Prüfung standhält.


    Was die Verstörung des Films, der inzwischen auf DVD erschienen ist, gerade in diesen Tagen womöglich größer ausfallen lässt als zum Kinostart im vergangenen Sommer, sind die Ereignisse von vor zwei Wochen am Washingtoner Kapitol, die trotz eines allgemeinen Unbehagens beim Gedanken, wie das Ende der Amtszeit Donald Trumps verlaufen würde, allemal unerwartet waren und jenseits der Grenzen der eigenen Vorstellung lagen.


    Im Unterschied zum Protagonisten in „Tenet“ und seinem CIA-Kollegen Neil, gespielt von Robert Pattinson, steht weder den Demokraten noch sonst jemandem der Weg der Zeitumkehrung zwecks Krisenintervention offen. Bis auf Weiteres bleiben allein die rechtlichen Mittel der parlamentarischen Demokratie, gegen die der Sturm auf das Kapitol sich richtete.

    Was allerdings ernsthaft Angst macht, ist die Ähnlichkeit des Schurken Sator (Kenneth Branagh) aus „Tenet“ mit Trump in einem Punkt. Beide scheinen der keineswegs neuen Fantasie anzuhängen, alle anderen mit in den Untergang reißen zu müssen. Für die Amtseinführung Joe Bidens hilft da nur Vertrauen in die Festigkeit des Gewebes der US-Verfassung.



    19. 1. 2021 - https://taz.de/Actionfilm-und-die-US-Realitaet/!5745332/




    Zehn Jahre nach dem Pamphlet von Stéphane Hessel ruft nun auch eine Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast zum Protest gegen globale Ungerechtigkeiten auf.


    Der Protagonist liegt auf dem Boden, die Masse schaut nur zu (Courtesy Signe Pierce und Alli Coates und EIGEN + ART Lab)

    Wut, Hass und Zorn gehören zu unseren intensivsten und ältesten Gefühlen. Und doch hat es eine neue Qualität, wie sehr das gesellschaftliche Miteinander aktuell von solchen negativen Emotionen geprägt wird: Menschenfeindliche Verschwörungserzählungen, extremistischer Terror oder aggressive Hate Speech sind alltäglich geworden.

    Und auch die internationale Politik schreckt nicht davor zurück, Gewalt und offene Drohungen als gängiges Mittel der Verhandlung einzusetzen. Es ist kein Zufall, dass ein Enthüllungsbuch über US-Präsident Donald Trump ausgerechnet "Rage" (deutsch: "Wut") heißt.

    Politische Gegenwartskunst im Düsseldorfer Kunstpalast

    Die Ausstellung "Empört Euch! Kunst in Zeiten des Zorns" im Düsseldorfer Kunstpalast verstehe sich explizit als Antwort auf diese "gesellschaftlichen Verwerfungen unserer Zeit", so Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalastes.


    Kunstwerk von Judith Bernstein, mit Acryl auf Papier gemalt


    Populismus, Rechtsextremismus und Krieg verschränkt Judith Bernstein in ihrem Werk "Trump Horror"


    Konkret heißt das: Die rund 700 Quadratmeter Ausstellungsfläche wurden von 35 dezidiert politischen Künstlern und Kunstaktivisten mit Werken gefüllt, die gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und diskursive Verschiebungen verhandeln.

    "Alle in der Ausstellung versammelten Positionen begreifen Kunst als politischen Raum", sagt die Kuratorin Linda Peitz. Ausgewählt worden seien Künstler, die für "Solidarität, Empathie und Humanismus plädieren, die Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft aufzeigen, sie analysieren oder ironisch brechen."

    Empörung ist nicht gleich Hass

    Damit wird auch eine implizite, aber für die Ausstellung wichtige Unterscheidung deutlich: der zwischen Hass und Wut auf der einen, Empörung und Zorn auf der anderen Seite. Während Wut diffus und ungerichtet ist, beziehen sich Empörung und Zorn auf konkrete Ereignisse. In dieser semantischen Differenz liegt die besondere Spannung der Ausstellung.


    Šejla Kamerić im Hintergrund, vorne die Worte: No Teeth? A Mustache? Smel like Shit? Bosnian Girl!


    Šejla Kamerić setzt sich mit Grenzen, Krieg, Vertreibung und gesellschaftlichen Frauenbildern auseinander


    Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür ist ein ursprünglich als Poster konzipiertes Werk der bosnischen Künstlerin Šejla Kamerić, das in Düsseldorf auf eine zwölf Meter hohe Wand tapeziert wurde. Darauf zu sehen ist die Künstlerin selbst, dazu die Worte eines niederländischen NATO-Soldaten. Auf eine Kasernenwand in dem Dorf Potočar bei Srebenica hatte er 1994 oder 1995 geschrieben: "Keine Zähne? Ein Schnurrbart? Riecht widerwärtig? Bosnisches Mädchen!" Damit erinnert Kamerić nicht nur an den Krieg im ehemaligen Jugoslawien und den Genozid an Tausenden von Bosniern in Srebenica. Die Künstlerin verknüpft das menschenverachtende Graffito des Soldaten mit ihrem Porträt und personalisiert es so. Gleichzeitig blickt sie den Betrachter eindringlich an und zwingt so ihn zu einer Einordnung.

    Betrachter können sich Bewertung nicht entziehen

    Diese Strategie verfolgen viele der ausgestellten Werke. Es sind vor allem Fotografien, Videoinstallationen und Filme zu sehen. Die zunächst eher dokumentarische Form hilft dabei, die beiden bestimmenden Ebenen der Ausstellung - Hass und, daraus folgend, Empörung - einander gegenüberzustellen. Das Publikum ist gefordert, selbst seine Schlüsse aus diesen Gegenüberstellungen zu ziehen. Die aktive Rolle des Zuschauers wird manchmal nur durch die Perspektive forciert, zum Beispiel in den sozialen Versuchsanordnungen von Signe Pierce und Alli Coates, bisweilen aber auch aktiv beworben.

    Was ist privat, was politisch?

    So hat der japanische Konzeptkünstler Yoshinori Niwa vor dem Kunstpalast einen Container aufgestellt, in den man nationalsozialistische Relikte entsorgen kann. In Anzeigen in der Lokalzeitung werden die Bürger dazu aufgerufen, solche Memorabilia mitzubringen, damit sie am Ende der Ausstellung gemeinsam und vollständig vernichtet werden können. "Withdrawing Hitler from a private space" ("Hitler aus dem Privaten verbannen") nennt Niwa dieses Projekt.


    Um das Private geht es auch in der Videoarbeit des französischen Künstlers Kader Attia. Denn das Private ist eben doch politisch - zumindest, wenn man die "falsche'"Herkunft hat. In "The Body’s Legacies Pt. 2: The Post-Colonial Body" ("Die Vermächtnisse des Körpers Teil 2: Der postkoloniale Körper") führt er Interviews mit Nachfahren von Kolonisierten und Sklaven und zeigt so, wie koloniale Gewalt und Rassismus die Wahrnehmung des Körpers und das Verhalten von Menschen im öffentlichen Raum bis heute beeinflussen.

    Zurückeroberung der Empörung

    Nicht von ungefähr greift der Ausstellungstitel "Empört euch!"den bekannten Essay von Stéphane Hessel auf, den der ehemalige Widerstandskämpfer der Résistance 2010 im hohen Alter veröffentlichte: Die schon vor zehn Jahren drängenden Fragen, etwa zur Bedeutung der Menschenrechte, zum Umgang mit Migranten oder zur sozialen Ungleichheit finden sich alle in der Ausstellung wieder. Sie ist damit, obwohl schon seit anderthalb Jahren geplant, erstaunlich aktuell: Nicht nur verschärft die Corona-Pandemie viele der gezeigten, globalen Ungerechtigkeiten. Die Ausstellung besorgt gewissermaßen auch eine Diskurskorrektur. Indem sie auf übergreifende und schon lange virulente Themen eingeht, erobert sie sich auch Hessels Grundgedanken hinter seinem Aufruf zur Empörung zurück. Besonders in den letzten Monaten ist er gefährlich häufig von Verschwörungstheoretikern zweckentfremdet worden.



    29.10.2020 - https://www.dw.com/de/ausstell…BCsseldorfzorn/a-55409644





    Australien will die Macht der Techkonzerne beschneiden und plant als erstes Land der Welt ein Gesetz, wonach Plattformen für Nachrichten zahlen sollen. Die wehren sich.


    Google's Ranking Factors in 2020 | Top SEO Ranking Factors 2020


    Der Google-Mutterkonzern Alphabet hat der australischen Regierung im Streit um ein geplantes Gesetz zur Beschneidung der Marktmacht von Internetkonzernen damit gedroht, die Google-Suchfunktion auf dem gesamten Kontinent abzuschalten. Das US-Unternehmen reagierte damit auf den Vorstoß Australiens, als weltweit erstes Land Internetplattformen wie Google oder Facebook radikal in ihre Schranken zu weisen und zur Zahlung einer Nutzungsgebühr zu verpflichten, wenn sie Inhalte lokaler Medien verbreiten. Die Technologiekonzerne wehren sich dagegen.


    "Sollte diese Fassung der Medienrichtlinie Gesetz werden, dann hätten wir wirklich keine andere Wahl, als die Google-Suchfunktion in Australien nicht mehr zugänglich zu machen", sagte die für Australien und Neuseeland zuständige Alphabet-Managerin Mel Silva in einer Anhörung im australischen Senat. Auch Facebook-Manager kündigten bei der Senatsanhörung erneut Konsequenzen an. Sie wiederholten Aussagen aus dem vergangenen Jahr, wonach das Unternehmen – sollte das neue Gesetz Wirklichkeit werden – möglicherweise nicht nur Medienunternehmen daran hindern würde, Links zu Nachrichtenartikeln auf seiner Plattform zu veröffentlichen, sondern sämtliche Nutzerinnen und Nutzer in ganz Australien.

    Bestimmte Nachrichten sind schon seit Wochen verschwunden

    Bisher bündeln und verbreiten Plattformen wie Google Nachrichtentexte von Zeitungen, Sendern und Internetmedien auf ihren Übersichtsseiten, ohne dafür zu bezahlen. Nach dem neuen australischen Mediengesetz sollen die Internetkonzerne künftig Verwertungsgebühren mit Verlagen und Sendern aushandeln. Scheitern die Verhandlungen, soll ein staatlich bestellter Schiedsrichter die Gebühren festlegen.


    Nach der Drohung des Alphabet-Managers nahm der australische Ministerpräsident Scott Morrison öffentlich Stellung. "Lassen Sie mich eins klar sagen: Australien legt die Regeln fest für das, was man in Australien tun darf. Das geschieht in unserem Parlament", sagte der Premier. "So läuft das hier in Australien", sagte Morrison und fügte hinzu, seine Regierung werde auf Drohungen nicht reagieren.


    Schon in den vergangenen Wochen hatte Google seine Marktmacht ausgespielt und damit begonnen, die Vielfalt der gezeigten Nachrichten auf seinen Übersichtsseiten zu beschneiden. Bestimmte Medien, darunter etwa Artikel des Sydney Morning Herald oder der australischen Ausgabe der Zeitung The Guardian, tauchten in den Suchtreffern gar nicht mehr auf. Beobachter werteten das als ersten Versuch des Unternehmens, Druck auf die australische Regierung auszuüben. Google selbst sprach von einem "Experiment", das nur rund ein Prozent der Google-Suchmaschinennutzer in Australien beträfe und dazu diene, festzustellen, welche Wirkung Google News und Google Search aufeinander hätten.



    22. Januar 2021 - https://www.zeit.de/digital/in…eit-internet-mediengesetz




    Sogenannte Seapods: Kleine Wohneinheiten auf Pfeilern in ruhigem Wasser, in deren Hintergrund die Sonne untergeht


    Chad und Nadja haben sich schon mit Thailands Marine angelegt. Koen baut schwimmende Häuser. Rüdiger kauft gerade ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Die Pioniere des "Seasteading" schwärmen von echter Freiheit und maximaler Selbstbestimmung.


    Prototyp einer Wohnkapsel im Meer


    Ihre neuen Mikrogesellschaften auf See sollen ohne lästige Bauordnungen, Gewerkschaften und Steuern auskommen. Ein Schuss Geschäftskalkül ist dabei und viel ultra-libertäre Schwärmerei. Jeder Staat ist in den Augen dieser Seesiedler nur ein hässliches Monopol, alle Politik korrupt und jeder seines Glückes Schmied – entsprechende Mittel vorausgesetzt. Am besten in Bitcoins. Ein Startup für eine neue Staatsform? "Die Demokratie hat das Leben von Milliarden Menschen verbessert, aber es ist eine 230 Jahre alte Technologie", findet Randolph Hencken, einer der Gründer des "Seasteading Institute" und fragt: "Können wir nicht etwas Neues versuchen?"


    Es gibt Audio, siehe Link unten:


    23.01.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr3…aatenloses-leben-100.html


    Porträt von Joseph Beuys


    1943 wird Joseph Beuys als Bordfunker mit seinem Stuka-Flugzeug über der Krim abgeschossen. Tataren hätten ihn gefunden und mehrere Tage mit Fett bestrichen und in wärmendes Filz gewickelt, wird er später immer wieder behaupten: Deshalb wären diese beiden Materialien Hauptbestandteil seiner Kunst. Recherchen in Wehrmachtsakten indes ergeben, dass Beuys bereits einen Tag nach dem Abschuss ins Lazarett kommt. Aber die Legendenbildung ist eigentlich nur konsequent: Für Beuys ist auch das Leben Kunst. Da darf man die eigene Biografie zur Legende verdichten.

    Lehrer vieler Künstler

    Geboren wird Beuys 1921 in Krefeld. Schon früh beobachtet, sammelt und zeichnet er Tiere, träumt von einer eigenen Herde. Später arbeitet er in einem Wanderzirkus. Nach dem Abitur kommt er zur Wehrmacht, der spätere Tierfilmer Heinz Sielmann bildet ihn zum Funker aus.


    Nach 1945 beginnt Beuys in Düsseldorf ein Kunststudium. Später wird er Meisterschüler des Bildhauers Ewald Mataré, mit dem er über die Anthroposophie Rudolf Steiners diskutiert. Es folgen rastlose Sucherjahre, in denen Beuys Zuflucht im Elternhaus der Brüder van der Grinten am Niederrhein findet. Sie werden seine ersten Sammler.


    Ab 1961 unterrichtet Beuys an der Kunsthochschule Düsseldorf, wo Jörg Immendorff, Felix Droese oder Blinky Palermo zu seinen Schülern zählen. Als er 1971 mit seinen Studenten das Sekretariat der Kunsthochschule besetzt, um für erleichterte Immatrikulationsbedingungen zu demonstrieren, wird er entlassen, später aber rehabilitiert.

    Kann das weg?

    Mit seiner Kunst stößt Beuys immer wieder auf Unverständnis. Eine von ihm mit Heftplastern und fettgetränkten Mullbinden ausgekleidete Babybadewanne wird als Bierkühler missbraucht, eine im Atelier der Düsseldorfer Kunstakademie hinterlassene "Fettecke" fällt einer Putzfrau zum Opfer.


    1965 irritiert Beuys mit einer Performance, in der er einem Hasen durch eine Maske aus Gold und Honig hindurch "die Kunst" erklärt. Die Irritation hat Methode: Schließlich zielt sein Kunstbegriff gerade auf das Unerklärliche und damit Energiespendende der Kunst: "Die Kunst hat eben die Aufgabe der Erweckung kreativer Zentren, die im Menschen noch schlummern."


    Die Erweckung geht bis ins Politische, das Beuys in sein Gesamtkonzept einer "sozialen Plastik" miteinbezieht. In den siebziger Jahren ist Beuys Gründungsmitglied der Grünen, für die er 1979 als Kandidat sogar fürs Europaparlament antritt – für ihn auch ein künstlerischer Akt.




    Es gibt noch Audio und Joseph Beuys erklärt einem Hasen seine Bilder - siehe Link unten:


    23. Januar 1986 - https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-joeseph-beuys-100.html



    Der arktische Polarwirbel steht vor dem Zusammenbruch. Und das könnte eisige Temperaturen nach Europa bringen. Eine lange Kältewelle dürfte den Coronawinter verschärfen.


    Winter im Bayerischen Wald


    Die Hoffnung auf ein zeitiges Frühjahr war wohl noch nie so groß wie im Winter 2020/21. Sonne und Wärme könnten mithelfen, die Coronakrise einzudämmen. Allein das Lüften von Innenräumen wäre bei angenehmen Außentemperaturen kein Vorgang mehr, den man nur widerwillig vornimmt. Freunde und Familie könnten wir wieder draußen treffen, ohne Frostbeulen zu riskieren. Doch das Wetter scheint erst einmal nicht mitzuspielen: Der Winter will von Sonne und Wärme in diesem Jahr vorerst nichts wissen. Die Wahrscheinlichkeit ist sogar hoch, dass Mitteleuropa eine längere Kältewelle bevorsteht.


    Zum ersten Mal seit vier Jahren zeigt sich der Januar von seiner kalten Seite, große Teile des Landes liegen unter einem Häubchen Schnee. Glaubt man den Meteorologen, dann könnte dies erst der Anfang sein. Denn mit Januarbeginn hat sich in der Atmosphäre ein Wetterphänomen ereignet, das häufig lange Kältewellen über Europa auslöst. Deutsche Wissenschaftler bezeichnen es als plötzliche Stratosphärenerwärmung, international ist es als Major Warming bekannt.


    Das Phänomen spielt sich nicht in unserer Wetterschicht der Troposphäre ab, sondern eine Etage höher in der Luftschicht zwischen 10 und 50 Kilometer Höhe, der Stratosphäre. In der freien Atmosphäre dort ist es normalerweise extrem kalt und ziemlich monoton. Jedes Winterhalbjahr bildet sich dort über der Arktis der Polarwirbel, der wie ein riesiger Kreisel stoisch rotiert. Er dreht sich als gigantisches Tiefdruckgebiet gegen den Uhrzeigersinn und bewegt so die Luft mit der Erddrehung von West nach Ost. Minus 80 Grad Celsius und kälter kann es in der Hochstratosphäre werden. Die starken Westwinde reißen mit der Zeit auch die unteren Windgürtel mit, darunter den für unser Wetter so wichtigen Jetstream, der am oberen Ende der Troposphäre bläst. Ist der Polarwirbel intakt, treibt er den Jetstream an – unser Wetter ist dann stürmisch und mild, wie beispielsweise im Februar und März 2020.


    Doch hin und wieder, im Schnitt alle zwei Jahre, erhitzt sich die Stratosphäre plötzlich. Innerhalb weniger Tage kann es in diesen lebensfeindlichen Gefilden um 40 Grad Celsius wärmer werden, mit massiven Konsequenzen für die vorherrschende Strömung. Der Polarwirbel beginnt zu trudeln, mitunter wird er deformiert oder gar in zwei kleine Wirbel zerschlagen. In der Folge kann seine Zirkulation komplett zusammenbrechen, dann herrscht Ostwind in der Höhe. Ist jener Zustand erreicht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass am Erdboden eisige Polarluft nach Süden ausbricht: Ausgerechnet viel Wärme in der Höhe kann grimmige Kälte am Boden verursachen.

    Zusammenbruch Anfang Januar

    Exakt ein solches Phänomen beobachteten Atmosphärenforscher am 5. Januar. Nach einer plötzlichen Erwärmung drehte der Wind in 36 Kilometer Höhe von West auf Ost, die normale Zirkulation auf der Nordhalbkugel brach zusammen. Mittlerweile ist die Zirkulation bis in die untere Stratosphäre gestört; ob sich dieses Signal jedoch bis zum Erdboden durchpaust, ist derzeit noch unklar.


    Die Atmosphärenphysikerin Daniela Domeisen von der ETH Zürich untersucht solche Wetterphänomene in der Stratosphäre schon seit Jahren. Die Lage sei derzeit ein wenig diffus, sagt sie. Domeisen ist nicht so sehr an den kurz- und mittelfristigen Vorhersagen der Atmosphäre interessiert, die Wettercomputer alle paar Stunden für die nächsten Tage berechnen. Sie versucht, mit den Vorgängen in der Stratosphäre langfristige Muster in der Atmosphäre zu erkennen und dadurch Vorhersagen über Wochen zu ermöglichen. Plötzliche Stratosphärenerwärmungen bieten dafür eine gute Möglichkeit.


    Aktuell seien die Vorgänge in der Stratosphäre jedenfalls hochdynamisch, sagt Daniela Domeisen, auch die untere Stratosphäre habe sich mittlerweile erwärmt. Diese Schicht der irdischen Lufthülle ist für die Forscherin besonders interessant, sie gilt als Signalgeber für die Troposphäre, in der unser Wetter gemacht wird. »Je stärker und langlebiger die Erwärmung in der unteren Stratosphäre zwischen 10 und 15 Kilometer Höhe ausfällt, desto eher gibt es einen Einfluss auf die Erdoberfläche«, sagt Domeisen. Und die Chancen für längeres Winterwetter stehen in diesem Jahr offenbar gut: Es sehe derzeit danach aus, dass sich der Wirbel teilt, sagt sie.


    Wird am Ende das Signal aus der Stratosphäre nach unten weitergegeben, ist besonders der Jetstream betroffen. Er verliert dann an Geschwindigkeit, wird labil und buchtet stärker nach Norden und Süden aus. Damit bricht in der Troposphäre die Zirkulation zusammen, und kaltes Winterwetter wird wahrscheinlicher. Die Frage ist allerdings wo: Strömt die arktische Kaltluft anschließend eher nach Nordamerika oder zu uns nach Europa? Damit eisige Arktisluft den Weg nach Europa findet, müsste sich über Grönland ein gewaltiges Hochdruckgebiet aufbauen, das Warmluft vom Atlantik blockiert. Eine solche Konstellation deutet sich in den Modellen seit einiger Zeit immer wieder an.


    Allerdings schlägt nicht jede Stratosphärenerwärmung bis in die Troposphäre durch. Bei jedem dritten Ereignis ist die Troposphäre für Signale von oben nicht empfänglich. Warum das so ist, ist einer von vielen offenen Forschungspunkten. Unklar ist auch, warum es bei manchen Events nur einige Tage dauert, bis das Signal von der Hochstratosphäre an den Boden weitergegeben wird, und warum es bei anderen Ereignissen mehrere Wochen dauert. Zudem wundern sich Meteorologen, weshalb in den vergangenen Jahren vor allem Nordamerika von heftigen Kaltluftausbrüchen aus der Arktis getroffen wurde, während Europa meist verschont blieb. Im Winter vor zwei Jahren zum Beispiel ereignete sich ebenfalls ein Major Warming in der Stratosphäre, doch in Europa merkte man davon fast nichts. Dafür wurde es in Nordamerika bitterkalt, die Großen Seen froren zu. Erschwerend kommt hinzu, dass die Troposphäre auch einfach so kalte Nord- und Ostlagen auslösen kann, ganz ohne Unterstützung von der Stratosphäre.

    Rätselhafte Stratosphäre

    Ein Teil der Unsicherheit liegt daran, dass die Stratosphäre lange Zeit von der Forschung stiefmütterlich behandelt wurde und selbst noch heute die Datenlage eher schlecht als recht ist. Selbst zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Wissenschaftler weiterhin davon überzeugt, dass es mit der Höhe einfach immer kälter würde, bis in 30 bis 35 Kilometer Höhe der absolute Nullpunkt erreicht sein sollte. Heute weiß man das zwar besser, aber der Forschungsstand über die Stratosphäre bleibt ziemlich übersichtlich. Nur ansatzweise ist bekannt, wie die zweite Etage der Atmosphäre auf den Klimawandel reagieren wird. Dabei ist die Stratosphäre nicht irgendeine zu vernachlässigende Schicht über unseren Köpfen, sie beeinflusst unser Wetter am Erdboden nachhaltig.


    Die Forschung blickt daher auf Ereignisse aus der Vergangenheit. Anfang Februar 2018 beispielsweise ereignete sich ein mustergültiges Major Warming, in dessen Folge es am Ende des Monats zu einem knackigen Wintereinbruch über ganz Europa kam. »Beast from the East« tauften die Engländer jene Kältewelle, die Stratosphärenerwärmung verlief lehrbuchmäßig. Innerhalb von zwei Wochen drehte der Wind in allen Luftschichten von West auf Ost – der Polarwirbel hatte sich in zwei kleine Wirbel geteilt. Arktisluft flutete den Kontinent.

    Blick in die Vergangenheit

    Der Meteorologe Richard Hall von der University of Bristol bekam das »Biest« damals am eigenen Leib mit. In einer Studie im »Journal of Geophysical Research« analysierte er mit Kollegen aus Exeter und Bath 40 Stratosphärenerwärmungen aus den vergangenen 60 Jahren und widmete sich vor allem der Frage, wie das Signal nach unten migrierte. Dabei fiel ihnen auf, dass es einen Unterschied machte, ob der Polarwirbel nur deformiert wurde – oder ob er sich in zwei kleine Wirbel teilte. In letzterem Fall sanken die Temperaturen in Nordwesteuropa und Sibirien stärker.


    Alle dominanten Warmings seit Beginn der Satellitenära im Jahr 1979 wurden vor vier Jahren schon einmal untersucht. Die Studie, die im »Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society« erschien, zählte lang andauernde Kältewellen in Europa auf, darunter die Winter 1979, 1982, 1985, 1987 und letztmals auch 2010. Es waren Kältewellen, die das Prädikat »richtiger Winter« noch verdienten. Jedes Mal war die Stratosphäre daran beteiligt.


    Und Daniela Domeisen wies in einer aktuellen Studie, veröffentlicht in den »Communications Earth & Environment«, nach, dass die Stratosphäre bei anderen Extremwetterlagen ebenfalls mitmischt. So lässt sich die Sturmserie am Ende des vergangenen Winters auf einen sehr starken Polarwirbel zurückführen. Außerdem waren die verheerenden Buschbrände in Australien Anfang 2020 ebenso an die Stratosphäre gekoppelt.


    Am besten untersucht sind bis heute die Kaltlufteinbrüche. Ein besonders eindrücklicher ereignete sich im Spätwinter des Jahres 2013, als Folge auf ein Major Warming Anfang Januar – ähnlich wie in diesem Jahr. Im März lag damals fast das ganze Land unter einer Schneedecke, knackige Kälte hielt sich hartnäckig bis Mitte April. Erst dann kam der Frühling. Es wäre wohl die schlimmste Wetterlage für diesen zermürbenden Coronawinter.



    14.01.2021 - https://www.spektrum.de/news/z…2248-757508384.1611292248






    Die Fernsehserie »Game of Thrones« hat das ausgestorbene Tier weltberühmt gemacht. Nun haben Genetiker die Verwandtschaftsverhältnisse von Canis dirus geklärt. Offenbar konnte der Wolfsartige nicht mit jedem.


    Ein Wolf (Mitte) legt sich mit einem Canis dirus (rechts) an. Letzerer trägt ein rötliches Fell. (Illustration)


    Noch am Ende der Eiszeit durchstreifte Canis dirus den nordamerikanischen Kontinent, bis der Wolfsartige vor zirka 13 000 Jahren ausstarb. Bislang rätselten Forscher über die genauen Verwandtschaftsverhältnisse des »schrecklichen Hunds«, vor allem seine Verbindung zu Canis lupus, des heute auf der Nordhalbkugel vorkommenden Wolfs. Nun hat eine Forschergruppe um Angela Perri von der Durham University und Laurent Frantz von der Ludwig-Maximilians-Universität München Überreste des Eiszeiträubers untersucht und eine nur entfernte Verwandtschaft zu heute lebenden Tieren festgestellt. Dazu haben die Wissenschaftler das Erbgut von Canis dirus entziffert, der als »Schattenwolf« und Wappentier der Serie »Game of Thrones« Berühmtheit erlangte. Die Ergebnisse veröffentlichten die Paläogenetiker im Fachblatt »Nature«.


    Wegen der sehr ähnlichen körperlichen Merkmale zwischen Canis dirus und heute lebenden Tieren wurde bisher davon ausgegangen, dass sie sehr eng miteinander verwandt sind. Ihr Verbreitungsgebiet in Nordamerika habe sich zwar mindestens 10 000 Jahre lang auch überschnitten, trotzdem hätten sich nun keine Hinweise auf Kreuzungen mit Wölfen oder auch Kojoten gefunden. »Unsere genetischen Ergebnisse zeigen stattdessen, dass Canis dirus und heute lebende Wölfe sehr entfernte Cousins sind«, sagt Koautor Kieren Mitchell von der University of Adelaide. Das Verhältnis sei vergleichbar mit der Verwandtschaft zwischen Menschen und Schimpansen.


    Die Abstammungslinie des »Game of Thrones«-Wolfs habe sich vor rund sechs Millionen Jahren abgespalten. Die folgende »reproduktive Isolation« führte nach Vermutung der Forscher schließlich am Ende der Eiszeit dazu, dass Canis dirus genetisch schlecht für die neuen Umweltbedingungen gerüstet war und ausstarb. Ihre Erkenntnisse erlangten die Forscher durch die genetische Analyse von fünf zwischen rund 13 000 und 50 000 Jahre alten Überresten von Canis dirus. Die untersuchten Knochen kamen in den US-Bundesstaaten Wyoming, Idaho, Ohio und Tennessee ans Licht.


    Aus der Erbgutanalyse schließen Perri, Frantz und ihre Kollegen zudem, dass sich die ausgestorbene Art auf dem amerikanischen Kontinent entwickelt hat. Die Vorfahren von Wölfen oder Kojoten hingegen stammten aus Eurasien. Erst später hätten sie sich auch nach Nordamerika ausgebreitet. (kas)



    13.01.2021 - https://www.spektrum.de/news/c…ocket-newtab-global-de-DE


    Korrelierte Elektronen im Vogelauge detektieren selbst schwache Magnetfelder. Dass das tatsächlich funktioniert, haben nun zwei Forscher an Zellkulturen gezeigt.


    Porträtfoto einer überrascht guckenden Schneeeule.


    Ein Magnetsensor aus zwei quantenmechanisch miteinander verknüpften Elektronen lässt Vögel das Erdmagnetfeld buchstäblich sehen. Nun haben Noboru Ikeya und Jonathan R. Woodward von der Universität Tokio diesen Nanokompass der Zelle, ein so genanntes Radikalpaar, zum ersten Mal live in Aktion beobachten können. Wie sie in »PNAS« berichten, entsteht das gleiche Radikalpaar auch bei einem als Autofluoreszenz bezeichneten Prozess in menschlichen Zellen – und dieser Vorgang macht den Magnetfeldeffekt durch das ausgesandte Licht direkt sichtbar. Befanden sich die Zellen dabei in einem schwachen Magnetfeld, leuchteten sie im Mittel um 3,7 Prozent schwächer – nach Ansicht der Autoren genug, um den Magnetsinn zu erklären.


    Seit Jahrzehnten rätseln Fachleute, wie dieser Magnetsinn der Vögel und anderer Tiere funktioniert. Das Erdmagnetfeld ist für viele potenzielle biologische Magnetsensoren zu schwach. Auf der Basis theoretischer Überlegungen kristallisierte sich ein subtiler Quanteneffekt als wahrscheinlichste Möglichkeit heraus. Der findet an einem Flavin-Molekül statt, das an lichtempfindliche Proteine namens Cryprochrome gebunden ist. Diese Moleküle und das von ihnen absorbierte Licht, so viel ist bekannt, sind für das Funktionieren des Kompasses absolut notwendig.


    Bei dem als Radikalpaar-Mechanismus bezeichneten Quanteneffekt hinter dem Magnetsinn der Vögel absorbiert das Molekül Flavin im Herzen des Cryptochroms blaues Licht und wird dadurch angeregt. Ein zweites Molekül überträgt anschließend dem Flavin ein einzelnes Elektron und bildet mit diesem das Radikalpaar: Jedes der beiden Moleküle trägt nun ein Elektron, das nicht Teil eines stabilen Elektronenpaares ist. Die beiden einzelnen Elektronen sind aber trotzdem miteinander verknüpft, und zwar über ihre Elektronenspins – die Quantenversionen des magnetischen Moments. Die können einerseits parallel, andererseits entgegengesetzt zueinander ausgerichtet sein; diese beiden Varianten reagieren chemisch sehr unterschiedlich. Die beiden Spinzustände können sich jedoch ungehindert ineinander umwandeln, so dass die Reaktionen beider Zustände ablaufen.

    Die Radikale im Herzen des Magnetsinnes

    Der entscheidende Punkt: Das ändert sich, wenn ein schwaches Magnetfeld hinzukommt. Dann verschieben sich die Energielevel der Spinzustände, und ihre Reaktionen laufen in anderen Mengenverhältnissen ab. Im Vogelauge sind die veränderten Verhältnisse der Reaktionsprodukte mutmaßlich das Signal für die Zelle, dass sich etwas am Magnetfeld geändert hat.


    Das Experiment von Ikeya und Woodward basiert einerseits darauf, dass Flavine nicht nur im Vogelauge als Teil des Cryptochroms, sondern in allen Zellen vorkommen. Sie nutzten als Modell menschliche Tumorzellen, die sich gut im Labor züchten lassen. Auch in diesen hebt geeignetes Licht Flavin in einen höheren Zustand; es gibt die aufgenommene Energie aber zum großen Teil als eigenes Licht wieder ab. Diesen Effekt bezeichnet man als Autofluoreszenz. Allerdings bildet ein Teil der angeregten Flavine auch quantenverschränkte Radikalpaare – ohne Licht abzugeben. Und nur einer der beiden möglichen Spinzustände kann wieder zum ursprünglichen, durch Licht anregbaren Flavin werden.


    Ohne Magnetfeld wandeln sich die Spinzustände frei ineinander und zum ursprünglichen Flavin um. Doch mit einem Magnetfeld verschieben sich die Energiezustände so, dass die Flavine als Radikalpaar »gefangen« bleiben. Dadurch ist weniger durch Licht anregbares Flavin in der Zelle – und damit sendet sie weniger Licht durch Autofluoreszenz aus. Der Vorgang in der Zelle unterscheidet sich also in mehreren Punkten von dem im Vogelauge. Doch aus Sicht der beiden Forscher spricht alles dafür, dass der Kern der Sache – das Radikalpaar des Flavins, das durch das Magnetfeld anders reagiert – der gleiche ist wie im Vogelauge. Das Experiment zeigt, dass schon ein schwaches Magnetfeld die erwartete messbare Wirkung auf dieses Quantensystem hat.



    11.01.2021 - https://www.spektrum.de/news/q…ocket-newtab-global-de-DE



    Jean-Pierre Bacri


    Jean-Pierre Bacri


    Der französische Schauspieler und Drehbuchautor Jean-Pierre Bacri ist tot. Der 69-Jährige starb am Montag, wie seine Agentur der Deutschen Presse-Agentur in Paris bestätigte. Bacri zählte zu den bekanntesten Schauspielern Frankreichs und war in Filmen wie "Das Leben ist ein Fest", "Zwischen allen Stühlen", "Das Leben ist ein Chanson" von Alain Resnais oder "Schau mich an!" zu sehen, an dessen Drehbuch er auch mitgeschrieben hat.


    Bacri wurde für seine Arbeit mehrfach mit dem französischen Filmpreis César ausgezeichnet und zehnmal für ihn nominiert. 1951 im heutigen Bou Ismaïl in Algerien geboren, wanderte er Anfang der Sechzigerjahre im Zuge des Algerienkriegs mit seiner Familie nach Cannes aus. Schließlich zog es ihn nach Paris, wo er an der berühmten Schauspielschule Cours Simon Unterricht nahm. Bacri begann damals erste Drehbücher für Theaterstücke zu schreiben. 1979 spielte er in dem Filmdrama "Waffe des Teufels" neben Alain Delon.


    Bacri arbeitete immer wieder mit der Schauspielerin und Regisseurin Agnès Jaoui zusammen. Zuletzt spielte er in dem Film "Familienfoto" an der Seite von Vanessa Paradis. Medienberichten zufolge ist Bacri einer langwierigen Krebserkrankung erlegen.



    18. Januar 2021 - https://www.sueddeutsche.de/ku…an-pierre-bacri-1.5178683


    Gravitationswellen: Hinweis auf kosmisches Superbrummen

    Seit Langem suchen Forscher nach besonderen Gravitationswellen, die von supermassereichen Schwarzen Löchern ausgehen. Nun könnten sie eine Spur dieses kosmischen Hintergrundrauschens entdeckt haben.


    Gravitationswellen


    Astrophysiker könnten eine neue Form von Gravitationswellen aufgespürt haben, die auf besonders massereiche Schwarze Löcher zurückgeht. Ihre Wellenlänge wäre viel größer als die der bisher nachgewiesenen Gravitationswellen – statt einiger Sekunden würden sie Jahre benötigen, um die Erde zu passieren. Klassische Detektoren wie die des LIGO-Observatoriums können sie daher nicht nachweisen: Die L-förmigen Laserinterferometer halten lediglich nach kurzen und sehr markanten Raumzeitbeben Ausschau. Sie stauchen die vier Kilometer langen Tunnel der Anlagen kurzzeitig um einen knappen Atomkerndurchmesser. Die Gravitationswellen gehen hierbei meist auf kollidierende Schwarze Löcher mit einigen dutzend Sonnenmassen zurück; der Zusammenstoß peitscht die Raumzeit kurz auf und schickt Gravitationswellen mit einer Frequenz von einigen hundert Hertz auf den Weg.


    Gravitationswellen sind winzige Erschütterungen der Raumzeit, die Albert Einstein 1915 in seiner allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt hat und die Menschen erstmals 2015 nachgewiesen haben. Die Raumzeitbeben entstehen, wenn irgendwo im Weltall riesige Massen beschleunigt werden, beispielsweise bei der Kollision zweier Schwarzer Löcher. Die dabei losgetretenen Schwingungen breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit in alle Raumrichtungen aus – und können nahezu ungehindert das gesamte Weltall durchdringen. Auf der Erde kann man Gravitationswellen mit Laserinterferometern nachweisen: Die Anlagen bestehen aus zwei jeweils drei bis vier Kilometer langen Tunneln, die wie ein »L« angeordnet sind und in denen Laserstrahlen hin und her laufen. Trifft eine Gravitationswelle einen dieser Arme, wird die Strecke minimal gestaucht, wodurch das Licht die Distanz zum Ende des Tunnels um den Bruchteil einer Sekunde schneller zurücklegt


    Aus kosmischer Sicht sind derartige Ereignisse allerdings kaum mehr als ein Fiepen, das für einen Moment aus dem monotonen Brummen der Ewigkeit heraussticht. Letzteres stammt vermutlich aus den Zentren besonders mächtiger Galaxien, in denen sich zwei supermassereiche Schwarze Löcher belauern. Jedes von ihnen vereint Milliarden Sonnenmassen in seinem Inneren. Gemeinsam durchpflügen sie die Raumzeit wie die Arme eines riesigen Handmixers.

    Dabei versetzen die Giganten das Raumzeitgefüge in Schwingung. Die Erschütterungen gleichen hier allerdings weniger einem plötzlichen Erdbeben als einem gemächlichen, nie enden wollenden Rütteln. Auf der Erde sollte es zu jeder Zeit als Gravitationswellenrauschen im Nanohertzbereich nachweisbar sein – wenn man denn die richtigen Messgeräte benutzt.


    In Frage kommen Radioteleskope, die ferne Pulsare beobachten: Ausgebrannte, extrem kompakte Sterne, die sehr schnell rotieren und in einem festen Takt Radiopulse in unsere Richtung feuern. Verfolgt man diese Signale über viele Jahre, lässt sich daraus ablesen, ob die Erde gerade in eine bestimmte Richtung verschoben wird, etwa von einer besonders großen Gravitationswelle. Das NANOGrav-Projekt hat 12,5 Jahre nach solch einem Signal gesucht. Die Basis hierfür bildeten die Daten von 45 Pulsaren, die das Team mit dem mittlerweile stillgelegten Arecibo-Teleskop und dem Greenbanks-Teleskop gesammelt hat. Dabei stießen die Forscher auf ein rätselhaftes Rauschen, das vom Gravitationswellen-Hintergrund stammen könnte, wie sie in den »Astrophysical Journal Letters« berichten.


    Noch bestehen allerdings Zweifel, ob es sich wirklich um das Brummen supermassereicher Schwarzer Löcher handelt: Die Form des Signals entspricht nicht genau dem, was die Wissenschaftler in diesem Fall erwarten würden. In Frage kommen somit auch irdische Störsignale, die man bisher übersehen hat. Weitere Tests und Messungen seien daher nötig, bis man die endgültige Entdeckung der neuen Gravitationswellenvariante verkünden könne.



    Hier gibt es noch eine Animation > siehe Link


    12.01.2021 - https://www.spektrum.de/news/g…ocket-newtab-global-de-DE



    Sie galt als "Seelchen" des deutschen Films - auch wenn sie selbst dieses Etikett immer verabscheut hat. Keine konnte so hinreißend unter Tränen lächeln wie Maria Schell. Mit Melodramen wie "Dr. Holl" oder "Der träumende Mund" eroberte die in Wien geborene Tochter eines Schweizer Schriftstellers und einer österreichischen Schauspielerin die Herzen des deutschen Nachkriegs-Publikums.


    Maria Schell


    Sie gab immer alles vor der Kamera: "Sich verströmen" nannte Maria Schell ihre Technik, die manchmal auch überzogen wirken konnte. Und doch stieg sie mit ihrem Gesicht, das von innen zu leuchten schien, und dem ganz eigenen seelenvollen Zauber zu einem der wenigen deutschsprachigen Weltstars auf:


    Sie becircte Yul Brynner in "Die Brüder Karamasow", ließ sich mit Marcello Mastroianni verliebt durch Viscontis "Weiße Nächte" treiben, war Partnerin von Gary Cooper oder Glenn Ford.

    Im Alter litt sie unter schweren Depressionen und wurde zunehmen dement, was ihr Bruder Maximilian Schell in seinem Film "Meine Schwester Maria" thematisierte.



    Es gibt noch Audio, siehe Link unten...


    15.01.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…itzeichen/schell-100.html

    Mit dem "Bananentanz" wurde Josephine Baker berühmt, ihr Tanzstil revolutionierte die Revuetheater Europas. Mutig kämpfte sie gegen Rassismus und die Nazis.

    Die US-amerikanische Tänzerin Josephine Baker liegt auf einem Tigerfell


    Starfoto: Josephine Baker posiert auf dem Tigerfell


    Mehr als 1500 Heiratsanträge soll Josephine Baker bekommen haben. 1927 verdient die berühmte Tänzerin mehr als jede andere Entertainerin und jeder andere Entertainer in Europa. Da ist sie gerade mal 20. Mit ihr kommt die weltberühmte "Revue Nègre" und der "Hot Jazz" in die europäischen Kulturmetropolen.

    In Paris, Madrid und Berlin liegen ihr Künstler und Literaten wie Picasso, Hemingway, Le Corbusier, Schauspieler und Theaterleute wie Jean Gabin und Max Reinhardt zu Füßen. Jean Cocteau schwärmt euphorisiert: "Dieses schöne Idol aus braunem Stahl, Ironie und Gold!"

    Aus den Slums bis zum Broadway

    Als Kind hat Josephine Baker nicht viel zu lachen. Sie muss früh hart arbeiten und Geld ranschaffen. 1917 erlebt sie mit elf Jahren die Pogrome mit, bei der fast 100 Schwarze Lynchmorden zum Opfer fallen. Geboren wird sie in Missouri/USA, in den Slums von St. Louis. Freda Josephine McDonald steht auf ihrer Geburtsurkunde, datiert auf den 3.6.1906: uneheliche Tochter einer Schwarzen und eines weißen Spaniers. Der Vater, Musiker jüdischer Abstammung, ist arbeitslos und macht sich schnell aus dem Staub.


    Bei reichen weißen Familien kommt sie als Hausmädchen unter. Aber sie lernt schnell den tagtäglichen Rassismus der besitzenden Klasse kennen. Mit 15 verheiratet die Mutter ihre Tochter, um sie versorgt zu wissen.Aus dieser kurzen Verbindung behält Josephine ihren Nachnamen Baker. Bei einer Wandertruppe hilft sie als Ankleidemädchen aus, ihr Alter muss sie verschleiern: Kein Theaterdirektor hätte einen Teenager engagiert. Als eine Tänzerin krank wird, ergreift sie mutig ihre Chance und tritt mit der Truppe auf. Auf der Bühne erobert sie sich ihre Welt.


    Josephine Baker in einer Tanszene mit einem schwarzen Partner


    Bakers Durchbruch kam mit der "Revue nègre"


    Und sie ist ehrgeizig und zäh: Mit 16 tanzt sie als Zweitbesetzung in einem schwarzen Musical, 1922 folgen Auftritte in der erfolgreichen Show "Chocolate Dandies", die Gastspiele in Moskau und St. Petersburg hat. Mit dieser Revue gelingt ihr auch der erfolgreiche Sprung an den New Yorker Broadway - und kurz darauf nach Europa.

    Paris als glamouröse Kulisse

    Im mondänen Pariser "Theatre des Champs Elysées" tritt sie 1925 in einer Tanzrevue auf - nur mit ein paar Federn und Perlenkette bekleidet. Ihre sinnliche Erotik, ihr durchtrainierter Körper und ihre legendären Charleston-Nummern reißen die Zuschauer vor Begeisterung von den Stühlen. Berühmt ist vor allem ihr "danse sauvage", ihr Bananentanz in einem Röckchen aus 16 Bananen. Über Nacht wird sie zum gefeierten Star. tritt bald im berühmten Varietétheater "Folies Bergère" auf, reist mit einer Tournee der "Revue Nègre" quer durch Europa. Am 14. Januar 1926 begeistert sie zum ersten Mal ein deutsches Publikum am Kurfürstendamm in Berlin.


    Josephine Baker tanzt mit Federboa


    Die Männer waren verrückt nach Josephine Baker


    Die exotische Tänzerin Josephine Baker wird auf ihren Tourneen vergöttert und überschüttet mit teuren Geschenken und Liebesschwüren ihrer Verehrer. Ungerührt hält sich die Diva zahllose Liebhaber, schläft mit Männern wie Frauen - und heiratet einen sizilianischen Hochstapler, um sich mit dessen Adelstitel zu schmücken. Glücklich wird sie in all diesem Reichtum nicht.

    Der "Hot Jazz" erobert Europas Bühnen

    Josephine Baker ist in den "Roaring Twenties" das Sexsymbol ihrer Zeit. Den "Hot Jazz" macht sie in den 1920er-Jahren in Paris, Berlin und anderen Städten salonfähig. Wenn sie singt, sind ihre Texte eher halbseiden. Sie spielt mit ihrem exotischen Image als "Schwarze Venus". Jeder Auftritt ist ein Riesenrummel. In München erhält sie allerdings Auftrittsverbot: wegen der zu erwartenden "Verletzung des öffentlichen Anstands".

    Während einer USA-Tournee erlebt Baker, die in Europa als schwarzer Revuestar gefeiert wird, massive rassistische Anfeindungen. Nach der Show muss sie durch den Dienstboteneingang verschwinden. Enttäuscht wird sie 1937 endgültig französische Staatsbürgerin - dank ihrer Heirat mit dem französischen Juden und Großindustriellen Jean Lion.

    "Résistance"-Kämpferin gegen die Nazis

    Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 und die Besetzung Frankreichs durch Hitlers Wehrmacht verändert das Leben von Josephine Baker grundlegend. Anfangs arbeitet sie für das Rote Kreuz, hilft wo sie kann. Durch Kontakte zur französischen Widerstandsbewegung "Résistance" lässt sie sich zur Agentin der französischen Geheimpolizei ausbilden. Versteckt in ihrem Tourneegepäck schmuggelt sie Briefe und geheime Dokumente über die Grenze. General De Gaulle verleiht ihr am Ende des Krieges das Band der französischen Ehrenlegion.

    Begründerin der "Regenbogen-Familie"

    Politisches Engagement prägt auch die Zeit nach dem Krieg. Zusammen mit ihrem dritten Mann baut Josephine Baker ihr Schloss "Les Milandes" in der Dordogne zu einem Wallfahrtsort der Rassen- und Religionstoleranz aus. Zwölf Kinder, völlig unterschiedlicher Herkunft und Religion, hatte sie adoptiert: ihre "Regenbogen-Familie".


    Josephine Baker mit ihren zwölf adoptierten Kindern


    Josephine Baker hat zwölf Kinder unterschiedlicher Herkunft und Religion adoptiert


    Aber Baker ist ständig auf Tournee und kaum zu Hause. Die Kindererziehung überlässt sie ständig wechselnden Nannies und ihrem Mann. 1963 marschiert sie an der Seite von Martin Luther King in den USA bei dem legendären "Marsch auf Washington" mit, um gegen den Rassismus in den USA zu protestieren. Ihr luxuriöses Leben verschlingt Unsummen, am Ende ist Josephine Baker hoch verschuldet. Im Mai 1968 wird ihr Anwesen zwangsversteigert. Ihr Mann hat sie längst entnervt verlassen. Ihre Freundin Fürstin Gracia Patricia sorgt dafür, dass die Regenbogen-Familie beim Roten Kreuz in Monaco unterkommt. Ein Comeback 1973 in der New Yorker Carnegie Hall und ihre legendäre Show 1975 im Pariser Bobino-Theater bescheren Josephine Baker noch mal großen Presserummel. Aber die alternde Diva kann nicht an ihre früheren Erfolge anknüpfen. Am 12. April 1975 stirbt sie im Alter von 68 an Herzversagen. Ihr Ruhm als Tänzerin ist unvergänglich.


    Tausende Menschen stehen am Straßenrand, ein Leichenagen fährt am Bobino Theater in Paris vorbei


    Trauernde Fans stehen am Straßenrand, als der Wagen mit der sterblichen Hülle Josephine Bakers am Theater vorbeifährt, wo sie kurz zuvor aufgetreten war.



    Es gibt noch zwei Videoclips > siehe Link...


    14.01.2021 - https://www.dw.com/de/josephin…nes-revuestars/a-56210806



    Messungen am Rand des Sonnensystems: Das Universum ist heller als gedacht




    Die Plutosonde New Horizons ist weiter von der Sonne entfernt als fast alle Instrumente. Trotzdem ist ihr Sternenhimmel etwas heller als angenommen.


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    New Horizons am Rand des Sonnensystems


    Unser Universum ist zwar ziemlich dunkel, aber dabei doch heller als angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Gruppe von Forschern, die Daten der NASA-Sonde New Horizons ausgewertet haben. Die ist immerhin weiter von der Sonne entfernt als fast alle anderen irdischen Instrumente. Mit einem Abstand von deutlich mehr als sieben Milliarden Kilometern zu unserem Heimatstern ist ihr Sternenhimmel messbar dunkler als alles, was wir oder Sonden im inneren Sonnensystem zu sehen bekommen, erklären die Forscher. In dieser Umgebung durchgeführte Messungen hätten nun ergeben, dass es dort jedoch etwas heller ist als gedacht. Der Ursprung dieses Lichts ist noch unbekannt.

    New Horizons forscht und forscht

    New Horizons war 2006 gestartet und hatte am 14. Juli 2015 als erste Sonde überhaupt den Zwergplaneten Pluto passiert. Enthüllt hatte sie eine überraschend komplexe Welt. Vor zwei Jahren erreichte sie dann wieder als erstes Objekt von Menschenhand einen Himmelskörper im noch weiter entfernten Kuipergürtel – Arrokoth mit seiner Schneemann-Form. Seitdem hat sie zwar kein neues Ziel mehr, aber zuletzt hatte sie Astronomen dabei geholfen, die größte Parallaxmessung der Geschichte vorzunehmen. Gleichzeitig funktionieren ihre Instrumente aber weiterhin und sie liefert wertvolle Daten zur Erforschung der Grenze des Sonnensystems.


    Derart weit von der Sonne entfernt, sind deren Einflüsse tatsächlich noch einmal deutlich kleinere, erklären die Forscher nun. So sei es um New Horizons etwa zehnmal dunkler als an den dunkelsten Stellen, die das Weltraumteleskop Hubble im Erdorbit ins Visier nehmen kann. Wie hell es bei New Horizons aber genau ist, haben sie mithilfe der sogenannten LORRI-Kameras an Bord ermittelt. Nach dem Abzug bekannter Lichtquellen wie etwa der Milchstraße und von bekannten Reflexionsquellen habe sich ergeben, dass mehr Licht übrig geblieben sei als erwartet. Dessen Ursprung kennen die Wissenschaftler aber nicht, die ihre Analyse auf einem Treffen der American Astronomical Society vorgestellt haben.

    "Nur" hunderte Milliarden Galaxien

    Möglich sei, dass eine große Zahl von Zwerggalaxien in der Nachbarschaft der Milchstraße gerade unter der Nachweisbarkeit existieren. Auch könnten die Halos um Galaxien heller sein als bislang angenommen. Möglich sei auch, dass es viel mehr ungebundene Sterne im intergalaktischen Raum gibt als die gegenwärtigen Theorien vorhersagen. Derweil hätten die Messungen aber auch noch ergeben, dass die Zahl an Galaxien, die nicht direkt nachweisbar sind, deutlich geringer sein muss als gedacht. So scheine es "lediglich" Hunderte Milliarden Galaxien im Universum zu geben und nicht rund zwei Billionen, wie zuletzt mit Hubble ermittelt worden war.



    NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute


    14.01.2021 - https://www.heise.de/news/Mess…html?hg=1&hgi=0&hgf=false


    > Bilder von Plutos Oberfläche > siehe Link...

    "Galaxiegroßes" Observatorium findet Hinweise auf Gravitationswellen-Hintergrund


    In den Signalen von Pulsaren aus der ganzen Milchstraße haben Forscher womöglich Spuren eines ganz neuen Musters von Gravitationswellen gefunden.


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    Eine Gruppe von Forschern und Forscherinnen hat möglicherweise den ersten Hinweis auf den sogenannten Gravitationswellen-Hintergrund gefunden und hofft, uns bald ein völlig neues Fenster ins Universum zu öffnen. Der äußerst schwierige und noch nicht eindeutige Nachweis gelang im Rahmen des North American Nanohertz Observatorys for Gravitational Waves (NANOGrav). Sollte sich das vorläufige Ergebnis bestätigen, würden Astronomen unter anderem eine ganz neue Möglichkeit erhalten, die Entstehung supermassiver Schwarzen Löcher zu untersuchen, wie sie sich im Zentrum der meisten Galaxien befinden.

    Eine neue Ära der Astronomie

    Ihren Ausgangspunkt hat auch dieses Experiment in der Allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins. Ihr zufolge ist Gravitation eine Eigenschaft des Raums, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet. Werden massereiche Körper beschleunigt, erzeugen sie der Theorie zufolge Gravitationswellen, die das Gefüge des Raums verformen – selbst bei großen Massen aber nur minimal. Einstein selbst ging deswegen noch davon aus, dass sie nie nachweisbar sein würden. Doch genau das gelang 2015 mit dem Gravitationswellen-Observatorium Ligo in den USA und inzwischen ist die Suche schon fast Routine. Fast 50 Gravitationswellen wurden bereits bestätigt und erlauben einen Blick auf kosmische Ereignisse, die anders nicht zu beobachten sind.


    Während Ligo – und inzwischen auch Virgo – aber Gravitationswellen nachweisen, die bei individuellen Ereignissen wie einer Kollision von Schwarzen Löchern entstehen, hat NANOGrav ein anderes Ziel. Das Experiment soll nach Hinweisen auf die unzähligen und sich längst überlagernden Gravitationswellen suchen, die in der Milliarden Jahre langen Geschichte unseres Universums beispielsweise durch supermassive Schwarze Löcher entstanden sind, die einander umkreisen. Die Forscher nennen das den "Gravitationswellen-Hintergrund" und nutzen für die Suche danach ein Observatorium "in der Größe unserer Galaxie", wie es die Universität Boulder umschreibt.


    Natürlich sind die Messgeräte nicht annähernd so groß, aber die Umschreibung ist nicht völlig aus der Luft geholt: Die Forscher haben für ihre Analyse die Signale von mehreren Dutzend Pulsaren untersucht, die über die ganze Milchstraße verteilt sind. Die Genauigkeit dieser Neutronensterne, die mit der Präzision einer Atomuhr regelmäßige Pulse von Radiowellen aussenden, haben sich die Forscher zunutze gemacht. Denn Gravitationswellen verzerren diese Signale der Pulsare minimal und durch den Abgleich der galaktischen Leuchttürme hoffen die Forscher, jene Gravitationswellen zu finden, die nicht Sekunden, sondern Jahre oder Jahrzehnte lang dauern und als Hintergrund unser Universum verzerren.


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    Darstellung der Pulsar-Signale, die verzerrt auf der Erde ankommen.

    Die Erforschung des "dunklen" Universums

    Wie die Forscher nun erläutern, hatten sie nach Abweichungen der Pulsar-Signale im Bereich von Nanosekunden gesucht, die darauf hinweist, dass die Position der Erde durch Gravitationswellen minimal verschoben wurde. Ihre Hoffnung sei es gewesen, bei einigen Pulsaren solche geringen Verschiebungen in den Signalen zu finden, erklärt Studienleiter Joseph Simon. Immerhin handle es sich um äußerst schwer nachzuweisende Abweichungen. Als sie aber alle angeguckt haben, hätten sie tatsächlich übergreifende Übereinstimmungen gefunden, und zwar überraschend starke. Viele bekannte Störquellen hätten sie bereits ausschließen können, aber absolut sicher seien sie noch nicht. Dafür bräuchte es noch mehr Daten und längere Beobachtungen.


    Sollte sich dieses vorläufige Ergebnis bestätigen, stünde der Forschung eine weitere Signalquelle zur Verfügung anhand derer sie "dunkle" Objekte im Weltraumerforschen können. Anhand solcher Gravitationswellen könnten Forscher dann beispielsweise untersuchen, wie die supermassiven Schwarzen Löcher im Zentrum von Galaxien entstehen oder wie Galaxien verschmelzen, heißt es bei NANOGrav. Dort heißt es aber auch, dass der Verlust des Arecibo-Radioteleskops in Puerto Rico ein schwerer Rückschlag sei, der diese Forschung in Zukunft beeinträchtigen werde. Ihre Studie haben sie im Fachmagazin The Astrophysical Journal Letters veröffentlicht.



    13.01.2021 - https://www.heise.de/news/Gala…-Hintergrund-5022509.html



    Schallplatten und Kassetten lassen sich mit geringem technischem Aufwand sowie der freien Software Ocenaudio digitalisieren und klanglich entstauben.


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    Analoge Tonträger sind wieder en vogue: Limitierte Sonderpressungen von Schallplatten erzielen in Sammlerkreisen astronomische Preise und Bands in ihren Zwanzigern bannen ihre Musik gerne mal wieder auf die gute alte Kassette. Das sieht nicht nur im Regal schick aus, sondern klingt für manche Ohren am analogen Abspielgerät durchaus wärmer und satter als ein totkomprimiertes MP3. Ein paar Nachteile bringen Vinyls und Tapes aber mit: Erstere lassen sich nicht in Bus und Bahn hören und letztere altern bei unsachgemäßer Lagerung schlecht. Als Backup und für den Musikgenuss unterwegs bietet sich eine Digitalisierung in Eigenregie für Privatzwecke an. Diese deckt das Urheberrecht auch größtenteils, solange man keinen Kopierschutz umgeht oder die Kopien in der Öffentlichkeit nutzen will, etwa für einen DJ-Gig.

    Hardware-Anforderungen und Aufbau

    Der technische Aufwand für die Digitalisierung bleibt überschaubar: Außer einem Abspielgerät mit Audio-Ausgängen benötigen Sie nur noch ein Audio-Interface, das die analogen in digitale Signale umwandelt und an den PC weitergibt. Dazu kommen noch die passenden Anschlusskabel und der Computer. Gebrauchte Interfaces kosten ab 60 Euro, neue Modelle gibt es ab circa 110 Euro. Wichtig: Für Stereo-Klang benötigen Sie ein Interface mit mindestens zwei Eingängen. Der Handel bietet auch Modelle mit nur einem Eingang an, hier lohnt ein genauerer Blick. Für diesen Artikel haben wir mit einem betagten Focusrite Saffire 6 USB-Interface gearbeitet. Als Abspielgeräte kamen ein Sansui-Plattenspieler und ein JVC-Tapedeck zum Einsatz, die beide über Cinch-Audioausgänge verfügen.


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    Das Interface (unten) wandelt die analogen Signale vom Abspielgerät in digitale Signale um. Auf dem Interface steht der Vorverstärker für den Schallplattenspieler.


    11.01.2021 - https://www.heise.de/ratgeber/….startseite.teaser.teaser



    Lichtverschmutzung: Die dunkle Seite des Lichts

    Schadet Licht der Gesundheit und der Tierwelt? Jährlich werden die Nächte heller - mit sichtbaren Folgen.


    NASA-Bild | Satellitenbild der Erde bei Nacht


    Experten schätzen, dass die Helligkeit auf der Erde jährlich um zwei Prozent steigt


    Als am 17. Januar 1994 ein schweres Erdbeben die Region um Los Angeles erschüttert, stürzen zuerst Häuser und Brücken ein. Dann fällt der Strom aus und es wird dunkel über der Metropole im Westen der USA. Berichten zu Folge gehen daraufhin Anrufe wegen einer "gigantische silbernen Wolke" am Himmel beim Notruf und den Wetterstationen ein. Was die Menschen sehen, ist die Milchstraße, die zuvor hinter dem beleuchteten Nachthimmel unsichtbar geblieben war.


    Milchstraße. Weiße Wolke auf schwarzem Nachthimmel. Sterne drum herum


    Ein Drittel der Menschen können die Milchstraße nachts nicht mehr sehen


    Satellitenbild Europa bei Nacht. Gelbe Punkte zeigen, wo es auch nachts hell ist.


    In Europa ist die Milchstraße für fast 60 Prozent und in Nordamerika für etwa 80 Prozent der Menschen verschwunden


    Licht - von der Revolution zur Verschmutzung


    Die Erfindung der elektrischen Beleuchtung im 19. Jahrhundert war eine wahre Revolution. Über hundert Jahre später hat sich die künstliche Beleuchtung über den gesamten Globus und in jeden Bereich des Lebens ausgebreitet. Heute leben über 80 Prozent der Menschen unter lichtverschmutzten Himmeln. In Singapur ist es für die gesamte Bevölkerung sogar so hell, dass sich die Augen nicht mehr an echte Dunkelheit anpassen.


    Skyline von Singapur bei Nacht


    Singapur - nur eine von zahlreichen Metropolen auf der Welt, die bei Nacht fast taghell sind


    Künstliches Licht in der Nacht ist "eine der dramatischsten Eingriffe, die wir bisher in der Biosphäre vorgenommen haben", sagt Dr. Christopher Kyba, Geoinformatiker am GeoForschungs Zentrum Potsdam zur DW. Schätzungen durch die Auswertung von Satellitenbildern zu Folge wird es pro Jahr etwa 2 Prozent heller auf der Erde und die Folgen werden immer sichtbarer. Während der gesamten Evolution "gab es dieses ständige Signal, das aus der Umgebung kam. Das ist Tag, das ist Nacht, dies ist die Mondphase. In Gebieten mit starker Lichtverschmutzung hat sich dieses Signal verändert", so Kyba weiter.


    Satelittenbilder von Indien bei Nacht von 2012 und 2016. Violette und gelbe Lichtpunke auf dunkler Landkarte.


    Besonders in asiatischen Städten hat die Lichtmenge starkt zugenommen. Hier: Indien 2012 vs. 2016


    Macht uns Licht krank?


    Besonders Menschen in Großstädten sind davon betroffen. "Es ist einfach schrecklich. Der Himmel leuchtet hier extrem. Diesen orangenen Schimmer sieht man von überall", beschreibt Nilesh Desai den Nachthimmel über Mumbai. Der Aktivist fordert ein Recht auf Dunkelheit in seiner Heimat.

    Straßenlichter, Scheinwerfer nahegelegener Sportanlagen oder Eventlocations scheinen direkt in die Wohnung seiner Familie.


    Häusersilluette mit leuchtenden Lichtkegeln, die den Himmel aufhellen


    Der nächtliche Blick aus Nilesh Desais Wohnung


    Hochhaus, das bei Nacht von Scheinwerfern hell erleuchtet ist


    Desais Wohnung ist nachts so hell beleuchtet, dass sein Schlaf gestört wird


    "Die Lichter sind zum Teil bis Mitternacht oder drei Uhr morgens an. Und das hatte definitiv Auswirkungen auf mich, weil ich nicht schlafen konnte. [...] es hat mich mental beeinträchtigt", so Desai. Er legte bei den lokalen Behörden Beschwerde ein, wo man ihn zunächst ignorierte. Dabei zeigen Studien, dass Augenkrankheiten, Schlaflosigkeit, Übergewicht und vermutlich sogar Depressionen im Zusammenhang mit künstlichem Licht stehen. Eine Studie unter Schichtarbeitern in den USA zeigt, dass es wahrscheinlich sogar eine Verbindung von künstlichem Licht zuBrustkrebs gibt. Bei den Ursachen der Krankheiten ist ein Hormon von zentraler Bedeutung: Melatonin. "Wenn wir dieses Hormon nicht produzieren, weil wir in unserer Wohnung oder als Schichtarbeiter so viel Licht ausgesetzt sind, dann bekommt das System unserer biologischen Uhr ein Problem", so Kyba.


    Auch die Natur braucht Dunkelheit


    Aber nicht nur der Mensch braucht einen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Korallen pflanzen sich nicht richtig fort und Vögel verlieren die Orientierung - auch die Tierwelt kämpft mit Licht, wo es sonst dunkel ist. "Es findet gerade ein unglaublicher Wandel statt, denn hellere Nächte sind neu in der Evolution", sagt Sibylle Schroer, Wissenschaftlerin am Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin.

    Licht an beleuchteten Stränden lässt frisch geschlüpfte Schildkröten statt ins Meer landeinwärts krabbeln, wo sie häufig sterben. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Tiere nach dem Schlüpfen instinktiv dorthin krabbeln, wo es am hellsten ist. Normalerweise ist es das vom Mond beleuchtete Meer.


    Schilkrötenbaby krabbel auf dem Sand


    Frisch geschlüpfte Schildkröten verlieren durch künstliches Licht am Ufer leicht die Orientierung. Das kann sie das Leben kosten.


    Durch die Anziehungskraft von künstlichem Licht auf Insekten sterben allein in Deutschland schätzungsweise pro Sommer 100 Milliarden Individuen. Eine helle Straßenlampe ersetzt dabei den Mond, an dem sich die Tiere normalerweise orientieren. Die Folge: Insekten können nicht anders als ununterbrochen um die Laterne zu fliegen. Am nächsten Tag sind sie dann so erschöpft, dass sie sich nicht mehr fortpflanzen können, sterben oder leichte Beute für Fressfeinde sind.


    Kalifornien Calipatria | Insekten an Flutlicht


    Insekten können nicht anders als um Lichtquellen zu kreisen. Wissenschaftler bezeichnen dies als die "fatale Anziehung" des Lichts auf Insekten.


    Bunt beleuchtete Bäume im Wald


    Selbst Pflanzen reagieren sensibel auf künstliches Licht


    Das hat auch Folgen für die Bestäubung von Pflanzen. Eine in 2017 veröffentlichte Studie zeigt, dass Pflanzen, die in der Nähe von Straßenlaternen wachsen, nachts deutlich seltener bestäubt werden und weniger Früchte tragen als ihre unbeleuchteten Artgenossen. Auch Bäume spüren den Einfluss von Licht bei Nacht. Sie treiben früher aus, wenn sie neben Straßenlaternen stehen. "Diese einzelnen Effekte auf einen Organismus haben Auswirkungen auf das ganze Ökosystem ", so Schroer.


    Wie Licht zum Klimawandel beiträgt


    Die NGO International Dark Sky Association setzt sich für weniger Lichtverschmutzung und natürliche Nachthimmel ein. Sie schätzt, dass in den USA jede Nacht etwa ein Drittel der gesamten Außenbeleuchtung ohne Nutzen brennt. Kostenpunkt: 3 Milliarden Dollar pro Jahr.


    Weihnachtsbeleuchtung in Park. Lichterketten um Bäume, bleuchtete Schneemänner


    Unnötig dauerhafte Außenbeleuchtung bei Nacht verbraucht viel Strom


    Da fossile Brennstoffe immer noch Hauptenergiequelle sind, trägt diese Verschwendung auch zu Luftverschmutzung und Klimawandel bei. "Nur durch extreme Beleuchtung stoßen wir in Indien pro Jahr 12 Millionen Tonnen CO2 aus", sagt Pavan Kumar von der Rhani Lakshmi Bai Central Landwirtschaftsuniversität in Indien zur DW. Das ist etwa halb so viel wie der gesamte Flug- und Schiffsverkehr des Landes pro Jahr ausstößt. Mit besserem Lichtmanagement und Stadtplanung ließen sich diese Emissionen deutlich verringern, Ressourcen und Geld würden gespart, so Kumar.


    Müssen wir also im Dunkeln leben?


    Es gibt längst Möglichkeiten, Lichtverschmutzung zu reduzieren und trotzdem nicht im Dunkeln zu sitzen.

    Dort wo Licht nicht gebraucht wird, kann es ausgeschaltet werden. Das gilt für Wohnungen aber auch für Straßen, Parks und den öffentlichen Raum. Bewegungsmelder könnten hier nützlich sein. Lampenschirme lenken das Licht auf die Stellen, wo es wirklich gebraucht wird und verhindern störendes Streulicht.


    Viele blaue, violette und gelbe Lampen hängen von der Decke


    Blaues Licht kann leicht zu einer wärmeren Lichtfarben gewechselt werden. Dimmer helfen dabei, die Intensität zu verringern.


    Lampen mit warmem Licht stören Mensch und Tiere deutlich weniger als kalte Lichtfarben. Auch LEDs können warmes Licht haben, das heißt es müssen keine Abstriche bei der Energieeffizienz gemacht werden. Oft ist das Licht viel heller als es eigentlich sein müsste, um gut zu sehen. Dimmer können dabei helfen die Intensität zu reduzieren.


    Diese Lösungen ließen sich auch für ganze Städte anwenden. Aber nur wenige Länder wie Frankreich oder Kroatien haben der Helligkeit bei Nacht bisher gesetzliche Schranken gesetzt und die Nutzung von LEDs, intensive Bestrahlung in ökologisch sensiblen Gegenden oder Flutlichter bei Nacht verboten.


    In Mumbai haben sich Vertreter der Stadt nach Protesten von Bürgern wie Nilesh Desai offen für eine Reduzierung der Lichtverschmutzung gezeigt. Bisher gibt es dafür aber gar keine gesetzliche Grundlage. Sie haben das indische Umweltministerium dazu aufgefordert dies zu ändern. Nilesh Desai hofft, dass es nicht erst zu einem Blackout kommen muss, um irgendwann die Milchstraße über seiner Stadt zu sehen.


    11.01.2021 - https://www.dw.com/de/lichtver…insekten-tiere/a-56142984


    Am 10. Januar jährt sich David Bowies Todestag zum fünften Mal. Seine Musik und die seiner Alter Egos, darunter "Ziggy Stardust", bleibt jedoch zeitlos.


    David Bowie


    Der Schock in der Musikwelt war groß, als es am 10. Januar 2016 hieß: "David Bowie ist tot!" Der britische Musiker starb an einem 18 Monate zuvor diagnostizierten Krebsleiden. Nur wenige Vertraute hatten davon gewusst. Für die Öffentlichkeit kam die Nachricht völlig überraschend: Nur zwei Tage zuvor, an seinem 69. Geburtstag, hatte Bowie mit "Blackstar" sein 25. Studioalbum veröffentlicht.


    Vielfach wurde und wird von "Blackstar" mit seinen sieben düsteren Songs behauptet, es sei Bowies musikalischer Abschied von der Welt gewesen. Aus seinem Umfeld wird das aber dementiert, zumal Bowie damals bereits an einem Nachfolgealbum arbeitete.


    Musikalisches Chamäleon

    David Bowie hinterlässt ein immenses und einzigartiges Werk. In den frühen 1970er Jahren mischte er die Musikwelt in schillernden Kostümen und flammend rot gefärbtem Vokuhila-Schnitt als "Ziggy Stardust" auf. Bald darauf streifte er dieses Alter Ego ab und erschuf mit dem "Thin White Duke" in Anzug und mit strengem Seitenscheitel das genaue Gegenteil von Ziggy.


    Über die Jahrzehnte erfand sich David Robert Jones, wie Bowie mit bürgerlichem Name hieß, sowohl optisch als musikalisch immer wieder neu. Einer der vielen Gründe, warum sein musikalisches Vermächtnis auch heute noch gefeiert wird - von MusikerkollegInnen wie Fans gleichermaßen.


    Pünktlich zu David Bowies Geburtstag veröffentlicht die Band Duran Duran eine Coverversion von "Five Years", einem von Bowies größten Hits. Neben Duran Duran werden zudem in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar viele weitere bekannte Künstler wie Trent Reznor oder Boy George beim Livestream-Konzert "A Bowie Celebration: Just for One Day!" spielen.


    David Bowie, der am 8. Januar 2021 74 Jahre alt geworden wäre, bleibt trotz seines gewaltigen Werks und seiner Medienpräsenz ein geheimnisvolles Musikgenie. "Seeing more and feeling less / Saying no but meaning yes / This is all I ever meant / That’s the message that I sent", singt Bowie in "I Can't Give Everything Away", dem letzten Song auf seinem letzten Album. Ganz offensichtlich musste er auch nicht alles preisgeben: David Bowie lebt weiter in seiner Musik.



    08.01.2021 - https://www.dw.com/de/david-bowie-todestag/a-56167786

    Joan Baez ist Folkmusik-Ikone und Poetin der Protestkultur - und die Frau, mit der Susanne Spröer Englisch gelernt hat. Eine ganz persönliche Würdigung.


    Musikerin Joan Baez bei ihrem Konzert auf der Insel Grafenwerth
    Abschiedstournee 2019: Joan Baez auf der Insel Grafenwerth

    Der Plattenteller dreht sich: Flugzeug-Geräusche. Das Auf und Ab einer Sirene, Wortfetzen. Ein dumpfes Grollen in der Ferne. Dann eine Männerstimme, die etwas von "jet" und "bomb" sagt, viel mehr verstehe ich mit meinem Schulenglisch nicht. Ich bin 13 - und enttäuscht. Warum kommt da kein Lied wie dieses schwungvolle "We Shall Overcome", das ich bei einer Freundin gehört hatte? Das fand ich gut, deshalb hatte ich die Schallplatte gekauft, gebraucht, für fünf Mark auf dem Flohmarkt. Es dauert ziemlich lange, bis endlich gesungen wird. Und noch länger, bis ich zu verstehen beginne, wen ich mit dieser Joan Baez vor mir habe.

    Angstattacken, Anne Frank und eine Ukulele

    Joan Chandos Baez wird am 9. Januar 1941 in Staten Island, New York geboren. Sie ist die mittlere Tochter des mexikanisch-stämmigen Physikers Albert Baez und seiner Frau Joan Bridge, die schottische Vorfahren hat. Wegen der Jobs des Vaters zieht Joan mit ihren Eltern und den zwei Schwestern oft um, lebt erst an der US-amerikanischen Ostküste, dann im irakischen Bagdad (wo die Zehnjährige das Tagebuch der Anne Frank liest) und später in Kalifornien. In ihrer Kindheit und Jugend leidet sie unter Angstzuständen und Brechattacken und findet schwer Anschluss an Gleichaltrige. Die Familie ist ihr Rückzugsort. Das ändert sich, als Joan eine Ukulele geschenkt bekommt. Aus der Außenseiterin, die in der Schule von mexikanischen Mitschülern ausgegrenzt wird, weil sie nicht Spanisch spricht und von weißen, weil ihre Haut so dunkel ist, wird ein "lunch time clown": Auf dem Schulhof spielt sie ihren Klassenkameraden Lieder vor. Und zeigt schon jetzt zivilen Ungehorsam: Sie boykottiert eine Atomkriegs-Übung, die ihr lächerlich erscheint. Musik und politisches Engagement bleiben von da an bei ihr eng verbunden.


    Die Aufmerksamkeit gefällt ihr: Um im Schulchor zu brillieren, feilt sie zuhause mit selbst erfundenen Übungen an ihrer Stimme, wie sie in ihrer 2009 erschienenen Autobiographie "And A Voice to Sing With" erzählt. Eine Stimme, die das TIME Magazine einmal als einen "vibrierenden, kraftvollen, untrainierten, aufwühlenden Sopran" beschreibt.

    Dieser Sopran ist nun endlich auch auf meiner Platte zu hören - nach drei Minuten Klangcollage und Sprechgesang, ziemlich lang für mein ungeduldiges 13-jähriges Ich. "They say that the war is done. Where are you now, my son?", singt Joan Baez. "Sie sagen, der Krieg sei vorbei. Wo bist du jetzt, mein Sohn?" Mir dämmert, dass da wohl keine fröhlichen Folk-Songs mehr kommen. Das hier ist anders, diese Platte erzählt eine Geschichte, die ich noch nicht verstehe. Trotzdem bin ich fasziniert.  

    Pete Seeger und die Entdeckung der Folkmusik

    Auch Joan Baez hat mit 13 ein Schlüsselerlebnis. Im Frühjahr 1954 nehmen ihre Tante und ihr Onkel sie zu einem Konzert des Folk-Sängers Pete Seeger mit. Seeger steht für Musik ohne elitären Anspruch - eine Ausnahme im schillernden Showbusiness der 1950er-Jahre. "Singt mit mir. Singt für euch. Macht eure eigene Musik", fordert er das Publikum auf. Große Stars braucht es nicht - jeder kann ein Star sein, das ist seine Botschaft. Joan ist elektrisiert. So möchte sie Musik machen, und die Musik, die sie machen möchte, ist Folk. Sie beginnt, Folksongs zu üben. 1958 zieht die Familie nach Boston, ein Zentrum der jungen Folk-Revival-Szene. Halbherzig studiert Joan Schauspiel, jobbt nebenher - und bekommt einen ersten Auftritt im "Club 47" in Cambridge. Ihr Honorar: zehn Dollar. Zwölf Gäste kommen zu ihrem ersten Auftritt, fast alle sind Familie oder Freunde.


    Joan Baez an einem Rednerpult 1963

    "Madonna" mit glockenhellem Sopran: Joan Baez 1963


    Barfuß und im langen Kleid begleitet sie sich selbst auf der Gitarre, eine dunkelhaarige Schönheit mit glockenheller Stimme, konzentriert und natürlich - so ganz anders als die oft aufgetakelten Showbiz-Blondinen. Bald wollen immer mehr Leute dabei sein, wenn sie so "John Riley", "Silver Dagger" oder "All My Trials" vorträgt. Im Juli 1959 dann singt sie auf dem Newport Folk Festival. Ihr kurzer Auftritt schlägt ein wie eine Bombe, Zeitungen überschlagen sich mit Superlativen, beschreiben sie als "musikalische Madonna" (lange bevor eine andere "Madonna" die Musikszene erneut aufmischt): der Startschuss für eine über sechs Jahrzehnte andauernde Karriere mit mehr als 30 vielfach ausgezeichneten Alben.


    Susanne Spröer hält ein Plattencover von Joan Baez in der Hand. Darauf ein Porträtfoto von Baez und der Titel Where are you now, my son?

    Lieblings-LP: Die Autorin mit dem Cover ihrer ersten Joan Baez-Platte


    Auf dem Plattencover von "Where Are You Now, My Son?" blicken Joan Baez' große, dunkle Augen in körnigem Schwarz-Weiß an mir vorbei über ihre Schulter. Ich bin ein bisschen verliebt. In ihre Augen, ihre glockenhelle Stimme. Und in ihren Mut, sich für Schwache einzusetzen, gegen Rassentrennung und für den Frieden. Denn mit Hilfe meines gelben Langenscheidt-Schullexikons habe ich das Geheimnis der Platte schließlich entschlüsselt.

    Einsatz für Bürgerrechte, gegen Rassendiskriminierung und Vietnamkrieg

    23 Minuten lang, in einem Stück, erzählt "Where Are You Now, My Son?" vom Vietnamkrieg. Eine einzigartige Komposition aus Geräuschen, Gesprächen und Liedern bildet einen Klangteppich, auf dem eine Mutter den Verlust ihres Sohnes beklagt. Die Klänge sind in Hanoi entstanden, wo Joan Baez Weihnachten 1972 mit einer Delegation der Friedensbewegung festsitzt. Während um sie herum die Bomben einschlagen, singt Joan Baez mit den Menschen "Stille Nacht" - mitten in den "Christmas Bombings", den schwersten Bombenangriffen der US-Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. "Dieses Album", schreibt Joan Baez später in ihrer Autobiographie, "ist mein Geschenk an das vietnamesische Volk und mein Dank dafür, am Leben zu sein". Als das Album 1973 erscheint, ist Joan Baez 31 und ein Weltstar: Nach dem Konzert in Newport 1959 hatte ein kometenhafter Aufstieg fast ohne Rückschläge begonnen. 1969 hatte sie auf der Bühne des legendären Woodstock-Festivals gestanden, zuvor den bis dahin unbekannten Folk-Poeten Bob Dylan und seine Lieder berühmt gemacht (auch die Ballade "Forever Young" stammt von Dylan).


    Über Jahrzehnte wurden ihre Lieder und Alben mit zahlreichen Goldenen Schallplatten geehrt. Untrennbar verbunden mit ihrer Musik ist bis heute ihr politisches Engagement: 1963 marschiert sie Seite an Seite mit Martin Luther King gegen Rassentrennung, wird bei Protestaktionen gegen den Vietnamkrieg verhaftet. Und 1966, mitten im Kalten Krieg, durchkreuzt sie die Propaganda-Pläne der DDR-Regierung, die sie zu einem Auftritt in die DDR eingeladen hat: Sie bringt den regimekritischen Liedermacher Wolf Biermann, dem öffentliche Auftritte verboten sind, zu ihrem Konzert mit. Weil auch Biermann darauf zu sehen ist, wird das für das DDR-Fernsehen aufgenommene Konzert nie gesendet.

    Ein Sopran ist zum Alt geworden: Farewell, Joan Baez!

    Erstaunlich ist an ihrer Karriere eigentlich nur eines: dass sie erst 2017 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen worden ist.


    Joan Baez auf der Bühne bei der Aufnahme in die Rock & Roll Hall of Fame in New York

    Na endlich! Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame 2017


    Juli 2019. Vor genau 40 Jahren habe ich "Where Are You Now, My Son?" auf dem Flohmarkt gekauft. Auf der spärlich erleuchteten Bühne singt Joan Baez "Farewell Angelina", es ist ihre Abschiedstournee. Mit mir sind rund 3500 Menschen auf die kleine Insel Grafenwerth in der Nähe von Bonn gekommen, um die große Dame der Folkmusik noch einmal live zu erleben. Aus dem glockenhellen Sopran ist ein sonorer Alt geworden. 40 Jahre ist es her, dass ich mit ihren Liedern Englisch gelernt habe, dass ich angefangen habe, mich für Politik und Geschichte zu interessieren. Ihr Vorbild hat mich zu einem politisch denkenden Menschen gemacht. Danke dafür, Joan Baez. Und herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag.


    08.01.2021 - https://www.dw.com/de/joan-baez-80-jahre/a-56031653




    Überwachungsfirmen können den Standort vieler Millionen Handys heimlich ermitteln. Weil sich immer mehr Provider wehren, müssen die Spione ihre Technik ändern.


    Betonturm mit vielen Mobilfunk-Antennen und Richtfunk-Antennen

    Mit heimlichen Mobilfunkabfragen und stillen SMS können Angreifer den Standort von Hunderten von Millionen Mobiltelefonen ermitteln. Auf dem remote Chaos Communication Congress (rC3) berichtete der Sicherheitsforscher Cathal Mc Daid von AdaptiveMobile Security vom Kampf gegen die heimliche Überwachung.


    Die Attacken auf die Mobilfunknetze stehen seit Jahren unter Beobachtung des CCC. Bereits 2014 präsentierte Karsten Nohl auf dem 31C3, wie offen das Mobilfunk-Protokoll SS7 für Missbrauch aller Art bis zum Abfangen von SMS und dem Umleiten von Gesprächen war. Bei der Nachfolgeversion des SS7-Protokolls für 4G-Netze namens Diameter existieren einige der gleichen Probleme. Die Kernannahme ist immer noch, dass prinzipiell nur berechtigte Firmen auf das System Zugriff haben und es nur für reguläre Zwecke nutzen. Doch in der Praxis nutzen sowohl Überwachungsfirmen, Kriminelle als auch Regierungen Zugänge zum Zweck der Spionage.

    Indirekte Attacken über Cell-ID oder IMEI

    Immerhin: Viele Provider setzen mittlerweile Technik gegen Missbrauch ein, die zum Beispiel von AdaptiveMobile Security bereitgestellt wird. In der Praxis sei Missbrauch immer noch alltäglich, mache aber nur einen winzigen Bruchteil des SS7-Traffics aus, erklärte Mc Daid. Um die Entdeckung durch Mobilfunkprovider zu vermeiden, versuchten die Angreifer inzwischen immer öfter eine indirekte Attacke, bei der sie zuerst Informationen über das Mobiltelefon eines Überwachungsziels wie die Cell-ID oder die IMEI (International Mobile Equipment Identity) abfragen. Die eigentlich gewünschte Information wie den Standort des Mobiltelefons wird erst später abgeschöpft.


    Die Angreifer haben dazu eine komplexe Infrastruktur aufgebaut. So berichtete Mc Daid von einem Fall, bei dem versucht wurde mit Anfragen aus Großbritannien, Kamerun, Israel und Laos den Standort eines ehemaligen französischen Geheimdienst-Mitarbeiters zu ermitteln. Doch wegen der Gegenmaßnahmen des Providers war keine der Attacken erfolgreich. Dass der Kampf gegen die kommerzielle Spionage erfolgreich ist, zeige der Schwarzmarkt für SS7-Abfragen. So steigt der Preis, je mehr SS7-Anfragen gestellt werden sollen, da die Anbieter befürchten müssen ihren Zugang zu verlieren, wenn ihre Geschäfte auffliegen.

    Schwachstelle im [email protected] Browser

    Ein relativ neuer Angriff machte dieses komplexe Vorgehen eigentlich unnötig. Die im vergangenen Jahr publizierte Simjacker-Attacke kam ganz ohne Eingriff in Mobilfunksysteme aus: Über eine speziell präparierte SMS konnte das Mobiltelefon eines Opfers angewiesen werden, seinen eigenen Standort an den Angreifer zurückzusenden. Genutzt wird dafür eine Schwachstelle des so genannten [email protected] Browser (SIMalliance Toolbox Browser), der von Mobilfunkprovidern in vielen Ländern direkt auf der SIM-Karte installiert wird. Wie bei den Mobilnetz-Attacken merkt das Opfer überhaupt nichts von der Abfrage, da die SMS nicht angezeigt, sondern direkt auf der SIM-Karte verarbeitet und beantwortet wird. Die Angreifer benötigen lediglich die Telefonnummer ihres Ziels. Ob man selbst von der Attacke betroffen sein kann, kann man etwa über das Tool SIMtester von SRLabs herausfinden.


    Nach einem Jahr Beobachtung ist Mc Daid zu der Überzeugung gelangt, dass bisher nur eine einzige Überwachungsfirma diese Technik einsetzt. Das macht sie allerdings in großem Ausmaß. So seien viele Simjacker-Attacken auf wenige Provider auf dem amerikanischen Kontinent konzentriert. Bei einem Provider zählte der Sicherheitsforscher gar 400 Attacken pro 100.000 Kunden innerhalb eines Jahres. Vor der Veröffentlichung der Lücke soll die Zahl sogar bei 1300 Abfragen pro 100.000 Kunden gelegen haben. Dies spricht dafür, dass diese Methode zur Breiten- und Dauerüberwachung genutzt wurde.


    Nach der Entdeckung konnten Mobilfunkprovider auch diese SMS-Attacken abwehren. Deshalb versuchen die Angreifer wieder ihre Eingriffe besser zu verstecken. So beobachtet Mc Daid in der Praxis mittlerweile Abfragen, die Simjacker und SS7-Attacken vereinen. Für das 5G-Netz sieht Mc Daid zwar große Fortschritte beim Sicherheits-Design. Allerdings sei die Technik auch wesentlich komplexer als 4G, so dass auch neue Schwachstellen zu erwarten seien. "Provider müssen damit rechnen, Ziel von Attacken zu werden – und müssen deshalb an ihren Verteidigungsmechanismen arbeiten", warnt der Sicherheitsforscher.



    31.12.2020 - https://www.heise.de/news/rC3-…ocket-newtab-global-de-DE