Beiträge von Pyxio

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    Während die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung allgemein geschwächt werden soll, entwickelt Europol neue Anwendungen zur sicheren Kommunikation für die Polizei. Einige der Maßnahmen sind Teil der „Europäischen Polizeipartnerschaft“, die der deutsche EU-Ratsvorsitz ausgerufen hat. Hierzu gehört auch das Projekt „WhatsApp für Strafverfolgungsbeamte“.

    Das Bundeskriminalamt (BKA) leitet ein neues Europol-Projekt zum verschlüsselten Austausch unter europäischen Polizeibehörden. Dabei geht es unter anderem um Lehren aus der COVID-19-Pandemie, die auch für die grenzüberschreitende Kooperation der Polizei in vielen Fällen den Umstieg von Präsenztreffen auf Videotelefonie bedeutet. Europol hat deshalb eine „Kerngruppe für sichere Kommunikation“ eingerichtet, die vom BKA geführt wird. Sie soll bestehende Anwendungen auf ihre Wirksamkeit untersuchen, Schwachstellen aufzeigen und Vorschläge für Verbesserungen machen. Die Angaben stammen aus einem EU-Ratsdokument, das die britische Bürgerrechtsorganisation Statewatch online gestellt hat.


    Mit der Plattform „Virtual Command Posts“ stellt Europol bereits einen sicheren Kanal für gemeinsame Einsätze zur Verfügung, über den auch Personendaten kommuniziert werden. Für die Notfall-Kommunikation bei terroristischen Anschlägen oder polizeilichen Großlagen hat Europol zudem die Anwendung „Quick Response for Operational Centres“ (QROC) eingerichtet. Zu Fragen im Zusammenhang mit COVID-19 plant Europol unter dem Namen „Virtual Requests out of Mandate“ (vRoom) ein Internetforum, darüber sollen aber keine operativen Informationen ausgetauscht werden.

    „Innovationslabor“ mit vier Schwerpunkten

    Bei dem nun vom BKA geführten Projekt handelt es sich um die erste Initiative des neugegründeten „Innovationslabors“ bei Europol. Dessen Konzept der „Kerngruppen“ wurde vom BKA entscheidend mitgestaltet und am 4. November auf dem Treffen der Leiter der nationalen Europol-Einheiten vorgestellt.


    Das „Innovationslabor“ besteht aus vier Komponenten. Europol soll erstens weitere „Kerngruppen“ zu innovativen Technologien für den grenzüberschreitenden Polizeiaustausch starten. Entsprechende Vorschläge können aus den EU-Mitgliedstaaten erfolgen, die dann auch die Leitung übernehmen oder diese an Europol übertragen.


    Zweitens soll Europol als Beobachtungsstelle zu „Risiken, Bedrohungen und Chancen“ neuer Technologien für die Strafverfolgung fungieren. Die Polizeiagentur soll drittens zu ausgewählten Themen „Netzwerke von Innovatoren“ starten, an denen sich vor allem kommerzielle Anbieter beteiligen sollen. Die neuen Netzwerke werden von bestehenden Strukturen unterstützt, hierzu gehören die „Strafverfolgungspraktiker“, die sich im Polizeinetzwerk ENLETS zusammengeschlossen haben.


    Schließlich soll Europol viertens selbst an neuen Technologien forschen, hierzu betreibt die Agentur inzwischen ein „EU-Innovationszentrum für innere Sicherheit“. In englischsprachigen Dokumenten wird die Abteilung als „Hub“ bezeichnet. Europol soll dafür sorgen, dass alle Akteure im Bereich der inneren Sicherheit an wichtigen Vorhaben beteiligt sind, darunter auch Grenz- und Zollbehörden. Zu den ersten Projekten des „Innovationszentrums“ gehören die Nutzung von Drohnen und die Suche nach Möglichkeiten zum Schwächen Ende-zu-Ende-verschlüsselter Verbindungen und von 5G-Telefonie.

    Ein eigener Messenger für Strafverfolgungsbeamte

    In der vom BKA geleiteten „Kerngruppe für sichere Kommunikation“ soll neben der Videotelefonie auch die Nutzung von Mobiltelefonen vereinfacht werden. Ein Projekt zur Einführung eines verschlüsselten Messengers trägt den Titel „WhatsApp für Strafverfolgungsbeamte“. Dabei soll es sich um eine einfach zu installierende und leicht nutzbare Anwendung mit „kontinuierlicher Transportverschlüsselung nach dem neuesten Stand der Technik“ handeln, die möglichst nur über Regierungsserver kommuniziert. Für Einzelheiten will das BKA bald einen Workshop mit interessierten Behörden veranstalten. Dabei soll es auch um mögliche Investitionen in die polizeiliche Netzwerkinfrastruktur gehen.


    Die neuen Projekte des „Innovationslabors“ sind Teil der „Europol Strategie 2020+“. Zur Unterstützung hat die Bundesregierung im Rahmen ihres derzeitigen Ratsvorsitzes eine „Europäische Polizeipartnerschaft“ gestartet. Auf der Agenda stehen außerdem die europaweite Abfrage polizeilicher Ermittlungsakten, der EU-weite Zugriff auf Gesichtsbilder und eine Arbeitsdefinition zu sogenannten „Gefährdern“.


    Das Bundesinnenministerium hat Schlussfolgerungen zur Schwächung von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Messenger-Diensten entworfen, die EU-Innenminister wollen diese am 4. Dezember verabschieden. Das Vorhaben wurde von zahlreichen Gruppen und Verbänden kritisiert, zuletzt haben Reporter ohne Grenzen und das Netzwerk Recherche dazu Stellung genommen. „Eine funktionierende Verschlüsselung, die nur für die Sicherheitsbehörden eine Ausnahme schafft, ist nicht denkbar und nicht möglich“, heißt es in einem Offenen Brief.



    19.11.2020 - https://netzpolitik.org/2020/e…hluesselte-kommunikation/


    In einem abgelegenen Canyon in Utah taucht ein Monolith aus Metall auf, Ursprung unbekannt. Die Naturschutzbehörde berichtet, will den Standort aber geheim halten, um Gefahr für Schaulustige zu verhindern. Für das Netz ist das Mysterium aber unwiderstehlich.

    Ein Monolith in der Wüste bringt die Netzgemeinde in Detektiv-Laune

    Es ist eine kuriose Entdeckung, die starke Erinnerungen an den Kultfilm "2001: Odyssee im Weltraum" weckt: Eigentlich wollte die Division of Wildlife Resources in Südosten des US-Bundesstaates Utah per Hubschrauber eine Zählung von Dickhornschafen durchführen. Dabei stießen die Mitarbeiter der Behörde aber auf ein Objekt, das nicht so recht in die verwitterte Wüstenlandschaft passen will: "Das Team fand einen Metall-Monolithen, der in einem abgelegenen Gebiet aus rotem Gestein im Boden installiert war", so die offizielle Meldung des ebenfalls involvierten Department of Public Safety (DPS) am 23. November.


    Dabei vermeidet die Behörde bewusst, den genauen Standort der Entdeckung zu nennen. "Wenn Einzelpersonen versuchen sollten, das Gebiet zu besuchen, besteht die erhebliche Gefahr, dass sie stranden und gerettet werden müssen", so das DPS zu den Gründen für die Verschwiegenheit. Wie The Verge in seinem Bericht schreibt, war dies aber wohl der perfekte Anstoß für das Netz, sich auf die Suche nach dem mysteriösen Objekt zu machen - und eindrucksvoll zu beweisen, dass mit Online-Suchen auch Metall-Monolithen in abgelegenen Wüsten-Canyons entdeckt werden können.

    Reddit braucht genau einen Tag

    Den Anfang nahm die interaktive Detektivarbeit dabei in einem Reddit-Post, in dem Hinweise zum Standort des Objekts gebündelt werden sollten. Mit auf der digitalen Jagd war dabei auch der Nutzer Tim Slane, der sein Talent für das Auffinden von Standorten in dem Online-Spiel Geoguessr trainiert hatte - hier müssen Orte auf Basis zufällig ausgewählter Google Street View-Bilder gefunden werden. "Mir wurde klar, dass ich ein Talent dafür habe, Orte allein aufgrund der Geografie zu finden. All das, gepaart mit einer Fülle von Neugierde auf die Welt, führte dazu, dass ich viel Zeit in Google Earth verbrachte", so der User gegenüber The Verge im Chat auf Reddit.


    Wie Tim Slane beschreibt, war zunächst die Information über den Flugpfad des Helikopters der Wildschützer ein entscheidender Hinweis. Danach verhalfen ihm verschiedene Hinweise aus den Meldungen der Behörden und ein Gespür für Terrain-Muster wie Überflutungs-Rinnen und Höhenunterschiede den genauen Standort einzugrenzen. Nur einen Tag nach bekanntwerden war der geheime Standort gefunden.


    Ein weiterer Mitstreiter im Such-Thread konnte durch einen Abgleich von historischen Google Earth Aufnahmen dann auch noch zeitlich eingrenzen, wann der Monolith aufgestellt worden war. So war das Objekt im August 2015 noch nicht zu sehen, beim nächsten Update von Satellitenaufnahmen der Region im Oktober 2016 war der Monolith dann gelandet.



    26.11.2020 - Bilder gibts hier > https://winfuture.de/news,119716.html

    Der Jdownloader 2 ist die gute Alternative!

    JDownloader CRC-Fehler – das sind die Ursachen

    Erhalten Sie beim Herunterladen von Dateiarchiven mit dem JDownloader eine CRC-Fehlermeldung, deutet das darauf hin, dass die geladenen Dateien fehlerhaft sind. Die Archive können dann nur noch teilweise oder sogar gar nicht mehr entpackt werden. Doch wie beheben Sie das Problem am besten?

    Das können Sie bei einem CRC-Fehler tun

    Bei einem CRC-Fehler lassen sich Archive im ZIP- oder RAR-Format nur noch teilweise oder in manchen Fällen gar nicht mehr entpacken. Es gibt einige Tricks, die Sie versuchen können, um die Ursache des Problems zu beheben.

    1. Um die Fehlermeldung in Zukunft zu vermeiden, kann es helfen, wenn Sie den JDownloader auf die neuste Version updaten. Stellen Sie außerdem sicher, dass das Java Runtime Environment sich auch auf dem aktuellen Stand befindet.
    2. Weiterhin kann es helfen, die Download-Geschwindigkeit im JDownloader zu begrenzen. Die entsprechende Einstellung dafür finden Sie in den Einstellungen unter dem Punkt „Geschwindigkeitslimit“.
    3. Nutzen Sie die Entpack-Funktion des JDownloaders und erhalten die CRC-Fehlermeldung erst beim automatischen Entpacken, deaktivieren Sie das Feature in den Einstellungen.
    4. Auch Probleme mit der Internetverbindung können den Fehler auslösen.

    Archivdateien einzeln herunterladen

    Bei einer großen Anzahl von Archiven ist es oftmals zeitintensiv, alle erneut herunterzuladen. Erhalten Sie die Fehlermeldung erst beim letzten Paket, können Sie den Download zurücksetzen und nur das eine Paket erneut laden. Liegt das beschädigte Paket weiter zurück oder handelt es sich um mehrere Pakete, laden Sie die Archive einzeln herunter.


    Auch mit 86 spielt Sophia Loren diese Rolle mit Grandezza. Statt im Kino ist die Neuverfilmung der Geschichte von "Madame Rosa" jetzt bei Netflix zu sehen.


    Sophia Loren und Ibrahima Gueye in einer Szene des Films Du hast das Leben vor dir (Regine de Lazzaris).
    Holocaust-Überlebende und Flüchtlingskind: Sophia Loren als Madame Rosa und Ibrahima Gueye als Momò


    Ein schlichter Nachsatz im Nachspann der Kinoproduktion "Du hast das Leben vor dir" deutet auf schwierige Umstände bei der Fertigstellung hin: "Dieser Film entstand während der COVID-19-Pandemie 2020. Regisseur und Produzenten danken allen Beteiligten, dass dieser Film Wirklichkeit geworden ist." Drehbuch und Regie des Films "Du hast das Leben vor dir" ("The Life Ahead"/Italien 2020) lagen in der Verantwortung des jüngsten Sohns von Sophia Loren, Edoardo Ponti (47). Seit 1957 war sie mit dessen Vater Carlo Ponti verheiratet.


    Sophia Loren im Porträtfoto mit Hut (Everett Collection).
    Eine der großen Hollywood-Diven: Sophia Loren Anfang der 1960er-Jahre


    Der 2007 verstorbene, weltberühmte italienische Filmproduzent entdeckte die junge Neapolitanerin 1950 bei einer Miss-Wahl in Rom. Ponti erkannte Lorens außergewöhnliches Talent, ließ sie Schauspielunterricht nehmen und machte sie zu einer Leinwand-Ikone mit Sexappeal. In der Folge drehte "die Loren" mehr als 100 Filme mit den größten Hollywood-Stars.

    Als Regisseur: Sohn Edoardo Ponti

    Zehn Jahre hatte die international bekannte Leinwand-Diva, die zwei Oscar-Statuen in ihrem luxuriösen Genfer Domizil stehen hat, jetzt keinen Kinofilm mehr gedreht. Ihr gefielen die Drehbuchangebote einfach nicht. Sohn Edoardo holte sie wieder vor die Kamera - im Alter von 86 Jahren.


    Gedreht wurde im Spätsommer 2019 in der süditalienischen Hafenstadt Bari. Für Ponti jun. ist es bereits die dritte Filmproduktion mit seiner berühmten Mutter. "Sie macht das jeden Tag, jeden Take, jeden Moment der Dreharbeiten mit einer Begeisterung und Spontaneität, als würde sie ihren ersten Film drehen", schwärmt er von der Zusammenarbeit.


    Regisseur Edoardo Ponti steigt aus einem Van bei einem Dreh (Degigliosaverio).
    Edoardo Ponti, Sophia Lorens Sohn, schrieb das Drehbuch und führte Regie


    "Und er kennt mich so gut", gibt sie lachend zurück. "Und er weiß genau, wie er den richtigen Knopf drücken muss, damit ich das umsetze, was er im Kopf hat." Mit ihm als Regisseur fühle sie sich am Set gut aufgehoben. Und so konnte sie die Rolle ihres Lebens spielen: "Der Grund, warum ich diesen Film gemacht habe, ist, dass Madame Rosa mich sehr an meine Mutter erinnert: Innen war sie fragil und verletzlich, aber für andere wirkte sie stark", erzählt sie beim gemeinsamen TV-Interview in der US-amerikanischen CBS-Morning-Show.

    Neuverfilmung in Jetztzeit verlegt

    Grundlage für das Drehbuch ist Romain Garys Roman "Du hast das Leben vor dir" ("La vie devant soi", 1975). Das Buch rief damals einen Skandal in Frankreich hervor, denn der Erfolgsautor hatte damit zum zweiten Mal den renommierten Literaturpreis Prix Goncourt gewonnen - unrechtmäßig, wie sich später herausstellte, unter dem Pseudonym Emile Ajar. 1977 wurde der Roman fürs Kino verfilmt, mit Simone Signoret in der Rolle der "Madame Rosa".


    Statt im Kino läuft die literarische Neuverfilmung jetzt bei Netflix. Regisseur Ponti hat die Handlung von Paris nach Süditalien verlegt. Die Flüchtlingskrise grundiert die Geschichte zeitgemäß. Die Premiere fand Anfang 2020 noch vor Publikum in Rom statt, aber dann machte die Corona-Pandemie dem Weltvertrieb einen Strich durch die Rechnung. Ein Kinoeinsatz in den USA - für eine Oscar-Nominierung nötig - war nur streng limitiert möglich. Der Streaming-Dienst, von Anfang an mit im Boot, strahlt den Film jetzt seit November aus. Der weltweite Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Fast eine halbe Million Zuschauer haben das Melodram bereits gesehen. Es ist rau, herzergreifend, bewegend.


    Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive eines muslimischen Flüchtlingsjungen aus dem Senegal, der in Süditalien gestrandet ist. Mit Diebstahl und Drogendeals hält er sich einigermaßen über Wasser. "Ich bin 12. Ich heiße Mohammed. Alle nennen mich Momò", hört man den afrikanischen Jungen im Off auf Italienisch erzählen. "Ich bin Waise. Als ich klein war, übergab mich das Jugendamt an Dr. Coen."


    Ibrahima Gueye schaut in die Kamera während einer Drehpause (Degigliosaverio).
    Leinwand-Entdeckung: Ibrahima Gueye als Momò


    Aber der jüdische Arzt Dr. Coen ist alt und zu müde für die Betreuung rebellischer Straßenkinder. Er bringt den Jungen zu Madame Rosa, die auch Patientin bei ihm ist. Sie kennt diesen Momò bereits: Auf der Straße hat er ihr die Handtasche gestohlen.

    Oscarreife Schauspielleistung

    Madame Rosa ist eine alternde Schönheit, die sich als ehemalige Prostituierte um Huren-Kinder kümmert. Filmstar Sophia Loren spielt sie in verschlissener Kittelschürze mit bemerkenswerter Grandezza und auflodernder Leidenschaft. Die Mütter haben keine Zeit für ihren ungewollten Nachwuchs. Sie müssen hart anschaffen gehen, um auch noch das Geld für die Betreuung aufzubringen.


    Loren, 1934 in einem Vorort der italienischen Hafenstadt Neapel geboren, kommt, wie Momò im Film, aus ärmlichen Verhältnissen. Armut, Hunger und Krieg hat sie als Kind am eigenen Leib erlebt. Einfühlsam, aber gleichzeitig mit strenger Hand, bringt sie als Madame Rosa den Jungen beharrlich dazu, ihre Regeln für ein Zusammenleben in der Ersatzfamilie zu akzeptieren.


    Sophia Loren als Madame Rosa sitzt in einem blauen Kleid an einem Tisch (Netflix).
    Alternde Schönheit: Sophia Loren als Madame Rosa


    Gespielt wird Momò von Ibrahima Gueye, der vorher noch nie vor der Kamera gestanden hat: authentisch, altklug, trotzig und mit kindlicher Empathie. Als der Junge zufällig die tätowierte KZ-Nummer auf Rosas Arm entdeckt, erzählt sie ihm behutsam von ihren schrecklichen Kindheitserfahrungen in Auschwitz. KZ-Ärzte hatten sie mit medizinischen Versuchen gequält.

    Altersrolle als Holocaust-Überlebende

    Wenn der Teufel der Erinnerungen sie nicht schlafen lässt, verkriecht sich Madame Rosa im Kellerverlies des Mietshauses. "In Auschwitz versteckte ich mich immer unter der Baracke, wenn Appell war", berichtet sie dem jungen Afrikaner. Ihr zerwühltes graues Haar und ihr verstörter Blick lassen ahnen, was vor ihrem inneren Auge abläuft. "Das war mein Unterschlupf, da fühlte ich mich sicher. Ich war so alt wie du, Momò."


    Familiäre Geborgenheit braucht jeder in diesem melodramatischen Film: die Kinder, die Prostituierten, die jungen Drogendealer - und der muslimische Teppichhändler, bei dem Madame Rosa gern ihren etwas verblichenen Charme einsetzt. Die bittere Erfahrung, Bürger zweiter Klasse zu sein, kennen sie alle. Grandios als couragierte Sexarbeiterin Lola, die ihren Sohn auch von Madame Rosa betreuen lässt: die spanische Transgender-Schauspielerin Abril Zamora, ein Star der LGBTQ-Szene.


    Edoardo Ponti führt Sophia Loren beim Dreh aufs Set (Degigliosaverio).
    Mutter und Sohn: Sophia Loren und Edoardo Ponti beim Dreh in Bari


    Italiens berühmtester Filmstar Sophia Loren hat ihr Image als glamouröse Diva abgestreift. Sie verleiht der jüdischen Holocaust-Überlebenden Rosa - mit kleinen Gesten und Haltung - Würde und eine alterslose Schönheit. Mit dieser Rolle kann sie sich berechtigte Hoffnung auf einen dritten Oscar in ihrer 70-jährigen Schauspielkarriere machen, wie ihr Filmkritiker und Publikum attestieren.


    "Es ist nicht so wichtig, wie Du aussiehst", sagt Loren in einem aktuellen Interview mit dem US-Sender CBS. "Wichtiger ist, was du zu geben hast - in deinem Herzen und in deiner Seele. Das zählt im Leben." Den Netflix-Zuschauern rund um den Erdball gibt "La Mamma" Sophia Loren genau das - anrührend und mit grandioser schauspielerischer Intensität. Zum Heulen schön.



    24.11.2020 - https://www.dw.com/de/sophia-l…-leben-vor-dir/a-55707601











    Pan Tau - der Held meiner Kindheit...


    Ich konnte es mir nicht verkneifen und habe in die Neuauflage von der ARD 2020 auf Youtube mal reingesehen und war enttäuscht. Ist ja auch kein Wunder, wenn man als Kind Pan Tau oder Catweazle, etc. gesehen und geliebt hat.


    Nach über 40 Jahren kann man nicht erwarten, dass die gleichen Emotionen zu spüren sind. Die Jüngeren Menschen haben bestimmt ihren Spass mit dem Remake!








    Verdacht auf Schlaganfall bei Karl Dall


    Der Komiker und Schauspieler Karl Dall ist tot. Er starb am Montag im Alter von 79 Jahren, wie seine Familie der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Dall habe sich von einem Schlaganfall, den er vor zwölf Tagen erlitten hatte, nicht mehr erholt.


    "Trotz Einsatz aller technologischen und intensivmedizinischen Maßnahmen ist er heute friedlich eingeschlafen, ohne vorher noch einmal das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Er hinterlässt eine Ehefrau, Tochter und Enkelin", hieß es der Dpa zufolge in dem Schreiben der Familie. "Er war nicht nur ein beliebter Komiker und Entertainer, sondern vor allem ein außergewöhnlich liebenswerter und netter Mensch."


    Dall hatte seit Anfang November die Rolle des Alt-Rockstars Richie Sky in der täglichen ARD-Serie "Rote Rosen" übernommen. In Lüneburg, wo die Telenovela gedreht wird, erlitt er dann am 11. November einen Schlaganfall mit Hirnblutungen.

    Das Privatfernsehen brachte seine Karriere in Fahrt

    Begonnen hatte die Karriere des in Hamburg lebenden Ostfriesen, der wie sein Komiker-Kollege Otto Waalkes aus Emden stammte, 1967 mit der humoristisch-anarchistischen Gruppe Insterburg & Co ("Ich liebte ein Mädchen"). Als sich die Gruppe 1979 trennte, hatte Dall bereits Kontakte zum Fernsehen geknüpft. In den 80er Jahren war er häufig in der Sendung "Verstehen Sie Spaß?" - als der Mann am Filmprojektor und der Spaßanrufer am Telefon - an der Seite des Moderatorenpaares Paola und Kurt Felix zu sehen.


    Seine Karriere brachte Dall vor allem Mitte der 80er Jahre mit seinem Einstieg beim frisch gegründeten Privatsender RTL auf Touren. Als Schauspieler stand er für zahlreiche Produktionen vor der Kamera, darunter viele Komödien bis hin zu Erotikfilmchen wie "Sunshine Reggae auf Ibiza" (1983). Zuletzt war er gelegentlich in TV-Serien wie "Notruf Hafenkante" und "Großstadtrevier" zu sehen. Von der Tourneebühne verabschiedete sich Dall 2017 nach 50 Jahren.



    23. November 2020 - https://www.sueddeutsche.de/me…ot-schlaganfall-1.5125422


    Über das Portal Cryptnote kann man auch kostenlos verschlüsselte Nachrichten verschicken. Wir haben uns den Dienst in Ruhe angesehen.


    cryptnote, encrypt


    Cryptnote ist eine Zusammensetzung aus den Worten Crypt und Note. Dabei steht „crypt“ für verschlüsseln und „note“ für Notiz. Über die Webseite kann man auch kostenlos „verschlüsselte Notizen“ verschicken. Wir haben uns das Portal unter cryptnote.net einmal in Ruhe angeschaut.

    Cryptnote – was steckt im Detail dahinter?

    Über ein vergleichbares Portal haben wir vor zwei Monaten schon einmal berichtet. Seit Februar 2020 betreibt der 25-jährige Startup-Unternehmer Alexander Slatina das Portal Cryptnote. Alexander ist für die Entwicklung und für die Führung des Einzelunternehmens Cryptnote HQ verantwortlich. Seit Februar hat er diverse Änderungen bezüglich der Funktionalität und des Designs vorgenommen. Aus dem anfänglichen Hobbyprojekt hat sich eine professionelle Plattform zum Versenden von kurzen Nachrichten entwickelt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit eine Lesebestätigung für gelesene Nachrichten zu erhalten. Zudem kann man jetzt auch Dateien bis zu zehn Megabyte als Anhang einer Nachricht mitschicken.


    Die Lesebestätigung und der Versand von Dateien sind allerdings Premium-Funktionen, die man monatlich bezahlen muss. Der Preis liegt bei 5,99 € pro Monat. Es werden Kreditkartenzahlungen und Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptiert. Beim Premiumpaket gibt es keine Beschränkungen bezüglich der Anzahl der Nachrichten, Dateien oder Lesebestätigungen, die man darüber verschickt. Es handelt sich um ein Fair-Use Paket. Daneben ist es natürlich möglich, die Dienstleistung vorher in Ruhe kostenlos auszuprobieren.

    Unterschiede zu ähnlichen Anbietern bzw. zu E-Mails

    Man muss sich in Erinnerung rufen, dass E-Mails grundsätzlich nicht verschlüsselt verschickt werden. Sie sind keine Nachrichten in Briefumschlägen, sondern ähneln Postkarten, die jeder lesen kann.


    Alexander berichtet uns, dass er bei Cryptnote sehr viel Wert auf die Wahrung der Privatsphäre, Verschlüsselung und den Schutz der Daten legt. Aus diesem Grund wird eine Notiz beziehungsweise eine Nachricht sowohl client- als auch serverseitig verschlüsselt. Das hat zur Folge, dass jene Nachricht bereits in verschlüsselter Form über einen sicheren „Transportweg“ auf dem Server eintrifft und dort wieder verschlüsselt wird für die endgültige Speicherung in einer Datenbank. Außerdem werden beide Schlüssel, die zur Entschlüsselung benötigt werden zu keinem Zeitpunkt auf dem Server permanent gespeichert. De facto gelangt der Schlüssel, welcher zur Verschlüsselung auf dem Endgerät erzeugt wird, keinesfalls auf den Server.


    Bei der Verschlüsselung erzeugt man zwar den Schlüssel auf dem Server, aber dennoch speichert man ihn niemals dort. Zum Verständnis; Beide Schlüssel werden nach der Verschlüsselung an eine eindeutige und einmalige URL angehängt, welche man an den Empfänger der Nachricht versendet. Sobald der Empfänger die Nachricht gelesen hat, zerstört sich die Nachricht augenblicklich. Auch die angehängte Datei ist nach dem Empfang unwiederbringlich verloren. Wenn der Empfänger eine „Note“ bzw. Nachricht nicht liest, bleibt sie für maximal 10 Tage gültig. Nach Ablauf der Frist löscht der Server diese Nachricht, sodass es nachträglich nicht mehr möglich ist, die Note zu lesen.

    Cryptnote verschlüsselt mit 256 Bit

    Zur Verschlüsselung verwendet Cryptnote auf Client- und Serverseite den Advanced Encryption Standard, kurz AES genannt mit 256 Bit. Der Verlust der eindeutigen und einmaligen URL führt dazu, dass man die Nachricht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nie wieder lesen kann. Neben einfachen Textnachrichten ist es mit Cryptnote auch möglich Dateien bis zu 10 Megabyte zu versenden. Das ist für PDF, MP3 oder beispielsweise DOC Dateien vollkommen ausreichend, wobei es keine Beschränkung auf einen bestimmten Dateityp gibt. So könnte man beispielsweise auch eine ZIP-Datei mit dem Inhalt von mehreren Dateien, jedoch maximal 10 Megabyte ohne Probleme versenden. Hierbei hat Alexander aber nur eine clientseitige AES 256 Bit Verschlüsselung implementiert, damit keine Perfomanceschwierigkeiten oder Überlastungen des Servers entstehen.


    Anhand der Lesebestätigung kann man erkennen, wann eine gewisse Nachricht gelesen wurde, da diese in Echtzeit über die Telegram App an den hinterlegten Kontakt versendet wird. Dies erfolgt über einen Telegram Bot, jedoch ist es hierzu nicht erforderlich, dass man diesen davor starten muss, wie es normalerweise üblich ist. Es handelt sich um einen Userbot, sodass das Starten nicht mehr nötig ist. Zusätzlich ist es möglich, dass man die Nachricht mit einem Hash auf Integrität und Korrektheit prüft.

    Fazit

    In Zeiten wachsender Telekommunikationsüberwachung, staatlichen Trojanern, Internet-Spionage und einer zunehmenden allgemeinen elektronischen Überwachung besitzt Cryptnote eine Daseinsberechtigung. Die Cryptnote App gibt es übrigens gratis im iOS App Store. Für kleinere Nachrichten ist die kostenlose Variante ausreichend. Wer den Dienst umfangreich nutzt, muss dafür halt die entsprechenden Gebühren entrichten. Der Quellcode von Cryptnote ist nicht mehr öffentlich einsehbar. Der Betreiber bemüht sich derzeit um ein entsprechendes Patent. Da der Quellcode der Konkurrenten sowieso nicht öffentlich einsehbar ist, kann man diese nicht weiter untersuchen.


    Weitere Projekte befinden sich nach eigenem Bekunden in der Pipeline. So ist beispielsweise parallel das Projekt QWiRE entstanden. Es handelt sich hierbei um eine iOS App für aktuelle Apple Geräte. Die App stellt fest, ob man mit seiner E-Mail-Adresse von einem aktuellen Datenbank-Leak betroffen ist. Die Nutzer warnt die App dann sofort. Für sicherheitsbewusste Anwender bietet der Betreiber QWiRE für 1,99 € im App Store an. Wem die Sicherheit seiner Daten am Herzen liegt, dürfte den Preis sicher gerne bezahlen. Android Nutzer müssen sich noch etwas gedulden. Doch Alexander plant auch für Android-Geräte eine Cryptnote und eine QWiRE App.



    18.11.2020 - https://tarnkappe.info/cryptno…zerstoerende-nachrichten/








    Der Hyperloop soll irgendwann Geschwindigkeiten von 1.000 Kilometern pro Stunde und mehr erreichen. Koreanische Eisenbahnentwickler haben das jetzt auch geschafft – mit einem Miniaturmodel des Röhrenzuges. Die sogenannte HyperTube-Bahn soll in Zukunft umweltschädliche Inlandsflüge und langsame Eisenbahnfahrten überflüssig machen.


    Gerade erst ist es dem US-Start-up Virgin Hyperloop gelungen, die ersten Passagiere sicher in einer Kapsel durch eine Vakuum-Röhre zu transportieren . Die Geschwindigkeit dabei war eher moderat. In der Spitze erreichte die Kapsel 172 Kilometer pro Stunde. Irgendwann soll das Magnetschwebesystem die Passagiere jedoch mit 1.000 Kilometern pro Stunde und mehr um die Welt bringen. Genau diese Geschwindigkeit will das Korean Railroad Research Institute bereits erreicht haben. Wenn auch ohne Passagiere – und mit einem kleinen Miniaturmodell.


    Das staatliche Eisenbahn- und Schienenverkehrsforschungsinstitut von Südkorea nennt sein 2017 gestartetes Projekt nicht Hyperloop, sondern HyperTube oder auch HyperTube Express. Die Idee hinter beiden Systemen ist jedoch die gleiche: Kapseln sollen durch Metallröhren rauschen, in denen der Druck auf einen Wert nahe eines Vakuums gesenkt wird. Dadurch verringert sich der Luftwiderstand, wodurch der Zug schneller vorankommt. Angetrieben werden soll er dabei durch ein Schwebesystem. Im Falle des HyperTube ist das eine Linear-Motor-Technik, die auf der Magnetschwebebahn SUMA550 aufbaut, an der das Institut ebenso forscht. Dadurch fällt der Reibungswiderstand von klassischen Schienenfahrzeugen weg.


    Dass das System der südkoreanischen Forscher funktionieren kann, haben sie jetzt mit einem 1:17-Modell bewiesen. Das erreichte auf einer ringförmigen Teststrecke eine Höchstgeschwindigkeit von 1.019 Kilometern pro Stunde – und brach damit die bisherigen Geschwindigkeitsrekorde. Ende 2017 hatte Virgin Hyperloop mit seiner Testkapsel XP-1 387 Kilometern pro Stunde erreicht. Gehalten wurde der bisherige Rekord jedoch vom Next-Prototypes-Team der TU München. Dessen Test-Pod hatte im August 2019 auf der Test-Strecke von SpaceX eine Geschwindigkeit von 482 Kilometern pro Stunde erreicht. Mittlerweile arbeitet das Studierenden-Team daran, ihren Prototypen in ein nutzbares Verkehrskonzept zu übertragen.

    Von Seoul nach Busan in 30 Minuten

    „Wir haben die Probleme, die durch die Reibung bei schneller Beschleunigung im Beschleunigungssegment des aerodynamischen Testsystems verursacht werden, überwunden und die Geschwindigkeit von 1.000 Kilometern pro Stunde überschritten“, heißt es vom Korean Railroad Research Institute. Gelänge es, die verbleibenden Reibungen und Widerstände noch weiter zu reduzieren, wären noch weitaus höhere Geschwindigkeiten denkbar. Jedoch ist der nächste Schritt der koreanischen Entwickler, eine Teststrecke und einen Pod in Lebensgröße zu konstruieren. Der Prototyp eines Röhrensegmentes samt Vakuumtechnik wurde bereits entwickelt. Sowohl die Röhre als auch der Pod sollen 2022 für Probefahrten bereitstehen.

    Das Korean Railroad Research Institute schlägt vor, den HyperTube, sobald er einsatzbereit ist, als Alternative zu Inlandsflügen und klassischen Zügen zu nutzen. Das könne Ende der 2020er oder Anfang der 2030er Jahre soweit sein. Mit einer bis zu 40 Meter langen Kapsel sollen sich bis zu 40 Passagiere transportieren lassen. Start-ups wie Virgin Hyperloop setzen auf kleinere Kapseln mit weniger Sitzplätzen. Vor allem zwischen den großen Städten wie Seoul oder Busan soll dadurch eine deutlich schnellere Reise möglich werden. Eine Bahnfahrt zwischen den beiden Städten dauert dreieinhalb Stunden und ein Flug knapp unter einer Stunde. Mit dem HyperTube sei diese Strecke in 30 Minuten schaffbar.


    Züge durch Röhren zu schicken ist übrigens keine neue Idee. Wir haben die verrückte Geschichte des Hyperloops und seiner Vorgänger einmal für euch aufgeschrieben.



    19.11.2020 - https://1e9.community/t/suedko…ocket-newtab-global-de-DE


    Die Reparatur-Revolution: Runder Tisch und ZDF zeigen wie Reparieren wieder attraktiv werden kann

    23. Mai 2018

    Mit der halbstündigen Dokumentation „Die Reparatur-Revolution – Weiternutzen statt wegwerfen“ hat das ZDF in seiner Sendereihe Plan B das Thema Reparatur aufgegriffen. Im Dezember waren die Redakteure auf den Runden Tisch Reparatur zugekommen und haben sich ausführlich beraten lassen.

    Die Sendung die am 22. März ausgestrahlt wurde, beschreibt nicht nur die Lage der Reparatur sondern geht auch ReUse e.V. und das Reparaturnetzwerk „Mein-Macher“ ein. Außerdem wurde die Zukunftswerkstatt des Runden Tisches Reparatur im Januar für Interviews und Aufnahmen genutzt. Liebevoll portraitiert der Film das Reparatur-Familienunternehmen Detlef Vangerow, einem der Gründer des Runden Tisches Reparatur. Detlef Vangerow’ und sein Sohn Steffen erläutern die Schwierigkeiten vor denen sie selber und die vielen tausend Werkstätten stehen, wenn sie reparieren wollen. Der Film geht am Beispiel des Gebrauchtkaufhauses “De Kringwinkel” ausführlich auf die Chancen ein, die sich mit der Aufarbeitung und Weiterverwendung „überflüssiger Dinge“ in Gebrauchtkaufhäusern ergeben. “plan b” zeigt, wie das Reparieren wieder attraktiv werden kann und alle davon profitieren: die Verbraucher, die Wirtschaft und die Umwelt. Hier geht es zum Film. 

    Erstmals Geburt eines Magnetars beobachtet

    Magnetare sind in jeder Hinsicht extrem. Ein ungewöhnliches Signal aus den Tiefen des Alls könnte nun erstmals zeigen, wie einer davon entstand.


    Die Illustration zeigt ein energiereiches Ereignis im Weltraum.



    Am 22. Mai 2020 erreichte das Licht einer sehr hellen Kilonova die Erde: der stärkste Helligkeitsausbruch zweier verschmelzender Neutronensterne, den Astronomen bislang beobachten konnten. Nach Auswertung ihrer Daten sind sich die Wissenschaftler um Wen-fai Fong von der Northwestern University in Evanston ziemlich sicher, dass es sich dabei um die Geburtsanzeichen eines Magnetars gehandelt haben dürfte, wie sie im »Astrophysical Journal« schreiben. Diese besondere Form der Neutronensterne zeichnet sich durch ein extrem intensives Magnetfeld aus, das billiardenfach stärker ist das Erdmagnetfeld.


    Bei der Kollision der beiden Neutronensterne trat zuerst ein gewaltiger Gammastrahlenausbruch auf, der von einem länger anhaltenden Nachglühen begleitet wurde, welches das komplette elektromagnetische Spektrum umfasste – die Kilonova. Die Astronomen bemerkten dabei ein ungewöhnliches Infrarotsignal, das sie als ersten Beleg eines entstehenden Magnetars deuten. Das GBR 200522A genannte Ereignis war besonders in diesem Infrarotbereich deutlich stärker als alle anderen bekannten Kilonovas. »Ich kann an meinen Händen sämtliche Kilonovas abzählen, die anhand kurzer Gammastrahlenausbrüchen entdeckt wurden«, sagt Fong: »Diese war jedoch zehnmal heller als alle anderen.« Als Ursache käme fast ausschließlich die Entstehung eines Magnetars in Frage.


    Die einander umkreisenden Neutronensterne verschmolzen demnach zu einem schwereren Exemplar, dessen geladener Kern sich enorm schnell dreht und daher nach dem Prinzip eines Dynamos extrem starke Magnetfelder erzeugt. Die Felder des Magnetars trieben die ohnehin bei der Kilonova angeregten Teilchen weiter an und ließen sie noch heller leuchten, vermuten die Forscher.


    Als Alternative kämen für Fong und Co ansonsten nur zwei Optionen in Frage. Die eine wäre eine »umgekehrte Schockwelle«: Zwei Wellen aus der Kilonova könnten gewissermaßen übereinandergeschwappt sein, was unter Umständen einen neugeborenen Magnetar imitieren würde. Oder aber die zerfallenden radioaktiven Partikel, die eine Kilonova antreiben, ließen GRB 200522A heller leuchten als erwartet. Beide Szenarien schließt die Forschungsgruppe jedoch weitgehend aus. Teleskope sollten zukünftig auf Radioemissionen des Objekts achten, um dessen genaues Wesen festzustellen.



    13.11.2020 - https://www.spektrum.de/news/e…ocket-newtab-global-de-DE


    Die meisten mobilen Gadgets enden nach wenigen Jahren der Nutzung als Schrott. Nur wenige werden nach Angaben des Umweltbundesamts aufbereitet und wieder in den Verkehr gebracht. Das soll sich ändern.


    Symbolbild Reparatur-Service für Handys etc.

    Schlank sein: ein begehrtes Schönheitsmerkmal für Smartphones, Tablets und Laptops. Erkauft wird die extreme Schlankheit meist durch erschwerte Reparierbarkeit. "In neuen Modellen sind die Akkus oft verklebt - genau wie die Displays, bei denen der Kleber für Wasserdichtheit sorgt. Mit dem Kleber gehen die Hersteller außerdem einen Design-Kompromiss mit niedrigem Kostenpunkt ein: Reparierbarkeit hat in der Designphase in der Regel keine Priorität, schlankes Design beispielsweise schon. Das lässt sich mit verschraubten Teilen schlechter realisieren", sagt Dorothea Kessler, Kommunikationsmanagerin von iFixit Europe in Stuttgart. iFixit ist eine weltweite Online-Community von über eine Million Tüftlern und Technikern, die das Recht auf Reparatur hochhalten.


    Kaum kommt ein neues Gadget auf den Markt, stürzen sie sich drauf, zerlegen es und versuchen, es dann erneut in Gang zu bringen. Für Reparaturfreundlichkeit gibt es Punkte von 1 bis 10. Fairphones der zweiten und dritten Generation holen beispielsweise die maximale Punktzahl: Die Marke legt viel Wert auf einfache Reparierbarkeit. Für alle nicht einzeln austauschbare Komponenten, für festgeklebte Akkus und Glasabdeckungen sowie für Schrauben, die sich nur mit Spezialwerkzeug drehen lassen, gibt es Punktabzug.


    iFixit


    "Mit dem Reparierbarkeits-Index möchten wir auf die Notwendigkeit von Reparatur in einem nachhaltigen Kreislaufwirtschaftssystem aufmerksam machen und eine Hilfe für Kaufentscheidungen geben", sagt Dorothea Kessler.

    Wie lässt sich Klebstoff wieder lösen?

    Einfach zu reparierende Geräte sind derzeit ein Nischenprodukt. Gerade die aktuellen Flaggschiff-Smartphones holen sich sehr schlechte Bewertungen von iFixit. Neben der schlanken Optik spielen andere Gründe eine Rolle, unter anderem für das reparatur- und wartungsunfreundliche Verkleben.


    "Unsere Kunden haben bisher vor allem Wert auf Haltbarkeit gelegt: Ein versehentliches Lösen musste um jeden Preis verhindert werden", beschreibt Matthias Stollberg das Dilemma. Stollberg leitet die Unternehmenskommunikation bei Delo, einem der weltweit führenden Produzenten von Elektronik-Klebstoffen. "Häufig muss Klebstoff noch weitere Anforderungen erfüllen: zum Beispiel stromleitend und transparent sein. Ein zusätzlicher Löse-Mechanismus wäre die Quadratur des Kreises." Entkleben sei bislang vor allem für größere Komponenten wie Displays und Akkus im Gespräch, aber nicht für Kleinstbauteile wie die Kameras in Handys, die an 30 Stellen geklebt werden.


    Delo arbeite an Lösungsansätzen für das reparaturfreundliche Kleben. Dabei gebe es jedoch enge Grenzen, so Stollberg. Die naheliegende Methode sei die mechanische: ein Abschälen oder ein dünner Draht, idealerweise in Kombination mit Wärme, um den Kleber wieder zu verflüssigen. Letzteres funktioniere bei Glas und Metall, weniger bei Kunststoff.


    iFixit


    Mittelfristig sei ein Entkleben durch Wasser-, Säure- oder Lösungsmitteleinwirkung denkbar. Darunter würden jedoch der Feuchtigkeitsschutz beziehungsweise der Umwelt- und Arbeitsschutz leiden. Langfristig könnten auch UV-Licht, Laser, Ultraschall oder Infrarot-Strahlung zum gezielten Einsatz kommen.

    Kostenlose Anleitungen zum Selbermachen

    Neben dem Produktdesign spiele auch die Software eine immer größere Rolle, so die iFixit-Sprecherin: "Oft werden Software-Updates schon nach wenigen Jahren eingestellt oder Reparaturen führen zu Software-Einschränkungen, wie beim neuen iPhone 12. Dadurch werden viele Smartphones obsolet, deren Hardware noch einwandfrei funktioniert oder reparabel ist". Ein weiteres Problem ist der Zugang zu Reparaturwissen und Geräteinformationen sowie zu hochwertigen und fair bepreisten Ersatzteilen. Die Elektronik-Produzenten verweisen auf ihr geistiges Eigentum und auf Sicherheitsgründe, wenn sie nur lizenzierte Reparateure mit Originalkomponenten, Handbüchern, Diagnosemöglichkeiten und Spezialwerkzeug ausstatten wollen. Selbst unabhängige Profi-Werkstätten, erst recht Repair-Cafés oder Endverbraucher, haben kaum Zugang dazu.


    EU Energieeffizienzklassen an einem Kühlschrank


    iFixit glaubt an das Recht für Jedermann, Schäden am Eigentum selbst zu beseitigen und stellt kostenlose Anleitungen dafür ins Netz. Diese werden von Freiwilligen verfasst und zeigen Schritt für Schritt, mit Fotos und Werkzeugangaben, wie man genau vorgehen muss. Knapp 70.000 Anleitungen für verschiedene Elektro- und Elektronikgeräte in mehreren Sprachen gibt es bereits. Die Plattform finanziert sich unter anderem durch den Verkauf von selbstentwickelten Werkzeug-Sets und Ersatzteilen.

    Frankreich führt "Réparabilité"-Ampel ein

    Thomas Ebert, der beim Umweltbundesamt (UBA) unter anderem für das Thema Ökodesign zuständig ist, sieht in Sachen mangelhafter Reparierbarkeit ein gewisses Marktversagen. Deshalb sei die Politik nun gefragt. Eine Vorstudie zum Ökodesign von Smartphones und Tablets als Grundlage einer möglichen Produktverordnung der EU sei in Arbeit: Dabei sollten seiner Ansicht nach unter anderem Ersatzteile definiert werden, die verfügbar und mit herkömmlichen Werkzeugen reparierbar wären. Nur so ließe sich ein "Recht auf Reparatur", einschließlich Software-Updates, wie es die EU-Kommission im neuen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft beschreibt, realisieren.


    Diskutiert werde in der EU auch ein Reparatur-Scoring, ähnlich dem Index von iFixit, aber für alle Elektro- und Elektronikgeräte. "Wichtig ist, dass die Hersteller zu einem einheitlichen Ergebnis kommen, wie sie die Reparierbarkeit ihrer Produkte ermitteln, und dass die Behörden es überprüfen können." Frankreich presche nun vor und führe ab dem 1. Januar ein eigenes Scoring ein, so der UBA-Experte.


    Ein Schraubenschlüssel-Symbol zeigt auf einer Scala von 0 (rot) bis 10 (grün) an, wie einfach ein Schadensfall behoben werden kann. Bis ein Reparatur-Label auf allen entsprechenden Produkten prangt und EU-weit Verbrauchern Orientierung biete, würden nach Eberts Ansicht noch einige Jahre vergehen. Es sei denn, das französische Vorbild erzeuge einen entsprechend starken Druck, um auch andere Länder zu motivieren.



    16.11.2020 - https://www.dw.com/de/das-rech…eparierbarkeit/a-55578882






    Beim Bezirksgericht in San Jose legten vier Personen Klage ein. Jede Stunde tauschen die Android Smartphones ungefragt Daten mit Google aus.


    Samsung S7, Android, Dawid Labno


    Vergangenen Donnerstag legten vier Personen Klage beim Bezirksgericht in San Jose gegen Google ein. Man wirft dem Android-Hersteller vor, dass ihre Geräte pro Monat heimlich etwa 260 Megabyte an ihre eigenen Server übertragen. Außerdem würde Google teilweise Werbung abrechnen, die die Nutzer gar nicht zu Gesicht bekommen. Die Kläger argumentieren, somit entstehe eine Wettbewerbsverzerrung im Werbemarkt. Außerdem müssten die Android User für Daten-Transfers bezahlen, die sie nicht verursacht oder bestätigt hätten. Den Android Nutzern entstehen Kosten, weil Google darauf besteht, dass ihre Server ständig mit den Smartphones im Kontakt stehen.

    Android: Datenübertragung findet im Hintergrund statt

    In San Jose entsteht ein neuer Rechtsstreit um eine einfache Frage. Warum tauschen Android-Smartphones auf mysteriöse Weise 260 MB Daten monatlich mit Google aus, selbst wenn sie gar nicht in Gebrauch sind? Die vier Kläger aus Illinois, Iowa und Wisconsin hoffen, dass der Richter das Verfahren als eine Sammelklage bestätigen wird. In der Klage macht man geltend, dass Google die begrenzten Mobilfunkdaten von Android-Nutzern ohne Erlaubnis verwendet, um Informationen über diese Personen zu übermitteln, die in keinem Zusammenhang mit ihrer Nutzung der Google-Dienste stehen. Man will nachweisen, dass die Smartphones ohne jede Bedienung der Geräte Daten an Google-Server übertragen. Die zusätzliche finanzielle Belastung der Android User geschieht dabei ohne jede Einverständniserklärung oder Information an die Nutzer. Laut Klage stimmt man dieser Datenübertragung in keiner der vier Nutzungsvereinbarungen zu, die man vor Anwendung des Gerätes bestätigen muss.

    Pro Tag fast 9 MB heimlich Daten übertragen Zur Untermauerung der Vorwürfe testete der Anwalt des Klägers ein neues Samsung Galaxy S7-Smartphone mit Android, mit einem angemeldeten Google-Konto und Standardeinstellungen. Er stellte fest, dass das Gerät im Leerlauf, ohne Wi-Fi-Verbindung, „8,88 MB/Tag an Daten sendet und empfängt, wobei 94 Prozent dieser Kommunikation zwischen Google und dem Gerät stattfinden“. Vergleichbare Tests haben in der Vergangenheit laut The Register ähnliche Datenmengen ergeben, die die Geräte übertragen haben.Das Smartphone, auf dem man absichtlich alle Apps geschlossen hatte, kommunizierte etwa 16 Mal pro Stunde mit den Google-Servern. Oder anders ausgedrückt, innerhalb von 24 Stunden etwa 389 Mal. Geht man davon aus, dass auch nur die Hälfte dieser Daten ausgehen, würde Google auf diese Weise pro Gerät unter den gleichen Testbedingungen etwa 4,4 MB pro Tag oder 130 MB pro Monat an Daten erhalten. Ein iPhone mit Apples Safari-Browser, der im Hintergrund geöffnet ist, überträgt nur etwa ein Zehntel dieser Menge an Daten, so die Beschwerde vor Gericht. Was liegt abseits des mangelnden Datenschutzes vor: Betrug? Wettbewerbsverzerrung? Oder einfach nur Kosten, die die Android Nutzer bezahlen müssen!?

    Den Klägern geht es nicht primär um den Datenschutz, den Google damit umgeht. Es geht um die zusätzlichen Kosten, die die verdeckten Transfers erzeugen, sobald das Gerät in keinem WLAN-Netzwerk eingebucht ist. Statt die Daten ständig zu übertragen, hätte Google die Transfers bis zum nächsten WLAN aussetzen können. In der Klage wirft man dem Hersteller zudem vor, dass Google Werbeanzeigen vorbereitet und damit Einnahmen generiert, obwohl zahlreiche Online-Werbeanzeigen den Nutzern gar nicht angezeigt werden. Einerseits verzerrt dies laut den Klägern den Wettbewerb. Andererseits müssen die Android Nutzer den Download der nicht angezeigten Online-Anzeigen trotzdem bezahlen. Die Kollegen vom IT-Newsportal The Register forderten Google auf, die Vorwürfe der Klage in einer Stellungnahme zu beantworten. Google lehnte dies ab.

    https://tarnkappe.info/android…chen-transfers-angeklagt/

    14. November 2020



    Der neue Film von Werner Herzog handelt von Meteoriten, er hat ihn mit dem Vulkanologen Clive Oppenheimer gedreht. Ein Gespräch über den Himmel, die Ewigkeit – und Steine


    Werner Herzog und Clive Oppenheimer: Clive Oppenheimer (links) und Werner Herzog bei den Dreharbeiten zu

    Clive Oppenheimer (links) und Werner Herzog bei den Dreharbeiten zu "Fireball: Visitors From Darker Worlds"

    Was ist das Faszinierende an Meteoriten? Dieser Frage gehen der deutsche Filmemacher Werner Herzog und der britische Vulkanologe Clive Oppenheimer in ihrem neuen Dokumentarfilm "Fireball: Visitors From Darker Worlds" nach, und dafür reisten sie um die halbe Welt, nach Australien, Mexiko, Indien, Italien, gar bis in die Antarktis. Das Gespräch mit den beiden Herren fand pandemiebedingt auf der Videoplattform Zoom statt, Herzog weilte in seiner Heimatstadt Los Angeles, Oppenheimer in London.

    ZEIT ONLINE: Herr Oppenheimer, worin besteht eigentlich die Faszination von Meteoriten?


    Clive Oppenheimer: Jemand sagte einmal zu mir, Meteoriten seien doch bloß lebloses Gestein. Tatsächlich sind sie alles andere als leblos. Ich besitze einen hochgradig eisenhaltigen, er stammt aus dem Asteroidengürtel zwischen Jupiter und Mars. Auch die Zusammensetzung von Meteoritengestein ist aufregend, manche enthalten zum Beispiel organische Moleküle, Zuckerketten, Aminosäuren, mithin Elemente, die es braucht, um Leben hervorzubringen. Noch mehr aber faszinieren mich persönlich die kulturellen Phänomene: dass Meteoriten für verschiedenste Kulturen während der gesamten Menschheitsgeschichte Bedeutung besaßen und weiterhin besitzen.


    ZEIT ONLINE: Woran denken Sie da speziell?


    Oppenheimer: Etwa an den Schwarzen Stein in der Kaaba in Mekka. Dabei handelt es sich mutmaßlich um einen Meteoriten, den der Erzengel Gabriel der Überlieferung nach Abraham übergeben hat, damit dieser ihn dort ablege. Oder an einen Einschlagkrater im westlichen Australien, der eine Heiligenstätte der dort lebenden Aborigines ist und mit dem sich Rituale verbinden, die seit Jahrtausenden gepflegt werden. Das Faszinierende an Meteoriten ist also, wie sich in ihnen Natur und menschliche Kultur verbinden.


    ZEIT ONLINE:
    Sie beide, Herr Herzog, haben bereits vor Jahren bei dem Dokumentarfilm Into the Inferno zusammengearbeitet, der von Vulkanen handelt. Ist die Beschäftigung mit Meteoriten in Fireball die logische Entsprechung? Vulkane spucken Lava aus der Erde an die Oberfläche, Meteoriten fallen aus dem All auf sie. Sie nennen sie "Besucher aus anderen Welten".


    Werner Herzog: Die beiden Filme sind Teile einer möglichen Trilogie. Wir wissen bloß noch nicht, wovon der dritte Teil erzählen soll. (lacht) Die unmittelbare Faszination beider Phänomene besteht natürlich auch darin, dass es ungeheure Kräfte gibt, die außerhalb unserer menschlichen Kontrolle liegen und die wir in ihrer Größe nicht verstehen. Uns gebietet der Gedanke Ehrfurcht, was es bedeutet haben mag, dass vor 65 Millionen Jahren ein Asteroid die Erde getroffen hat, dessen Einschlag eine Energie von unzähligen Atombomben freigesetzt hat. Oder dass das Innere unseres Planeten aus glühend heißem Magma besteht, das durch Vulkane an die Erdoberfläche geschleudert werden kann. Das löst nicht nur Ehrfurcht aus, sondern auch eine Art Erregung. Die Schönheit des Filmemachens beginnt damit, diese Gefühle bei Menschen einzufangen.


    Oppenheimer: Unsere beiden Filme führen diese geophysischen wie kosmologischen Phänomene zusammen und wie sie die menschliche Einbildungskraft beschäftigen, die Vorstellungen des Jenseits, des Himmels, der Hölle und der Unterwelt. Es gibt da ganz offensichtlich eine Verbindung zwischen dem Magma unter uns und den Dingen über uns, die wir beim Blick in den Nachthimmel erahnen.


    ZEIT ONLINE: Was sehen Sie, wenn Sie nachts nach oben blicken?


    Oppenheimer: Nicht viel, hier in London. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten, und angesichts deren nächtlicher Erleuchtung muss man schon Glück haben, wenn man nachts mehr als ein Dutzend Sterne am Firmament erkennt.


    ZEIT ONLINE: Im Film sieht man Sie in der wenig bekannten Vatikanischen Sternwarte in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo, Sie haben deren Leiter interviewt, den dort forschenden Astronomen und Jesuitenbruder Guy Consolmagno. Er spricht auf Englisch darüber, wie die Worte "heaven" und "sky" einander kulturell bedingen. Deutschsprachige haben da ein Problem: Bei uns heißt beides bloß "Himmel".


    Oppenheimer: Ich habe Bruder Guy dann noch gefragt, ob die Tatsache, dass ein Großteil der Menschen beim Blick nach oben eben keinen Eindruck vom Kosmos bekommt, auch ein Grund für die Säkularisierung moderner Gesellschaften sei. Wann haben Sie zum letzten Mal die Milchstraße wirklich gesehen?


    ZEIT ONLINE: Ich lebe in Berlin, da ist man in vielerlei Hinsicht weit entfernt vom Himmel.


    Herzog: Clive hat mir mal eine wundervolle Geschichte erzählt über das letzte große Erdbeben, das 1994 hier die Gegend von Los Angeles getroffen hat, wo ich lebe. Das Erdbeben geschah mitten in der Nacht, die Menschen flohen aus ihren Häusern auf die Straßen. Kurze Zeit später gingen viele Anrufe bei der Notrufnummer 911 ein. Menschen sprachen davon, dass sie etwas sehr Merkwürdiges am Himmel entdeckt hätten, einen extrem hellen Streifen von Lichtern. Ob das wohl eine Wolke voller giftiger Gase sein könnte? Nun ja, es stellte sich heraus, dass überall in der Gegend der Strom ausgefallen war und deshalb auch alle Straßenbeleuchtungen aus waren. Des Rätsels Lösung also war: Die Menschen hatten zum ersten Mal einen unverstellten Blick auf die Milchstraße erhascht und waren davon derart irritiert, dass sie die Polizei angerufen hatten.


    ZEIT ONLINE: Dort oben also fliegen auch weitgehend unsichtbar für unsere Augen Meteoriten umher. Ist das eigentlich Interessante an diesen Himmelskörpern für uns, dass ihr Herunterfallen auf die Erde sowohl den Beginn als auch das mögliche Ende von Leben hier unten markieren? Und mögen Sie als Geschichtenerzähler diese Vorstellung von Anfang und Ende besonders, Herr Herzog, auch als Metapher für das menschliche Leben?


    Weiter lesen: "Meteoriten riechen ein bisschen wie der Inhalt eines Aschenbechers"


    14. November 2020 - https://www.zeit.de/kultur/fil…universum/komplettansicht










    Die EU-Innenminister betonen, dass sich die Mitgliedsstaaten "mit der Frage der Datenverschlüsselung" beschäftigen und den Behörden Zugang verschaffen müssen.


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    Trotz massiver Proteste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik halten die EU-Innenminister an dem Plan fest, die Beihilfe von Dienstanbietern wie Apple, Facebook, Google, Threema, Signal oder WhatsApp zum Entschlüsseln zu fordern. In ihrer gemeinsamen Erklärung zu den jüngsten Terrorattacken etwa in Wien, Paris, Dresden und Nizza betonen sie, dass sich die Mitgliedsstaaten "mit der Frage der Datenverschlüsselung beschäftigen müssen".


    Die zuständigen Behörden müssten imstande sein, "digitale Beweise" im Einklang mit den Gesetzen zu sammeln und zu verwerten, heißt es in dem Abschlusskommuniqué des informellen, per Video übertragenen Treffens der Innenminister am Freitag, das die Bürgerrechtsorganisation Statewatch vorab veröffentlicht hat. Polizei und Geheimdienste sollen also Zugang zu ausgetauschten Nachrichten im Klartext bekommen.


    "Die Vertrauenswürdigkeit der auf der Verschlüsselungstechnologie basierenden Produkte und Dienstleistungen muss gewahrt bleiben", haben die Ressortchefs zwar noch hinzugefügt. Wie dies möglich sein soll angesichts der geforderten Zugriffsmöglichkeiten, bleibt aber offen.

    "Rechtmäßiger Zugang"

    Weitere Hinweise auf den verfolgten Kurs ergeben sich aus einem ebenfalls geleakten Entwurf der deutschen EU-Ratspräsidentschaft für eine Erklärung zur polizeilichen Zusammenarbeit, die die Innenminister Anfang Dezember bei ihrer offiziellen Konferenz verabschieden wollen. Das Gremium soll demnach erneut unterstreichen, dass "der rechtmäßige Zugang" zu verschlüsselten Daten "für Strafverfolgungs- und Justizzwecke erhalten bleiben muss".


    Die Ressortleiter wollen sich dabei direkt auf die parallel geplante, gesonderte Erklärung zu "Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung" beziehen, die scharf kritisiert wird. Verschlüsselung sei "ein Anker des Vertrauens in die Digitalisierung" und sollte gefördert und weiterentwickelt werden, versucht die Bundesregierung in dem zweiten Dokument nun zu beschwichtigen. Kryptographie sei "ein Mittel zum Schutz der Privatsphäre sowie der digitalen Sicherheit von Regierungen, Industrie und Gesellschaft".


    Daneben hebt die Ratsspitze hervor, dass "jede Maßnahme diese Interessen sorgfältig gegeneinander abwägen" müsse. Zugleich hält sie aber an der Notwendigkeit fest fest, "in einem engen Dialog mit der technologischen Industrie nach technischen Lösungen für den rechtmäßigen Zugang zu verschlüsselten Daten" zu suchen. Für viele Beobachter ist damit klar: Es geht um einen General- oder Nachschlüssel zur elektronischen Kommunikation, Hintertüren oder die Beihilfe zum Einsatz von Staatstrojanern, um Verschlüsselung zumindest zu umgehen.

    Scharfer Gegenwind

    Der Gegenwind gegen eine solche Position wird derweil stärker. "Terrorismus und andere Formen schwerster Kriminalität müssen konsequent bekämpft werden können", konstatiert etwa Susanne Dehmel aus der Geschäftsleitung des IT-Branchenverbands Bitkom. "Hintertüren in Kommunikationsdiensten können dafür aber nicht die Lösung sein. Wer Verschlüsselungen aufweicht, schwächt die IT-Sicherheit insgesamt." Kriminelle würden zudem auf Dienste ausweichen, "die mit EU-Gesetzen nicht zu erreichen sind". Vor allem brauche es daher "mehr qualifizierte Mitarbeiter in Behörden, die im digitalen Raum ermitteln können"


    Der Ministerrat strebe "praktisch ein Verbot von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung" und damit eines elementaren Bausteins der vertrauenswürdigen digitalen Gesellschaft, moniert das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF). Die erwähnte "Balance" sei ein Trugbild: "Es ist schlicht mathematisch unmöglich, Verschlüsselung zugleich tatsächlich sicher und behördlich abhörbar zu gestalten." Aus kryptographischer Sicht gebe es keine "guten" oder "schlechten" Angreifer.


    Die europäische Politik falle angesichts der Terroranschläge "in alte Muster zurück", beklagt Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. "Noch mehr anlasslose Überwachung soll die Antwort sein." Gerade der Angriff auf die Verschlüsselung und den Datenschutz sei aber hochproblematisch. "Ein Generalschlüssel zur Überwachung von Chats ist ein Werkzeug, von dem Diktatoren träumen. Auch russische Hacker werden sich über die Arbeitserleichterung freuen."


    Der Linken-Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko betonte: "Die Verschlüsselung digitaler Kommunikation ist kein Nachteil, sondern eine Errungenschaft." Die deutsche, von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ausgehende Initiative sei "ein Generalangriff auf die inzwischen weit verbreitete sichere Telekommunikation".

    Löschen terroristischer Inhalte

    In ihrem Papier vom Freitag drängen die Innenminister zudem darauf, soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und YouTube im Kampf gegen den Terrorismus stärker zu regulieren. Dazu müsse die seit Langem umstrittene Verordnung zum Löschen terroristischer Inhalte binnen mindestens einer Stunde bis spätestens Ende des Jahres stehen, mit der ein Einsatz von Upload-Filtern verknüpft wird. Bei Online-Spielen und der Verstärkung etwa von Filterblasen durch Algorithmen sollte die Selbstregulierung ausgebaut werden.


    Der EU-weite Austausch von Informationen über "Gefährder" sei sicherzustellen, geht aus der Stellungnahme auch hervor. Die Vorratsdatenspeicherung stelle ebenfalls ein wichtiges Instrument dar. Laut dem vorbereiteten Dokument zur Polizeikooperation sollen die Strafverfolgungsbehörden in den Mitgliedstaaten zudem Künstliche Intelligenz (KI) nutzen, "um die Prävention zu verbessern und die Ermittlungen zu erleichtern sowie die Opfer von Verbrechen zu schützen".



    https://www.heise.de/news/Terr…Crypto-Linie-4960069.html

    13.11.2020






    Laut Verfassungsschutz ist der Verein "Graue Wölfe" rassistisch motiviert und ein Handlanger der türkischen Regierung in Deutschland. In der Bundespolitik fordern immer mehr Abgeordnete ein Verbot der Rechtsextremisten.


    Wolfsgruß der Grauen Wölfe

    Wolfsgruß der Grauen Wölfe


    Im Nachbarland Frankreich wurde es bereits durchgesetzt, nun soll Berlin nachziehen. Schon bald könnte die rechtsextreme türkische Organisation "Graue Wölfe" auch in Deutschland verboten werden. Die DW erfuhr aus Kreisen der Unionsfraktion, dass derAntrag für die Prüfung eines Verbotes der Rechtsextremisten für die kommende Sitzungswoche auf die Tagesordnung des Bundestags gesetzt wurde.


    Auch die SPD unterstützt den Antrag. Der Sozialdemokrat und Mitglied des Innenausschusses Uli Grötsch begründet den Schritt damit, dass die sogenannten "Idealisten" als rechtsextrem einzustufen seien. Die "Grauen Wölfe" werden auch "Ülkücü" - zu Deutsch: Idealisten - genannt. "Wir bekämpfen Rechtsextremismus unabhängig davon, ob es sich um deutschen, türkischen oder irgendeinen anderen Rechtsextremismus handelt. Auch die Grauen Wölfe fallen in diese Kategorie", so der Politiker, der auch stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Parlamentariergruppe ist.


    Deshalb seien die Vereine und Anhänger seit Jahren Beobachtungsobjekte des Verfassungsschutzes und daher sei es richtig, repressive Maßnahmen wie Betätigungs- bzw. Vereinsverbote zu prüfen. "Damit senden wir ein klares Signal", sagte Grötsch der DW. Wird der Antrag im Bundestag beschlossen, wird das Bundesministerium des Innern als zuständige Behörde ein Verbot der Grauen Wölfe prüfen.

    "Eine faschistische und rassistische Ideologie"

    Christoph de Vries, CDU-Abgeordneter und ebenfalls Mitglied des Innenausschusses, begründet die Initiative seiner Fraktion damit, dass "die ultra-nationalistische Ideologie der 'Idealisten' menschenverachtend ist". Sie seien eine Bedrohung für die freiheitlich demokratische Grundordnung in Deutschland. "Faschistische und rassistische Ideologien, die andere religiöse und ethnische Gruppen herabsetzen, haben in diesem Land keinen Platz", so de Vries, der parteiintern einer der Hauptverfechter eines Verbots ist.


    Die "Grauen Wölfe" und ihnen nahestehende Vereinigungen stehen unter Beobachtung durch den Bundesverfassungsschutz (BfV). Es gebe mindestens 11.000 Anhänger in Deutschland, heißt es in dem Jahresbericht der Bundesbehörde aus dem Jahr 2019. Der Bericht verweist darauf, dass es organisierte Vereine sowie unorganisierte Vertreter gebe, die über das Internet kommunizieren. Ihre Überzeugung sei, dass sie einer überlegenen türkischen "Rasse" angehören. Kurden, Armenier, Griechen, Juden und US-Amerikaner würden von ihnen als Feindbilder definiert.

    Auch das Bundesinnenministerium brachte ein bundesweites Verbot solcher Vereine und Organisationen ins Gespräch. Doch die rechtlichen Hürden für ein Verbot sind hoch. Seit das deutsche Vereinsgesetz 1964 in Kraft trat, sind 57 Vereinigungen und 106 Unterstrukturen meist rechtsextremer oder radikalislamistischer Vereinigungen verboten worden. 93 davon listet der Verfassungsschutzbericht in der Kategorie "ausländischer Extremismus" auf - darunter auch den Verein "Graue Wölfe".

    Verbindungen zum türkischen Staat

    Daher fordern auch Oppositionspolitiker schon seit Langem ein Verbot. Die Innen-Expertin der Linkspartei, Ulla Jelpke, etwa bezeichnet die "Grauen Wölfe" als "tödliche Bedrohung" und verweist auf einen Fall aus dem Jahr 1980, als der Gewerkschafter Celalettin Kesim von einem Anhänger der Ultranationalisten in Berlin Kreuzberg ermordet wurde. Es gebe zudem Hinweise, so Jelpke, dass es Verbindungen der "Grauen Wölfe" zum türkischen Staat gebe. Eine parlamentarische Anfrage im Sommer hätte ergeben, dass manche der Rechtsextremisten im Dienst des türkischen Geheimdienstes MIT standen.


    Auch Vertreter der nichtstaatlichen Organisationen in Deutschland begrüßen ein Verbot der türkischen Rechtsextremisten. Osman Okkan, Vorstandssprecher des KulturForums TürkeiDeutschland e.V., sagte der DW: "Durch die Zusammenarbeit der 'Grauen Wölfe' mit ihrer 'Mutterorganisation', der ultranationalistischen Partei MHP, eine Hauptstütze Erdogans, gewannen sie in den letzten Jahren immer mehr Einfluss unter jungen Türkei-Stämmigen in ganz Europa". Okkan berichtet zudem, dass es immer häufiger Beschwerden über Angriffe auf Armenier, Kurden sowie Erdogan-Kritiker gebe.

    "Graue Wölfe" überall in Europa aktiv

    Dem Verfassungsschutz zufolge ist die mächtigste und älteste organisierte Vertretung der Grauen Wölfe in Deutschland die 1978 in Frankfurt am Main gegründete Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V. (ADÜTDF), der 7.000 registrierte Mitglieder und 170 lokale Verbände angehören. Nach Angaben der Bundesbehörde habe die ADÜTDF Verbindungen zur ultranationalistischen Partei MHP, der Koalitionspartner der türkischen Regierungspartei AKP.


    Der zweitstärkste Verband ist die ATIB Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine e.V. in Europa. Dieser Dachverband wurde 1987 von Musa Serdar Celebi gegründet. Der Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca behauptet, Celebi habe ihm 1981 die Tatwaffe und den Killerlohn für den Mordanschlag auf Johannes Paul II besorgt. Aufgrund eines italienischen Haftbefehls wurde Musa Serdar Celebi 1982 bei Frankfurt festgenommen. Zwei Jahre saß er in Italien in Untersuchungshaft. Später wurde er aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Auch der türkische Geheimdienst MIT soll in einer streng vertraulichen Akte vom Jahr 1982 über die enge Verbindung zwischen Agca und Celebi berichtet haben, daraus zitierten mehrere türkische Medien im Jahr 2000.


    "Idealistische" Gruppierungen sind in ganz Europa organisiert. 2007 wurde in Frankfurt am Main der Dachverband der Grauen Wölfe in Europa gegründet, der die verschiedenen Ableger in ganz Europa bündeln soll. Sein langjähriger Vorsitzender Cemal Cetin aus Deutschland sitzt seit 2018 im türkischen Parlament als Abgeordneter der türkischen MHP.

    Anfang November hat die französische Regierung den französischen Ableger der "Graue Wölfe" verboten, weil sie in Gewaltakte in Frankreich verwickelt gewesen sein sollen.



    https://www.dw.com/de/bundesta…%B6lfe-beraten/a-55593185


    13.11.2020





    Die im Februar aufgeflogenen Rechtsterroristen waren fester organisiert als bisher bekannt. Elf Männer sind nun als Mitglieder angeklagt, nur noch einer als Helfer.


    Bundesanwaltschaft: Im Oberlandesgericht Stuttgart, Ort des Prozesses gegen die Gruppe S

    Im Oberlandesgericht Stuttgart, Ort des Prozesses gegen die Gruppe S

    Die Bundesanwaltschaft hat elf Männer angeklagt, denen sie die Mitgliedschaft in der rechtsterroristischen Vereinigung Gruppe S vorwirft. Nur noch einen Angeklagten führt sie als Helfer, wie die Karlsruher Behörde mitteilte. Bei den Festnahmen bei bundesweiten Razzien am 14. Februar hatten die Ermittler noch fünf Männer zum Kern der Gruppe gezählt und weiteren acht lediglich finanzielle Unterstützung vorgeworfen.


    Die Gruppe soll Angriffe auf Moscheen mit möglichst vielen Toten und Verletzten erwogen haben, um bürgerkriegsähnliche Zustände auszulösen. Zwei der Männer, Werner S. (54) aus dem Raum Augsburg und Tony E. (40) aus dem niedersächsischen Landkreis Uelzen, sind als Rädelsführer angeklagt. Sie und sechs weitere Angeklagte sollen bei einem Gründungstreffen auf einem Grillplatz in Alfdorf in Baden-Württemberg im September 2019 dabei gewesen sein. Werner S., den die Ermittler für den Kopf der Zelle halten, soll beim Gründungstreffen eine scharfe Pistole für Schießübungen dabeigehabt haben. In der Folge soll er weitere Treffen organisiert haben, teils unterstützt von Tony E.; außerdem tauschten sich die Angeklagten in Chats aus. Der Prozess soll am Oberlandesgericht Stuttgart stattfinden. Dass Anklage erhoben wurde, war bereits am Donnerstag bekannt geworden.


    Laut Bundesanwaltschaft hatten die Gründungsmitglieder das Ziel, "mit ihrer Vereinigung die Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland zu erschüttern und letztlich zu überwinden". Sie sollen hauptsächlich Gewalt gegen Muslime, aber auch gegen politisch Andersdenkende erwogen haben. Schon vor Längerem war bekannt geworden, dass auch über die Grünen-Politiker Robert Habeck und Anton Hofreiter als mögliche Anschlagsziele gesprochen wurde. Wie jetzt mitgeteilt wurde, waren zu der Gruppe später noch drei weitere mutmaßliche Mitglieder hinzugestoßen. Nach den Erkenntnissen der Ermittler wollten sich die Männer für ihre Anschläge Waffen besorgen und versuchten, dafür 50.000 Euro zusammenzukriegen. So gut wie alle hätten größere Beträge zugesagt.


    Die Sicherheitsbehörden hatten die Gruppe von Anfang an im Visier – denn einer der Männer hatte sich an die Polizei gewandt. Er sitzt als Einziger nicht seit Februar in Untersuchungshaft, ist aber ebenfalls als Mitglied angeklagt. Ein Beschuldigter war im Juli tot in seiner Einzelzelle in der Justizvollzugsanstalt Dortmund gefunden worden.


    Nach einem Bericht des Spiegels entdeckten die Ermittler bei einem der Angeklagten ein Video des Massakers im neuseeländischen Christchurch, wo ein Rechtsextremist im März 2019 zwei Moscheen angegriffen und 51 Menschen erschossen hatte. Der Mann habe sich auch eine Sequenz des Angriffs auf die Synagoge von Halle im Oktober 2019 abgespeichert. Beide Täter hatten ihre Taten im Internet übertragen.



    https://www.zeit.de/gesellscha…rechtsterrorismus-anklage


    13. November 2020






    Der Skandal um sexuellen Missbrauch in der polnischen katholischen Kirche erreicht immer höhere Kreise. Mit Kardinal Dziwisz steht nun ein enger Vertrauter von Papst Johannes Paul II. unter Vertuschungsverdacht.


    Kirchturmspitze mit Kreuz (picture-alliance/dpa/F. Gentsch)

    Kardinal Stanislaw Dziwis ist nicht irgendjemand. Er begleitete das ganze Pontifikat lang den polnischen Papst Johannes Paul II. als dessen Privatsekretär, kannte ihn schon davor und wich bis zum Tod des katholischen Kirchenoberhaupts im Jahre 2005 nicht von seiner Seite. Johannes Paul II. selbst sagte über Dziwisz, er sei "unersetzbar". Immer nahe dran, eher schweigsam, galt er als größter Vertrauter des Papstes. Wer an Johannes Paul II. herankommen wollte, musste erst am Kardinal vorbei. Er hatte etwas von einem Beschützer, richtete dem Papst das Gewand, stützte ihn im Alter. Jetzt aber könnte er selbst den Schutzschirm des Kirchenoberhaupts gebrauchen.

    Privataudienz gegen Bares?

    Denn am Montag zeigte der Privatsender TVN24 eine Reportage von Marcin Gutowski über den heute 81-jährigen Dziwisz. Darin werden schwere Vorwürfe erhoben: Der Kardinal hätte von Missbrauchsfällen durch den Gründer der "Legionäre Christi", Marcial Maciel Degollado, und dem früheren US-Kardinal Theodore McCarrick gewusst und beide dennoch gestützt. Außerdem habe Dziwisz 10.000 Dollar angenommen und so 1988 auf Wunsch von McCarrick dessen Begleiter eine Privataudienz beim Papst ermöglicht.


    Am Dienstag veröffentlichte der Vatikan einen eigenen Bericht zum Fall McCarrick. Er geht der Frage nach, warum Johannes Paul II., obwohl er über eine Reihe von Hinweisen zu möglichen Fällen des sexuellen Missbrauchs durch McCarricks verfügte, diesen dennoch zum Erzbischof und dann zum Kardinal beförderte. Auch der Name Dziwisz wird in dem Bericht wiederholt erwähnt.


    Stanislaw Dziwisz (DW/B. Cöllen)

    Kardinal Dziwisz, Bischof von Krakau und ehemaliger Sekretär des Papstes Johannes Paul II. (Kevelaer, 2012)


    Dziwisz selbst aber schweigt. Immer wieder zeigt der Autor der Fernsehreportage "Don Stanislao - Das andere Gesicht von Kardinal Dziwisz", wie er den Geistlichen erfolglos um ein Interview "in guter, freundschaftlicher Atmosphäre" zu überreden versucht, damit er die Dinge aus seiner Sicht schildern könne.


    Schließlich aber wird der Film ohne ein neues Interview gesendet, versehen nur mit kurzen Aussagen des Kardinals und mit Fragmenten eines Telefongesprächs. Darin warnt der Kardinal vor einem "internationalen Skandal", den die Recherchen auslösen könnten. Es ginge ihm um Polen. "Ich bin ein Mensch, der dem Papst, der Kirche und Polen diente. Und jetzt diese Vorwürfe? Um Gottes Willen!"


    "Als ich den Film gesehen habe, hat mich am meisten die Verhaltensweise des Kardinals erschüttert, seine Reaktionen auf die Vorwürfe des Journalisten", kommentiert Artur Sporniak von der liberal-katholischen Zeitung "Tygodnik Powszechny". "Er kann nicht begreifen, dass er dem gleichen Recht und den gleichen Regeln unterliegt wie alle anderen. Dass es keine Ausnahmen gibt." Ein Europaparlamentarier der Linken alarmierte die Staatsanwaltschaft. Es gebe keine "heiligen Kühe".


    Der Film hat die Diskussion über Pädophilie in der Kirche und deren Vertuschung neu entfacht. Am Tag nach der Ausstrahlung nahm der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, Stellung: "Ich hoffe, dass alle Fragwürdigkeiten, die in dieser Reportage dargestellt werden, von einer entsprechenden Kommission des Vatikans aufgeklärt werden", hieß es in einer Erklärung. Dziwisz selbst hatte seine Zusammenarbeit mit einer "unabhängigen Kommission" zugesichert. Diese könne aber nur vom Papst berufen werden, betont im DW-Gespräch der Priester und Philosoph Andrzej Kobylinski. Weder ein lokales noch ein staatliches Gremium könnten über einen Kardinal urteilen.

    Vertrauenserosion der polnischen Kirche

    Kobylinski erwartet einen "beschleunigten Absturz" der katholischen Kirche in Polen. Die schon jetzt "galoppierende Säkularisierung der jungen Generation" werde "rasant voranschreiten". Die Kirche erlebe einen Vertrauensverlust. Für Kobylinski eine traurige Entwicklung, an der Priester wie Bischöfe selbst schuld seien, "indem sie Fehler machten und Versäumnisse zuließen. In den vergangenen Jahren geht es hier überwiegend um Pädophilie-Skandale und deren Vertuschung", so der Warschauer Priester und Theologe.


    Erst vor wenigen Tagen hatte der Vatikan in einem anderen Fall geurteilt und gleich mehrere Strafen gegen den 97-jährigen früheren Erzbischof von Breslau/Wroclaw verhängt. Kardinal Henryk Gulbinowicz darf keine Bischofsinsignien mehr nutzen, keine Messen zelebrieren und wird auch nicht in der Breslauer Kathedrale beigesetzt. Gulbinowicz wird unter anderem des sexuellen Missbrauchs beschuldigt.


    Joachim Frank, Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP), erinnert daran, was der Missbrauch in anderen Ländern auslöste. Etwa durch François Ozons Film "Gelobt sei Gott" nach wahren Missbrauchsfällen, der "sogar im laizistischen Frankreich große Wellen geschlagen hat". Er könne sich durchaus vorstellen, dass ähnliches jetzt auf Polen zukommt.


    "Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat eine solche Dimension, dass sich keiner unter Berufung auf Verdienste wegducken kann nach dem Motto, 'lasst ihn doch in Ruhe, er hat so viel Gutes getan'. Denn was hieße das aus der Perspektive der Opfer, die Schlimmes durch Priester erlitten haben?" Im Gespräch mit der DW mahnt er zugleich gerechte Urteile an. "Licht und Schatten gehören zur Wahrheit", sagt Frank.


    Demonstration gegen Pädophilie in Warschau (Wlodek Ciejka)

    "Hände weg von den Kindern!" - Demonstration gegen Pädophilie in Warschau, 2018


    Wie auch immer das Urteil ausfällt, es reicht über den Kardinal hinaus. Der Fall Dziwisz hat, laut Philosoph Kobylinski, eine "nationale Dimension", denn Johannes Paul II. sei in Polen nicht nur eine Figur der Kirche, sondern integraler Bestandteil des "nationalen Gedächtnissen und der Identität". Er spielte eine prägende Rolle im sozialistischen Polen, gab den Leuten Halt und Hoffnung. Die Vorwürfe gegenüber Dziwisz belasten auch Johannes Paul II. und werfen die Frage nach der Verantwortung des Papstes auf, besonders im Fall der "Legionäre Christi". Den Ordensgründer habe er "gedeckt bis zum Schluss". Die schnelle Heiligsprechung des Papstes sei "vielleicht verfrüht" erfolgt, sagt Kobilinsky.


    Denkmäler des polnischen Papstes stehen im ganzen Land. Das von Henryk Jankowski dagegen wurde bereits vergangenen Jahr aus Gdansk/Danzig entfernt, nachdem sich Missbrauchsopfer gemeldet hatten. Jankowski, der 2010 verstarb, war legendärer "Kaplan der Solidarnosc" und Beichtvater Lech Walesas, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Solidarnosc und späteren Staatspräsidenten. Von Dziwisz stehen schon zu Lebzeiten Denkmäler im Land, an denen nun ebenfalls gerüttelt werden wird; Dienstagabend zogen Demonstranten vor dessen Haus in Krakau und vor die Kurie in der Stadt, in der er Erzbischof war. Eine dieser Dziwisz-Skulpturen steht im südlichsten Polen, in Zakopane, der Stadt in der Hohen Tatra, in den Bergen, die Johannes Paul II. so geliebt hat. Eine andere in Dziwisz's Geburtsort, Raba Wyzna, die dritte ganz in der Nähe davon. Jedes Mal zeigen die Denkmäler Dziwisz nicht allein, sondern an der Seite von Johannes Paul II.



    Elke Sommer, 1964


    Elke Sommer hat sich nicht nach oben gearbeitet – sie wurde entdeckt, und dann war sie sofort da: eine Erscheinung, ein Weltstar, eine deutsche Schauspielerin, die auch in Hollywood verehrt wurde. Ein Glückwunsch zum achtzigsten Geburtstag.


    Ihr ist geschehen, was sonst nur äußerst selten passiert, obwohl doch seit Beginn der Filmgeschichte so viele davon träumen: Elke Sommer wurde entdeckt, vom großen italienischen Regisseur und Produzenten Vittorio De Sica, der nur ihr Foto in einer Zeitung sah – und dass daraus tatsächlich eine Filmkarriere wurde, lässt sich am besten aus einer italienischen und sehr katholischen Perspektive verstehen: aus dem Glauben daran, dass die Bilder ihre eigene Wahrheit offenbaren. Und dass Wunder jederzeit geschehen können.


    Und genau so sah ihr erster Auftritt in ihrem ersten Film auch aus, in „L’amico del giaguaro“, einem charmanten und etwas betulichen Film über kleine Gauner in Rom: Ein Auto hält an, eine blonde, junge Frau steigt aus – und die vier jungen Männer auf der anderen Straßenseite können, was sie sehen, nur als übersinnliche Erscheinung deuten. Später wird sie vor der Fontana di Trevi stehen – und man stellt sich vor, wie Federico Fellini den Film sieht und dabei denkt, dass sie jetzt da hineinsteigen müsste. Was er ein Jahr später mit Anita Ekberg inszenieren wird.


    Elke Sommer, geboren 1940 in Berlin, von dort mit ihren Eltern vor den Bomben nach Franken geflohen, aufgewachsen in Marloffstein am Rand der Fränkischen Schweiz – Elke Sommer hatte Ferien gemacht in Viareggio, sie hatte an einer Misswahl teilgenommen und gewonnen: So kam ihr Bild in die Zeitung. Und so kam es, dass sie im Jahr 1959 gleich in drei italienischen Filmen zu sehen war, darunter das verrückte Rock-’n’Roll-Musical „I ragazzi del juke box“ mit Adriano Celentano, inszeniert von Lucio Fulci, der später der Meister des italienischen Horrors wurde.

    Wer hat von wem geträumt?

    Ihr erster deutscher Film war wohl auch der schönste, „Das Totenschiff“, Georg Tresslers von der Filmgeschichte fast vergessene Verfilmung eines Romans von B. Traven, in dem Horst Buchholz durch eine südliche Landschaft wandert, und im Mittagslicht sitzt ein Mädchen am Wegrand, und die Blicke, die die beiden tauschen, sind so inszeniert, dass man sich fragt: Hat er von ihr geträumt oder sie von ihm?


    In einem Illustrierteninterview hat Elke Sommer einmal erzählt, wie sie, viel später, in einem unerklärlichen Moment, aus ihrem Körper herausgefahren sei und sich von außen betrachtet habe. Was man ihr schon deshalb glauben mag, weil genau so auch die Auftritte der jungen Elke Sommer waren: Sie schien ganz bei sich zu sein – und zugleich neben sich zu stehen und zu staunen, über sich selbst, über die Blicke, die Kamera und Zuschauer auf sie warfen. Und darüber, wie sie dabei wirkt. Eine schöne junge Frau und die Kamera, das wirft ja immer die Machtfrage auf: Wer bestimmt, was zu sehen ist, wer fügt und unterwirft sich? Wenn man heute Elke Sommers frühe Filme wiedersieht, hat man nicht den Eindruck, dass sie in diesem Spiel die Schwächere ist. Elke Sommer, als sie dann angekommen war in Hollywood, leistete sich einen Mann, der praktisch nichts verdiente. Und dem sie ein schönes Haus und regelmäßig ein neues Auto spendierte.


    Die Filmgeschichte ist ungerecht – wir erinnern uns, zu Recht, an Blake Edwards’ „Ein Schuss im Dunkeln“, in dem die lustigste ihrer Sexszenen darauf hinauslief, dass, weil der Partner Peter Sellers war, das Schlafzimmer in Trümmer fiel. Vergessen sind aber leider „Heiße Katzen“ oder „Rollkommando“, Filme, in denen sie sehr böse Frauen mit sehr viel Vergnügen spielte. Dabei sind es gerade solche nicht ganz so meisterhafte Filme aus Italien, England, Amerika, in denen, unbehelligt vom Kunstwollen eines Regisseurs, Elke Sommers Präsenz und somnambuler Zauber sich besonders gut entfalten können. Es ist allerhöchste Zeit, das Werk Elke Sommers wiederzuentdecken. Heute wird sie achtzig Jahre alt.



    https://www.faz.net/aktuell/fe…der-gibt-es-17036335.html


    05.11.2020





    Seit rund 60 Jahren beschäftigt die Forscher ein ungewohnliches Phänomen: In Abstand von 26 Sekunden wird global ein Pulsieren gemessen. Die Ursache ist unklar.


    Der Impuls erscheint alle 26 Sekunden, ist vom Menschen nicht wahrnehmbar, aber doch so stark, dass er mit empfindlichen seismologischen Geräten um den ganzen Erdball aufgezeichnet wird. Seit fast 60 Jahren lässt dieses Naturphänomen Forscherinnen und Forscher auf der ganzen Welt rätseln.


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    John Ertle "Jack" Oliver, geboren 26. September 1923 in Massillon, (Ohio), gestorben 5. Januar 2011 in Ithaca (New York) hat sich vor allem mit der Erforschung der Plattentektonik einen Namen gemacht.


    Erstmals im größeren Rahmen wurde die seismologische Erscheinung Anfang der 1960er Jahre untersucht. Der amerikanische Geologe John Ertle "Jack" Oliver veröffentlichte 1962 im seismologischen Fachmagazin Bulletin of the Seismological Society of America (BSSA) den Artikel "A Worldwide Storm of Microseims With Periods Of About 27 Seconds", indem er die Ergebnisse seiner Forschung zu den Mikrobeben präsentierte.

    Mikrobeben im 26-Sekunden-Intervall

    Die Beben erschienen in einem Intervall zwischen im Schnitt 26 und 27 Sekunden und Oliver lokalisierte das Epizentrum im Golf von Guinea. Insgesamt wurden die Beben zwischen den 6. und 7. Juni 1961 erforscht und dabei in 16 von 18 Forschungsstationen über den gesamten Erdball hinweg gemessen. Den stärksten Ausschlag verglich er mit der Explosion von etwa 600 Tonnen TNT. Die Stärke schwankte mit der Zeit; Oliver fand zudem heraus, dass in den Wintermonaten der Süd-Halbkugel der Impuls am stärksten war.

    Dabei sind Mikrobeben erst einmal nichts Besonderes. In Deutschland bebt die Erde auf diese Art fast täglich, ohne dass Jemand außerhalb der seismologischen Forschung davon Kenntnis erlangt. Wobei die Corona-Krise die Erforschung sogar verbessert, da sich durch die Ausgangsbeschränkungen die Alltags-Störquellen verringern, die diese Beben sonst leicht überlagern.

    Beben als Monitor der Bodenbeschaffenheit

    Die Erkenntnisse daraus sind für die geologische Forschung hilfreich - in feuchtem Gestein können Flüssigkeiten und Gase für die Spannungsbedingungen verantwortlich sein. Daher lassen sich über die gemessenen Mikrobeben mehr Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Gesteins gewinnen.

    Der Unterschied zwischen diesen unregelmäßigen Beben und dem Phänomen vor Westafrika ist eben die exakte Periodizität. Und das macht es für die Forscherinnen und Forscher so schwer, die Quelle dieses Phänomens zu lokalisieren. Und Jack Oliver war durch die technischen Möglichkeiten eingeschränkt, die seine Zeit bot; er konnte daher nur spekulieren.

    Hypothesen zwischen Wellenschlag und magnetischer Aktivität

    Die Haupthypothese war, dass die Mikrobeben durch Wellen erzeugt wurden, die auf die Küste im Golf von Guinea prallen. Eine zweite Vermutung, dass magnetische Aktivität unter dem Südatlantik die Beben verursache.


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    Der Golf von Guinea im Atlantischen Ozean, mit dem Küstenlandstrich Westafrikas. Laut den Messungen verschiedener Forscher liegt der Ursprungspunkt der Mikrobeben in der Bucht von Bonny, etwas rechts oberhalb der Mitte des Bildes.


    Im August 2006 wurde in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters ein Artikel veröffentlicht, in der die Forscher den Ursprungsort für den Impuls (0,038 Hz) genauer eingegrenzten. Sowohl in der Bucht von Bonny, im Golf von Guinea als auch in der antipodischen pazifischen Region östlich von Papaua-Neuguinea wurden die Mikrobeben nachgewiesen.

    Neue Erkenntnisse durch chinesisches Forscherteam

    Ein chinesisches Forscherteam veröffentliche 2013 im Geophysical Journal International einen weiteren Fachartikel zu dem Phänomen. Sie entdeckten einen zweiten periodischen Impuls (0,036 Hz). Während sie als Ursprung für den bekannten Impuls aufgrund der örtlichen Nähe den Sao-Tome-Vulkan als Quelle vermuten, bleibt die mögliche Ursache der neu entdeckte Quelle im Dunkeln. Die Forscher vermuten auch dort vulkanische Aktivität.


    Wie dem auch sei - gesichert ist der Ursprung dieses faszinierenden Naturphänomens jedenfalls nicht. Somit bleibt die Forschungsfrage spannend; wobei – eine weitere originelle Theorie liefert Geek-Comic-Autor Randall Munroe in seinen xkcd-Comic "26-Second Pulse". Mikrobeben als Puls eines Giganten – die Erforschung bleibt spannend!



    https://www.heise.de/news/Zahl…uls-der-Erde-4952398.html

    10.11.2020


    Der EU-Ministerrat soll planen, WhatsApp, Signal und andere Messenger für Sicherheitsbehörden qua Hintertür überwachbar zu machen. Eine ganz schlechte Idee.


    Vorhängeschloss an rostigen Ketten


    Es ist so ermüdend wie vorhersehbar: Ein furchtbarer Anschlag passiert – und schon kann man den Countdown starten, wie lange es dauern wird, bis jemand mehr Überwachung fordert.


    Dieses Mal dauerte es keine Woche zwischen dem Terroranschlag von Wien und dem Durchsickern eines Resolutionsentwurfes des EU-Ministerrats, der Messengerdienste wie WhatsApp oder Signal im Ergebnis dazu verpflichten soll, Ende-zu-Ende verschlüsselte Kommunikation ihrer Nutzerinnen und Nutzer für Sicherheitsbehörden einsehbar zu machen. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bedeutet dabei, dass Daten auf dem gesamten Übertragungsweg verschlüsselt sind: Nur die Kommunikationspartner können die Nachricht einsehen. Um dies aufzuweichen, sollen Hintertüren in die Verschlüsselung eingebaut werden. Den entsprechenden Entwurf veröffentlichte der österreichische ORF am Montag.


    Informationen des Senders zufolge sollen die Anbieter von Messengerdiensten dazu verpflichtet werden, eine Art Generalschlüssel anzulegen und diesen für Ermittlungsbehörden zu hinterlegen. So soll eine zentrale Funktion dieser Messenger ausgehebelt werden: In private Unterhaltungen, die eigentlich qua Konstruktion dieser Dienste nur vom Sender und Empfänger gelesen werden könnten, könnten sich auch Polizei oder Geheimdienste einklinken und sie mitlesen.

    Nicht neu – aber dadurch auch nicht richtiger

    Für Strafverfolgungsbehörden würde damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gehen. Sie ärgern sich schon seit Jahren über die wachsende Beliebtheit von Ende-zu-Ende verschlüsselten Messengern. Schlicht, weil sie hier nicht einfach so mitlesen können.


    Die aktuelle Resolution im EU-Rat ist kein Schnellschuss, der eigens in Reaktion auf die Ereignisse in Wien entstand. Sie wird schon seit einiger Zeit verhandelt – wurde jedoch erst kürzlich noch einmal verschärft. Nun könnte sie binnen weniger Wochen verabschiedet und an Kommission und Parlament weitergereicht werden.

    Ein Problem daran: Immer wieder zeigt sich, dass nicht mangelnde digitale Überwachungs- oder Zugriffsmöglichkeiten der Grund dafür sind, dass es Sicherheitsbehörden nicht gelingt, Anschläge zu vereiteln. Darauf verweisen Experten zum Beispiel vom Fall Anis Amri. Auch beim Anschlag in Wien zeichnet sich ab, dass es eher Probleme bei Ermittlung und Einschätzung vorliegender Informationen gab als einen Mangel an digitalen Überwachungsbefugnissen.


    Dennoch nutzen Politikerinnen und Politiker auch diesen Anschlag wieder, um vorzugaukeln, man könne mit noch mehr Daten für Sicherheitsbehörden noch mehr Sicherheit herstellen. Und drohen damit nun die sichere Kommunikation über einen Kanal zu schwächen, dessen Verwendung zum Beispiel die EU-Kommission ihren Parlamentariern selbst empfahl.


    In dem Resolutionsentwurf finden sich natürlich die üblichen Einschränkungen: Der Text, der im übrigen den Titel Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung trägt, betont die Bedeutung von Verschlüsselung, es heißt dort, sie solle auch gefördert werden. Nur Polizei und "competent authorities", gemeint sind wohl auch Geheimdienste, sollen Zugang zu den Daten bekommen und das auch nur zur Bekämpfung von Terrorismus und organisiertem Verbrechen.


    Doch auch das wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet: Wer kontrolliert bei Messenger-Generalschlüsseln für Geheimdienste, ob diese tatsächlich nur für die angedachten Zwecke zum Einsatz kommen? Wie verhindert man, dass auch der Austausch von unbescholtenen Menschen, die sich einfach nur geschützt miteinander austauschen möchten, eingesehen wird? Kritikerinnen befürchten darum negative Auswirkungen für Wirtschaft, aber auch Zivilgesellschaft und Demokratie.


    Bedrohlich sind die Pläne des EU-Rats aber möglicherweise auch, weil Messengerdienste eben nicht nur innerhalb von Europa genutzt werden. Zwingt man in Europa WhatsApp, Threema und Co., Generalschlüssel zu schaffen, wird diese Forderung nicht an den Grenzen des Kontinents haltmachen. Auch in anderen, weniger demokratisch verfassten Staaten könnte der Wunsch aufkommen, die verschlüsselte Kommunikation der Userinnen und User mitzulesen. Für Oppositionelle kann das in manchen Ländern der Welt lebensbedrohlich werden. Die Entscheidung aber, welchen Staaten man den Zugang zu Hintertüren oder Generalschlüssel zu Ende-zu-Ende verschlüsselten Messengerdiensten gewährt, sollte nicht in den Händen der Firmen liegen, die diese Dienste anbieten.

    Insgesamt weniger sicher

    Aber selbst wenn man den europäischen Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden unterstellt, dass sie nur in begründeten Fällen auf derartige Hintertüren zugreifen (wohinter, angesichts aktueller Ereignisse, ebenfalls einige Fragezeichen gemacht werden könnten), ändert das nichts daran, dass eine solche Resolution und ihre Folgen verschlüsselte Kommunikation weniger sicher machen würden. Und zwar nicht nur für Straftäter, sondern für alle Nutzerinnen und Nutzer solcher Apps.

    Ein Einfallstor, das alles schwächt

    Denn es gibt keine Hintertüren, die nur für die Ziele von Strafverfolgungsbehörden genutzt werden können. Verschlüsselung ist ein mathematisches Verfahren. Werden Messengerdienste gezwungen, in ihre Technologie eine Möglichkeit zum Mitlesen einzubauen, dann eröffnet man diese Möglichkeit potenziell eben nicht nur Strafverfolgungsbehörden, sondern schwächt den Service so, dass auch andere dieses Einfallstor ausnutzen könnten.


    Technisch versierte Nutzer – und darunter sind eben auch viele Kriminelle und Terroristen – würden mit geringem Mehraufwand andere Wege finden, weiter verschlüsselt zu kommunizieren, wohingegen "für technisch weniger versierte Bürger und Unternehmen der Zugang zu sicherer Ende-zu -Ende-Verschlüsselung faktisch unmöglich würde", argumentiert der Chaos Computer Club. Heißt: Schwächere Verschlüsselung trifft vor allem die, die sich überhaupt nichts haben zuschulden kommen lassen – und sicher verschlüsselte Kommunikation via Signal und WhatsApp einfach nutzen wollen, ohne sich groß Gedanken über die Technik dahinter zu machen.


    Unter dem Stichwort der sogenannten Kryptokriege ist die größere Debatte, die dahinter steht, schon vor Jahren geführt worden. Schon damals vertrat die Mehrheit der Experten die Ansicht, dass der Einbau von Hintertüren unter keinen Umständen mit sicherer Kommunikation vereinbar ist.

    Auch eine Frage von Verhältnismäßigkeit

    Der ganze Sinn von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung liegt darin, unbeobachtet kommunizieren zu dürfen. Auch wenn das natürlich nicht der einzige Grund für die Popularität von Messengerdiensten ist, so gibt es doch einen Anteil an Nutzerinnen, die sie auch nutzen, um ihre Privatsphäre in der digitalen Kommunikation zu schützen – ein Recht, das auch von deutschen Gerichten eingeräumt wurde.

    Davon gibt es natürlich Ausnahmen, schon heute. Von der Quellen-Telekommunikationsüberwachung bis zur Onlinedurchsuchung stehen den Sicherheitsbehörden bereits – ebenfalls umstrittene – Eingriffsmöglichkeiten zur Verfügung, die viele Informationsbedürfnisse stillen dürften. Greift man nun noch weiter in derartig grundlegende Bürgerrechte ein, höhlt man die Verlässlichkeit einer Technologie aus, die man andererseits ja auch irgendwie fördern wollte.


    So schwer es auch ist, endgültig ausschließen zu können, ob nicht doch irgendeine Chat-Nachricht den entscheidenden Hinweis auf eine zu verhindernde Straftat hätte geben können: Wie die Dinge liegen, scheint es einmal mehr zweitrangig, ob der Kern der privaten Lebensgestaltung von Menschen verletzt wird. Ob eine Technologie mit unbestrittenen Vorzügen infrage gestellt wird – mit Folgen, die nur schwer kalkulierbar sind. Und wichtiger, dass es für Sicherheitsbehörden einfacher wird, an Informationen zu gelangen, die möglicherweise auch auf anderem Wege hätten bezogen werden können.



    https://www.zeit.de/digital/20…r-dienste/komplettansicht


    10. November 2020

    Im Jahr 41 verurteilte der römische Senat den Geschäftsmann Seneca zum Tod. Angestachelt hatte den Senat Messalina, die Frau von Kaiser Claudius. Angeblich weil Seneca eine Affäre mit der Schwester des jüngst verstorbenen (genauer: ermordeten) Kaisers Caligula hatte. Die ganze Sache war, wie damals fast alles in Rom, politisch motiviert. Zu Senecas Glück war Kaiser Claudius milder gestimmt als seine als Furie bekannte Frau, und das Todesurteil wurde in einen Bannspruch umgewandelt. Seneca bestieg ein Schiff, das ihn in Korsika ablud, wo er acht Jahre vor sich hin vegetierte.


    Sie denken jetzt bestimmt: «Verbannung nach Korsika. Wo kann ich mich dafür anmelden?» Doch vor zweitausend Jahren war Korsika kaum bewohnt, es war einer der rohesten Winkel des Römischen Reichs, eine steinige Insel mit schroffen Klippen und natürlich eine intellektuelle Wüste – ein hartes Los für Seneca.


    Verbannt im «Lockdown light», tun wir gut daran, uns mit den mentalen Werkzeugen vertraut zu machen, dank denen Seneca unter weit härteren Bedingungen bei geistiger Gesundheit blieb. Seneca war Stoiker, ein Anhänger jener praktischen Philosophie, deren Ziel die Erlangung von «ataraxia» ist, einem Zustand, den man am besten mit «Seelenruhe», «Gleichmut» oder «innerer Stabilität» übersetzt – oder, moderner, mit der Absenz von «toxischen Emotionen».

    Akzeptieren

    Wahrer Erfolg ist für den Stoiker innerer Erfolg – was um ihn herum passiert, nimmt er nach Möglichkeit achselzuckend hin. Heute feiert der Stoizismus ein vorsichtiges Revival in undefinierten Kreisen in Europa, an der Ostküste der USA und im Silicon Valley. Ich selbst bin ein praktizierender, wenn auch längst nicht immer erfolgreicher Stoiker. In Krisen wie dieser drängt sich die Frage auf: Was würden uns Seneca und seine Stoa-Kollegen für den Umgang mit Covid-19 raten?


    Erstens. Hören Sie auf zu lamentieren. Lamentieren ist ineffizient. Das Coronavirus, dieses winzige Paket aus RNA und Eiweissen, kümmert sich einen Dreck um unsere Meinungen und Gefühle. Wir können das Virus nicht wegwünschen.


    Nach stoischer Sicht teilt sich die Welt in zwei Sphären: Auf der einen Seite gibt es Dinge, die wir beeinflussen können. Auf der anderen Seite stehen jene, die sich unserem Zugriff entziehen. Es ist komplett unnütz, ja geradezu idiotisch, sich um Dinge zu sorgen, die ausserhalb unserer Kontrolle liegen – und das sind die allermeisten Dinge. Also: Tun wir, was wir können (Masken, Social Distancing, Home-Office), ignorieren wir den unkontrollierbaren Rest, und geben wir uns Mühe, innerhalb unseres kleinen Einflussbereichs trotz Covid-19 produktiv und professionell zu bleiben. Für Schreibtischarbeiter wie mich – und mit einiger Wahrscheinlichkeit auch Sie – heisst das zum Beispiel, einen anständigen Green Screen für Video-Anrufe zu installieren und das frische Hemd nicht über der Pyjamahose zu tragen. Spätestens wenn Sie kurz Kaffee holen gehen, zahlt sich die Professionalität aus.


    Zweitens. Akzeptieren Sie, dass Sie kein grösseres Wissen bezüglich Covid-19 haben als die Experten. Ihr Hirn – gerade wenn Sie von Natur aus zum Nachdenken neigen – ist ein wahrer Meinungsvulkan. Bringen Sie ihn zum Schlafen. Die Stoiker hätten nicht nonstop über Covid-19 geredet, sie hatten Nützlicheres zu tun.


    Der legendäre Investor Warren Buffett, der mit seiner stoischen Lehnstuhl-Coolness ganze Stadien unterhalten kann, hat auf seinem Schreibtisch drei Ablagefächer: «In», «Out» und «Too hard». Im «Too hard»-Fach landen alle Dinge, die ausserhalb seines Kompetenzkreises liegen. Will heissen: Dinge, über die er kein besonderes Wissen besitzt, in die er sich nicht innert nützlicher Frist hineindenken kann. Sind Sie Epidemiologe, Virologin, Volkswirtschafterin, Mediziner oder Bundesrätin? Wenn nicht, schlage ich vor, dass Sie Ihre Meinungen zu Corona in Ihren «Too hard»-Eimer werfen. Selbst jene Menschen, deren Hauptberuf es ist, Covid-19 und dessen wirtschaftliche Folgen zu verstehen, schwimmen in einem Meer von Ungewissheit. Meinungen sind wie Nasen: Jeder hat eine. Wir halten sie selbstverliebt in den Wind und tun so, als könnten wir die Zukunft erschnüffeln. Sparen Sie sich diese Wichtigtuerei. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Meinung du jour ins Schwarze der Wahrheit trifft, ist verschwindend klein.

    Distanzieren

    Drittens. Halten Sie Abstand zu Covid-19. Nicht nur im wörtlichen, auch im übertragenen Sinn. Aus der Distanz werden Sie feststellen: Die bestehende Situation ist weder neu noch permanent. Frühere Generationen haben weit schlimmere Pandemien überstanden. Seit dreitausend Jahren suchen uns Seuchen regelmässig heim: die Justinianische Pest (541), die japanische Pocken-Epidemie (735), der Schwarze Tod (1347–1351), die Cholera (1817), die Spanische Grippe (1918), Aids (seit 1981), Sars (2002). Es ist nicht einfach, sich aus dem Gravitationsfeld des Augenblicks zu reissen. Versuchen Sie es trotzdem. Über einige Generationen betrachtet, sind diese paar Monate Covid-19 ein Klacks.


    Viertens. Seien Sie grosszügig. Die Erfahrung zeigt: Meistens findet das Ende der Welt nicht statt. Wir sind gut aufgestellt. Wir durchleben die gegenwärtige Pandemie mit einem fetteren Finanzpolster und einem tieferen Wissen als jede andere Gesellschaft zuvor.


    Noch 1918, während der Spanischen Grippe, hatte niemand eine Ahnung, welcher Erreger die Pandemie auslöste. Kein Mikroskop der Welt konnte damals ein Virus sichtbar machen. Heute durchschauen wir unseren Gegner bis aufs letzte Molekül. Ob es uns gelingt, einen tauglichen Impfstoff herzustellen, steht in den Sternen, aber die Chancen sind grösser als je zuvor. Ausserdem können wir es uns heute leisten, Millionen von Arbeitslosen zu unterstützen, wenn nötig über Jahre.


    Diese Solidarität hätten übrigens auch die Stoiker unterschrieben. Erfolg, Misserfolg, Glück und Pech sind Dinge, die grösstenteils ausserhalb der persönlichen Kontrolle liegen. Niemand hat vor seiner Geburt Bewerbungsgespräche mit Anwärtern für die Stelle als «Mutter» und als «Vater» geführt und dann die beiden Stellen mit den Topkandidaten besetzt. Wir haben uns weder die Familie ausgesucht, in die wir hineingeboren wurden, noch unsere Intelligenz (ein Zufallsmix der Gene unserer Eltern) noch unsere Persönlichkeitseigenschaften (dito). Nicht einmal die Postleitzahl stand uns vorgeburtlich zur Auswahl. Intelligenz, beispielsweise, ist aber entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg. Wenn Sie nicht intelligent sind, haben Sie schon verloren. Genauso zufällig wie Ihr Gen-Mix ist es, ob der Wirtschaftszweig, in dem Sie tätig sind, zu den Corona-Gewinnern oder den Corona-Verlierern gehört.


    Also ist es nicht mehr als fair, die Pechvögel in diesem Spiel zu unterstützen. Klar: Ein fiskalischer Eingriff der derzeitigen Grösse wird uns vermutlich zukünftiges Wachstum kosten, langfristig vielleicht sogar Inflation bescheren (was nichts anderes ist als eine Steuer auf Cashflows), aber sie wird uns nicht umbringen. In einem bewaffneten Konflikt würden wir auch nicht vor sogenanntem Deficit-Spending zurückschrecken.

    Relativieren

    Fünftens. Weisen Sie Covid-19 den richtigen Platz in Ihrem Leben zu. Nicht nur als Gesellschaft, auch individuell haben die meisten von uns Schlimmeres erlebt (und werden Schlimmeres erleben) als ein Partyverbot, Fussball-Geisterspiele, Homeschooling oder beschlagene Brillengläser über der Maske. In meinem Büro läuft auf einem ausrangierten iPad eine sich endlos wiederholende Slideshow von Kriegs- und Katastrophenbildern der vergangenen hundert Jahre: Solschenizyn im Gulag, ein schlammiger Schützengraben in Ypern voller Gefallener, ausgemergelte Auschwitz-Häftlinge hinter Stacheldraht, das ikonische Foto panischer Kinder, das Nick Ut während des Vietnamkrieges geschossen hat. Ein flüchtiger Blick darauf genügt, um mich des Folgenden zu versichern: Diese Pandemie ist dagegen ein Spaziergang.


    Sechstens. Grundsätzlich betrachtet, leben wir schon seit Millionen von Jahren mit einer Pandemie: Man nennt sie den «Tod». Selbst wenn Sie – Gott bewahre – an Covid-19 sterben müssten, hätten Sie vermutlich länger und besser gelebt als alle Ihre Vorfahren der letzten tausend Generationen. Wir vergessen, dass wir den Tod stets in uns tragen. Er ist Teil unseres Lebens.


    Die Stoiker riefen sich dies täglich in Erinnerung. Darum steht neben dem iPad in meinem Büro eine Digitaluhr mit grossen, roten, leuchtenden Zahlen, die die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis zu meinem statistischen Todestag herunterzählt. Vielleicht werden’s wegen Covid-19 weniger als die angezeigten 8974 Tage sein. Dann ist das halt so. Ich habe mich vor einigen Jahren entschieden: Das Wettrennen «Wer lebt am längsten?» mache ich nicht mit, es hat etwas Lächerliches (und, wenn man sich in Altersheimen umschaut, oft etwas Tragisches). Wer mental auf den Worst Case vorbereitet ist, hat weniger Angst, mehr Seelenruhe und denkt klarer. Es gibt nur eine Ausnahme, gegen die selbst ein Stoiker machtlos ist: wenn der Tod nach den eigenen Kindern greift.


    Siebtens und letztens. Selbst im denkbar strengsten und längsten Lockdown sind wir noch immer frei. Auch ein Sklave ist frei im Wichtigsten – nämlich in seinen Gedanken. Niemand kann ihm diese Freiheit rauben. Das sagte der grosse Stoiker Epiktet, der wusste, wovon er sprach – er war selber Sklave. Weil Sie in Ihren Gedanken frei sind, können Sie Ihre Situation jederzeit neu interpretieren. Die Qualität Ihres Lebens hängt massgeblich von der Qualität Ihrer Gedanken ab.


    Während der acht Jahre Verbannung auf der unwirtlichen Insel gelang es Seneca, zwei Briefe nach Rom zu schicken. In einem berichtete er seiner Mutter Helvia von seinem Lockdown: «Lass dir sagen: Ich bin fröhlich und lebhaft, als sei alles zum Besten. Es ist ja auch alles zum Besten, da mein Kopf frei ist von dem Druck des Geschäfts . . .»


    Sicher: Seine Karriere konnte Seneca während der acht Jahre dauernden Quarantäne nicht vorantreiben. Seine Gedankenarbeit dafür umso mehr. Als der kluge Kopf, der er war, sah er das als Privileg.



    https://www.nzz.ch/feuilleton/…ocket-newtab-global-de-DE

    07.11.2020