Beiträge von Pyxio

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    Deep Purple 1970



    Die meisten Menschen dürften das Eingangsriff von Deep Purple's "Smoke on the Water" kennen. Kaum ein Rockstück hat eine so bewegte Vorgeschichte und so ungeahnte Folgen. Schon der Songtext erzählt davon – wenn auch im Stil eines eher mittelmäßigen Schulaufsatzes. "We all came out to Montreux … On the Lake Geneva shoreline. To make records with a mobile. We didn't have much time …" "Wir kamen nach Montreux am Ufer des Genfer Sees um Platten zu machen mit ’nem mobilen Studio wir hatten nicht viel Zeit."


    Deep Purple auf dem Weg nach oben

    Denn das "Mobile", das die Band von den schon damals sehr geschäftstüchtigen Rolling Stones gemietet hat, bietet zwar Aufnahmetechnik vom Feinsten, ist aber nicht gerade billig. Doch Deep Purple können sich das leisten. Ende 1971 sind sie nach einigen musikalischen Umwegen auf dem Weg nach ganz oben.

    Steuern sparen und perfekte Akustik nutzen

    Am 4. Dezember 1971 ist die Band also in Montreux, um eine neue Platte aufzunehmen. Klar: Um in der Schweiz Steuern zu sparen - aber auch, weil der Ballsaal des alten Casinos direkt am See berühmt ist für seine Akustik.


    Auch Zappa weiß Montreux zu schätzen

    Frank Zappa, 1978


    Frank Zappa bei einem Konzert 1978



    Genau deshalb spielt hier an diesem Tag erst mal noch eine andere Band. Frank Zappa und seine "Mothers of Invention" sind zu der Zeit quasi der Gegenentwurf zum Geradeaus-Rock von Deep Purple: Hochkomplexe Stücke zwischen Jazz, Avantgarde und Dada.

    Ein kleines "Puff" setzt die Decke in Brand

    Während des Konzerts passiert es. "Da hat jemand ein kleines Feuerwerk – also wirklich: 'Pieks', so eine kleine Bombe, so: 'Puff!' – und das ging auf die Decke und platzt alles in Feuer. Das Gebäude ging in paar Minuten total weg … ", erinnert sich später Casino-Hausherr Claude Nobs.

    Zappa und seine Roadies retten Menschenleben

    Dank der besonnenen Reaktion Zappas und seiner Roadies, die mit einer Lautsprecherbox das riesige Fenster zertrümmern, um den 2.000 Besuchern einen Fluchtweg zu schaffen, kommt niemand zu schaden. Außer dem kompletten Gebäude und Zappas Anlage im Wert von 250.000 Dollar.

    Aufnahmeort in "Smoke on the Water" aufgelöst

    Mit dem Casino hatte sich auch der Aufnahmeort für Deep Purples Platte in "Smoke on the Water" aufgelöst. Aber auch hier kann "Funky Claude" Nobs, einflussreicher Chef des Montreux Jazz Festivals, helfen: Er bringt die Band im "Pavillon" unter, einem kleinen Theater in der Stadtmitte.

    Mit vollem Körpereinsatz die Aufnahme gerettet

    Ian Gillan und Roger Glover bei einem Konzert 2010


    Ian Gillan (re.) und Roger Glover bei einem Konzert 2010



    Dort verarbeiten Deep Purple das gerade Erlebte in Text und Musik. Recht lauter Musik übrigens, wie sich Bassist Roger Glover später erinnert: "Mit unserem Lärm brachten wir die ganze Stadt um den Schlaf. Und so stand sehr schnell die Polizei vor der Türe. Aber unsere Roadies ließen sie nicht herein. Sie hatten mit vollem Körpereinsatz die Türe verbarrikadiert. Und so wurden wir dann doch so gegen zwei Uhr am Morgen fertig. Es war auch genau dieser Aufnahmetake, der dann schließlich aufs Album kam…"


    Ritchie Blackmore schuldet Beethoven viel Geld

    Schließlich werden der Song und die LP "Machine Head" Megaseller und sichern der Band ihren Platz in der Rockgeschichte, – obwohl das berühmte Gitarrenriff ja eigentlich geklaut ist, wie Ritchie Blackmore später verrät. Aber eben gut geklaut: "Beethovens Fünfte! Spiel es rückwärts, tu noch was dazu – so bin ich drauf gekommen. Ich schulde ihm ’n Haufen Geld…"






    Es gibt noch Audio, siehe Link unten:

    04.12.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…oke-on-the-water-100.html





    Andreas Hofer, Hinrichtung von Andreas Hofer in Mantua, 1810 | Execution of Andreas Hofer, 1810


    Der Widerstand gegen die Impfpflicht erreichte seinen Höhepunkt im Jahr 1809 bei der Schlacht am Bergisel.

    Der Freiheitsheld Andreas Hofer wurde nach der Niederlage der Tiroler von den Franzosen exekutiert.




    Als erster Staat der Welt führte Bayern 1807 eine Pockenschutzimpfung ein. Wer der königlichen Verordnung nicht folgte, wurde kräftig zur Kasse gebeten. Der Bericht eines Arztes zeigt: Die Argumente der Impfverweigerer haben sich kaum geändert.


    Es wäre interessant, diesen Mann mit seiner klaren Haltung einmal in den Talkshows von Lanz, Maischberger und Illner zu erleben. Die Rede ist von dem Arzt Martin Schmid, den die Impfverweigerer in seiner bayerischen Heimat sehr verdrießen und der dazu eine klare Meinung vertritt. Er nennt viele Gründe, warum sich die Menschen nicht impfen lassen. Etwa die traditionelle Abneigung in der Bevölkerung gegen alles, was neu ist. Dazu geselle sich die Besorgnis der Eltern, die geimpften Kinder könnten in der Folge eine andere Krankheit erleiden. Nicht zuletzt führt Schmid die schwache Impfquote auf die Bosheit übelgesinnter Menschen zurück, die die abgeschmacktesten Berichte über das Impfen und etwaige Unglücksfälle ausstreuten. Mit Verwunderung verweist er auch noch auf die irrigen Ansichten mancher Ärzte über die negativen Folgen einer Schutzimpfung.


    So spannend ein Treffen mit Schmid auch wäre: Leider kann man mit ihm kein Gespräch mehr führen. Denn er ist schon lange tot, seine modern klingenden Thesen hat er bereits vor mehr als 200 Jahren veröffentlicht, im Jahr 1816. Schmid verfasste damals einen Bericht über die Pockenschutz-Impfung im Bezirk Rosenheim. Er ist heute noch lesenswert und aufschlussreich, weil er belegt, dass sich die Skepsis vieler Menschen über neu eingeführte Impfstoffe kaum geändert hat.



    Pockenimpfung vor 200 Jahren: Im Hubertussaal in Schloss Nymphenburg hängt das Bildnis des Kurfürsten Max III. Joseph von Bayern, der 1777 an den Pocken starb.



    Im Hubertussaal in Schloss Nymphenburg hängt das Bildnis des Kurfürsten Max III. Joseph von Bayern, der 1777 an den Pocken starb.




    Im 18. und im frühen 19. Jahrhundert verbreiteten die Pocken, auch Blattern genannt, Angst und Schrecken. In Europa fielen jedes Jahr eine halbe Million Menschen dieser Seuche zum Opfer, und wer sie überlebte, war für den Rest seines Lebens vernarbt, erblindet, taub oder gelähmt. Auch die Herrscherhäuser wurden nicht verschont. Im Dezember 1777 starb beispielsweise der bayerische Kurfürst Max III. Joseph an den Pocken. Eine Impfung, mit der damals schon experimentiert wurde, hatte er abgelehnt.


    Den ersten wirksamen Impfstoff hatte 1796 der englische Arzt Edward Jenner entdeckt. Seine Erkenntnis, dass Kuhpocken auch gegen die richtigen Pocken immunisieren, ebnete den Weg zur modernen Präventivmedizin. Sie entzündete aber auch die bis heute andauernde Widerständigkeit in der Bevölkerung. Als das Königreich Bayern 1807 als erstes Land der Welt die Pockenschutzimpfung einführte, zog diese Entscheidung sofort Probleme nach sich. In manchen Teilen Bayerns wurde die Kuhpockenimpfung schon einige Jahre vorher auf freiwilliger Basis verabreicht. Aber nur wenige Menschen nützten diese Möglichkeit, trotz ständiger Aufforderung der Obrigkeit, sich impfen zu lassen. "Es fehlte nicht an Gegnern", schreibt der Arzt Schmid in seinem Bericht, denn das Volk glaubte, der Vorteil der Impfung werde vom Nachteil, der sich daraus ergebe, verschlungen. Überdies kursierten Horrorgeschichten, wonach Kinder nach der Impfung angeblich wie die Kühe brüllten.



    König Maximilian I. Joseph



    König Max I. Joseph (1756-1825) ordnete 1807 die Einführung der Pockenschutzimpfung an. Bayern war das erste Land, das diesen Schritt wagte.



    Der Staat reagierte auf die Bockigkeit der Impfgegner mit Härte. König Max I. Joseph ließ verlautbaren, er bedauere, dass so viele Menschen wegen Vorurteilen und Gleichgültigkeit "auf diese große Wohlthat verzichten", und dadurch sowohl sich als auch andere in Gefahr setzten. Am 26. August 1807 ordnete er an, dass sich alle Bewohner des Königreichs, die noch nicht von den Blattern heimgesucht wurden, einer kostenlosen Impfung unterziehen mussten. Verweigerern begegnete man mit empfindlichen Sanktionen: "Um der gegenwärtigen Verordnung den gehörigen Nachdruck zu geben, finden Wir nothwendig, die Saumseligen und Widersezlichen mit angemessener Geldstrafe zur Annahme des Guten zu bestimmen."


    Dieser Schritt scheint gewirkt zu haben. Dazu kam die tägliche Erfahrung. In den Jahren vor 1806 hatten die Blattern viele Kinder getötet. Die bereits mit Erfolg Geimpften blieben sichtbar verschont. "Dies blieb nicht unbemerkt", schreibt Schmid. Die Schutzpocken-Impfung "fing nun an, sich einige Liebe zu gewinnen", wie er es ausdrückt. Schmid resümierte: "Das Gemüth erhob sich, und man freute sich, ein leichtes Mittel gegen ein großes Übel gefunden zu haben. Indeß war der Impuls auf das Landvolk gegeben, viele scheuten keine Mühe, dasselbe zu belehren, und zu überzeugen, und die Impfung gieng zwar anfangs langsam, doch sichern Schrittes vorwärts."



    Pockenimpfung vor 200 Jahren: Titelblatt des Berichts, den der Arzt Martin Schmid (1775-1834) im Jahr 1816 über die Schutzpocken-Impfung im Distrikt Rosenheim verfasst hat.



    Titelblatt des Berichts, den der Arzt Martin Schmid (1775-1834) im Jahr 1816 über die Schutzpocken-Impfung im Distrikt Rosenheim verfasst hat.




    Vor allem die Beamten und die Pfarrer waren angehalten, die Menschen von der Impfung zu überzeugen. Laut Schmid bewiesen manche Priester "so viel Wärme und Tätigkeit für die gute Sache, dass nur ihnen der erwünschte Erfolg zu verdanken ist". Er verschweigt dennoch nicht, dass sich überall auch Schwierigkeiten ergaben. "Es erforderte Muth und Kraft von Seite derjenigen, die es unternahmen, diese Entdeckung geltend zu machen und einzuführen."


    Eine wichtige Rolle bei der Einführung der Impfpflicht spielten die Ärzte Franz Xaver und Simon von Häberl, die sich große Verdienste bei der Verbesserung der Missstände im bayerischen Gesundheitssystem erwarben. Ihnen ist es zu verdanken, dass zwischen 1808 und 1813 gegen große Widerstände vor dem Sendlinger Tor in München das Allgemeine Krankenhaus entstand, das zum Vorbild für den Krankenhausbau in Deutschland wurde.


    Aus den Vorgängen von damals lässt sich überdies ersehen, wie stark die politische Wetterlage solche Epidemien beeinflusst. Geistliche und Ordensangehörige aus Tirol verurteilten damals den Impfzwang als Versuch, Gottes Pläne zu durchkreuzen und der Bevölkerung bayerisches Denken einzuimpfen. Der Gedanke, mit der Impfung pfusche man Gott ins Handwerk, war auch in Bayern weit verbreitet. Schmid geißelt ihn in seiner Schrift als "religiösen Irrwahn, als würde der Vorsehung und Anordnung Gottes vorgegriffen". Die Probleme in Tirol rührten von daher, dass die Habsburger nach der Schlacht bei Austerlitz das Land 1805 an Bayern abtreten mussten. Die katholischen Bergbauern sammelten sich zum Aufstand unter dem Volkshelden Andreas Hofer. Die Schlachten der Tiroler gegen bayerische und französische Truppen 1809 am Bergisel bei Innsbruck werden von manchen Forschern als Höhepunkt im Streit um die Impfpflicht stilisiert.


    Als auch andernorts der Impfeifer wieder erlahmte, verschärfte die Regierung die Strafen und hatte damit Erfolg. Nach dem Jahr 1810 hatte das Königreich Bayern die Seuche gut im Griff. Andere Länder brauchten noch Jahrzehnte, bis sich die Impfung durchsetzte.





    26. November 2021 - https://www.sueddeutsche.de/ba…ocket-newtab-global-de-DE








    Der italienische Admiral Andrea Doria



    Der Udo Lindenberg-Titel "Alles klar auf der Andrea Doria" ist bekannt. Auch vom Schicksal des Luxusliners "Andrea Doria" dürften viele schon mal etwas gehört haben. Wer aber für Lied und Schiff mit seinem Namen Pate stand, wissen wohl nur wenige.


    Obwohl der am 30. November 1466 geborene Admiral und Staatsmann Andrea Doria entscheidende Kapitel der Renaissance-Geschichte mitgestaltet, gibt es in Italien keine Biografie über den nach Kolumbus bedeutendsten Sohn Genuas.


    Erst der deutsche Schriftsteller Henning Boëtius erzählt in seinem Roman "Die blaue Galeere" die Geschichte des italienischen Freibeuters, Seehelden und Staatsmanns.

    Bei seiner Recherche muss Boëtius feststellen, dass es über Andrea Doria "kaum irgendetwas Verwertbares" gibt. "Über die Zeit schon sehr viel."


    Europas Großmächte geeint gegen einen Feind

    Europa zu Beginn des 16. Jahrhunderts: Italiener, Spanier, Habsburger und Franzosen streiten mit ständig wechselnden Bündnissen und Fronten erbittert um die Vorherrschaft im Mittelmeer. Geeint sind sie nur in ihrer Feindschaft gegen die Türken, die auf dem Meer alles daran setzen, das mediterrane Zentrum des Welthandels zu erobern. Dass dies letztlich nicht gelingt, verdankt das christliche Abendland Andrea Doria, dem zu seiner Zeit anerkanntermaßen besten Flottenführer der Welt.

    Mit überlegener Waffentechnik zum Erfolg

    Zunächst in Diensten Frankreichs, ab 1528 dann aufseiten Kaiser Karls V., sind die unter seiner Anleitung gebauten Panzer-Galeonen allen anderen Schiffen an Wendigkeit weit überlegen. Seine Fahrt- und Gefechtsformationen stellen ausgeklügelte Meisterstücke dar, die seine Flotte mit allen Waffen bestmöglich zur Wirkung bringen.

    Mit "Donner und Doria" gegen die Seeräuber

    "Donner und Doria" sollen Freund wie Feind ausrufen, erleichtert oder erschrocken, wenn die Segel seiner Schiffe in Sichtweite kommen. Noch im hohen Alter von über 80 Jahren befehligt Doria seine Armada im Kampf gegen korsische Seeräuber.

    Genua zu neuer Macht gebracht

    Auch als Staatsmann ist Andrea Doria erfolgreich. Seine Heimatstadt Genua führt er ab 1528 wieder zurück zu alter Macht. Doria verbündet "La Superba" (die Stolze) als Republik unter Kaiser Karl V. mit Spanien und sichert ihr damit politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Ebenso nachhaltig wie die Politik beeinflusst Doria die genuesische Kunst und Kultur. Unter seiner Ägide erblüht das alte Zentrum Liguriens zu solchem Glanz, dass selbst Karl V. bei einem Besuch gesteht, solch Prunk habe er niemals zuvor gesehen.

    Der große Admiral stirbt friedlich im Bett

    Erst mit 89 Jahren zieht sich Andrea Doria von allen Ämtern zurück. Der große Admiral stirbt am 25. November 1560 friedlich in seinem Bett.





    Es gibt noch Audio, siehe Link unten:


    30.11.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…hen-andrea-doria-100.html

    Reichskanzler Theobald Theodor Friedrich Alfred von Bethmann Hollweg



    Als Reichskanzler unter Kaiser Wilhelm II. versucht sich Theobald von Bethmann Hollweg an inneren Reformen.

    In der Außenpolitik gibt er nach der Katastrophe des Weltkriegs seine Schuld und sein Versagen zu.


    Theobald von Bethmann Hollweg entstammt dem märkischen Adel.

    Aber er ist aufgeschlossen für die Moderne, spricht fließend Englisch und Französisch und hat mit preußischem Militarismus nichts im Sinn.

    Nach seinem Wehrdienst entwickelt er sich zu einem Spitzenbeamten.


    Innere Reformen als Reichskanzler

    Theobald Theodor Friedrich Alfred Von Bethmann Hollweg


    Theobald Theodor Friedrich Alfred Von Bethmann Hollweg



    1909 beruft ihn der Kaiser zum Kanzler. Wilhelm II. kennt Bethmann Hollweg aus seiner Jugendzeit. Der neue Kanzler will Reformen im Inneren: Elsass-Lothringen bekommt eine Verfassung mit gleichem Wahlrecht. Er setzt eine Reichsfinanzreform durch. Die deutsche Sozialversicherung wird zur modernsten Europas. Außenpolitisch warnt er, "nicht leichtfertig die Lunte an das Pulverfass zu legen". Bethmann Hollweg will eine Annäherung an Großbritannien, um Deutschland aus der Isolation zu führen. Doch die Anhänger der deutschen Flottenrüstung, allen voran Großadmiral Alfred von Tirpitz, torpedieren jeden Versuch einer Annäherung. Bethmann Hollweg knüpft enge Beziehungen zum britischen Außenminister Edward Grey. Die Kooperation bewährt sich in der Balkankrise 1912. Im Juli 1914 hätte es wieder so kommen können. Doch Bethmann Hollweg bekommt von einem deutschen Spion in London beängstigende Informationen. Angeblich verhandeln die Briten mit den Russen darüber, dass die Royal Navy im Kriegsfall russische Truppen in Pommern anlanden könnte.

    Sarajewo und die Folgen

    Bethmann Hollwegs Vertrauen in die britische Politik ist dahin. Nach dem Attentat von Sarajewo auf den österreichischen Thronfolger gibt er dem Verbündeten Österreich einen Blankoscheck für einen Schlag gegen Serbien. Der Weltkrieg nimmt seinen Lauf.



    Feldmarschall Paul von Hindenburg.


    Paul von Hindenburg



    Im Krieg verfällt der Reichskanzler auf eine abstruse Idee. Er sorgt dafür, dass Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff, beide Scharfmacher, eine neue Oberste Heeresleitung bilden. Bethmann gerät mit den beiden Generälen heftig aneinander in der entscheidenden Frage nach einem uneingeschränkten U-Boot-Krieg,. Mit dieser Wunderwaffe soll der Krieg schnell gewonnen werden. Bethmann Hollweg zeigt sich entsetzt über die U-Boot-Pläne Hindenburgs. 1916 kann er noch erfolgreich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg verhindern. Doch Hindenburg und Ludendorff intrigieren weiter gegen den Kanzler. Zudem wird die Presse immer rechtslastiger und hetzt gegen den Reichskanzler.

    Selbstkritik nach dem Scheitern

    Im Juli 1917 wird Bethmann Hollweg vom Kaiser entlassen. Nun liegt die faktische Macht beim Militär, bei Hindenburg und Ludendorff. Die Größe von Bethmann Hollweg zeigt sich darin, dass er seine Schuld und sein Versagen zugibt. Nach dem verlorenen Krieg hält er sich aus der Politik heraus und schreibt: "Ein abgetakelter und überflüssig gewordener Staatsmann hält am besten das Maul." Zwei Jahre nach Kriegsende stirbt Theobald von Bethmann Hollweg im Alter von 64 Jahren auf seinem Schloss Hohenfinow bei Eberswalde an einer Lungenentzündung.






    Es gibt noch Audio, siehe Link unten:


    29.11.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…bethmann-hollweg-102.html




    Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig. Photographie. 1925



    Bei Stefan Zweig geht es immer um Leidenschaft:


    "Denn wenn wir lesen, was tun wir anderes, als fremde Menschen von innen heraus mitzuerleben, mit ihren Augen zu schauen, mit ihrem Hirn zu denken?"




    "Sein literarischer Ruhm reichte bis in die letzten Winkel der Erde", schreibt Thomas Mann zum zehnten Todestag von Stefan Zweig. Auch schon zu Lebzeiten ist der Österreicher einer der bekanntesten Schriftsteller Europas und sogar der meistübersetzte Autor der Welt. Zweig kann visuell erzählen und ist ein Meister des Plots. Seine Novellen und die so effektvollen wie spannenden Biografien historischer Persönlichkeiten finden ein Massenpublikum. Und Zweig ist produktiv: Er schreibt auch Gedichte, Essays, Romane, Dramen und sogar ein Libretto.


    Zweifelt an sich

    Geboren wird Stefan Zweig am 28. November 1881 in Wien. Sein Vater ist jüdischer Fabrikant, seine Mutter ist in Italien aufgewachsen und stammt aus einer Bankiersfamilie. Stefan spricht schon bald fünf Sprachen fließend und fühlt sich in Frankreich oder Italien ebenso zu Hause wie in Österreich. Zweig promoviert in Philosophie und schreibt schon früh. Mit 21 Jahren arbeitet er als Journalist für die "Neue Freie Presse", Wiens bedeutendste Zeitung. Er übersetzt Gedichte und verfasst Texte über Dichter-Kollegen. Da er stets an sich zweifelt, verehrt er die Größe der anderen. Dazu gehören Arthur Schnitzler und Sigmund Freud.


    Von Obsessionen getrieben

    Zweig gilt als "Genie der Freundschaft": Er hat in ganz Europa unzählige Freunde, zu denen er engen Kontakt hält und sie gutherzig unterstützt. Darauf, dass Zweig Millionen verdient, sind einige Kollegen allerdings neidisch. Er wird als "Erwerbs- Zweig" verspottet. Zugleich lässt Zweig kaum jemand wirklich an sich heran. Er wird von Obsessionen getrieben: "Die Erotik, sie entsetzt mich, weil sie mich nimmt und nicht ich sie." Das Ergebnis sind ungezählte Affären. Literarisch beschäftigt sich Zweig am liebsten mit Zerrissenen und Gequälten wie Hölderlin, Dostojewski und Nietzsche.


    Flucht vor den Nazis

    Als in Deutschland die Nationalsozialisten die Macht übernehmen, werden auch Zweigs Bücher verbrannt. 1934 wird sein Haus nach Waffen durchsucht. Für ihn ein Zeichen, dass er auch in Österreich nicht mehr sicher ist. Er emigriert nach London und 1940 zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Lotte in die USA. Zwar geht es dem Erfolgsautor materiell besser als anderen Exilanten, doch er fühlt sich zunehmend verloren. Er leidet unter Depressionen. Erschöpft "durch die langen Jahre heimatlosen Wanderns" nimmt sich Stefan Zweig am 23. Februar 1942 zusammen mit Lotte in Brasilien das Leben. Zuvor hat er seine Biografie beendet die "Schachnovelle" geschrieben.





    Es gibt noch Audio, siehe Link unten:


    28.11.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…hen-stefan-zweig-104.html





    Porträt von Chlodwig I. (Lithographie von 1833)



    Im belgischen Tournai wird 1653 ein kostbar ausgestattetes Merowingergrab der Spätantike entdeckt. Inschriften belegen: Dort ruht der Frankenkönig Childerich, prunkvoll bestattet von seinem Sohn und Nachfolger Chlodwig. Im Schlussakt der Spätantike wird er die letzten Römer aus Gallien vertreiben und das Frankenreich begründen.




    Chlodwig ist etwa 16 Jahre, als er nach Childerichs Tod um 482 zum mächtigen fränkischen "Kleinkönig" (rex) Galliens aufsteigt. Seit dem dritten Jahrhundert siedeln die Franken überall am Rhein, in direkter Nähe zu den reichen Provinzstädten Roms. "Immer wieder fallen sie in das römische Gallien ein, unternehmen Plünderungszuge und werden zurückgeworfen", weiß der Bonner Historiker Matthias Becher, Autor einer Chlodwig-Biografie. Oder sie werden als "foederati" angeworben, als barbarische Verbündete. "Teilweise werden den Franken auch geräumte Gebiete zur Besiedlung überlassen." Nun kämpft Chlodwig mit und gegen andere "reges", Stammesfürsten und Warlords um die Vormacht in Gallien, denn das Römische Reich versinkt in der Agonie. Seine Provinzen nördlich der Alpen sind schon weitgehend sich selbst überlassen. Das gesamte Weströmische Reich ist kollabiert; der Kaiser der spätantiken Weltmacht herrscht nun von Ostrom aus, von Konstantinopel.


    Taufe nach der Schlacht von Zülpich

    Um das Jahr 486 besiegt Chlodwig in seiner ersten Schlacht den letzten noch kämpfenden römischen Heerführer Syagrius. Mit dessen Herrschaftsgebiet erweitert Chlodwig seinen Machtbereich erheblich. Es umfasst nun die heutigen südlichen Niederlande, Belgien und Nordwestfrankfreich. Die Menschen dort sind Christen, geprägt von römischer Kultur. Chlodwig dagegen glaubt an die arianische Lehre der Merowinger, die Roms Bischöfe als Häresie verurteilen. Gleich zweimal muss Chlodwig gegen die Alamannen ins Feld, zuerst 496 in der Schlacht von Zülpich, unweit von Köln. Nach dem Sieg konvertiert Chlodwig zum katholischen Glauben; zu Weihnachten lässt er sich von Bischof Remigius in Reims taufen. Zuvor aber hat er dem Bischof einige folgenschwere Verträge abgezwungen. Sie räumen dem König weitgehende Rechte in der französischen Kirche ein und begründen den gallikanischen Sonderweg Frankreichs.


    Vertreibung von Alarichs Alamannen

    Chlodwig, so berichtet sein Biograf Matthias Becker, gilt als der erste König, der in Reims gesalbt wurde: "Deswegen ist der traditionelle Krönungsort der französischen Könige dann Reims geworden, da man ganz gezielt an Chlodwig anknüpfen wollte." Ob seine Konversion politisches Kalkül oder Glaubenssache ist, keiner weiß es. Sicher ist, dass die katholische Religion Chlodwig eine Ordnung bietet in einem Land, aus dem die Ordnungsmacht verschwunden ist. Kein Jahr vergeht, in dem Chlodwig nicht mit allen Mitteln gegen seine Feinde vorgeht: Thüringen, Burgund und Rheinfranken – und am erbittertsten gegen die arianischen Westgoten. Mit seinem Sieg über Alarich II. in der Schlacht von Vouillé im Jahr 507 bringt Chlodwig den größten Teil Galliens unter seine Herrschaft. 509 erobert er das rheinfränkische Reich und vereinigte die bislang getrennten größten Einzelgruppen der Franken.


    Gesetzes-Codex "Lex salica" fixiert

    Im Zenit seiner Macht herrscht Chlodwig nun allein über ein Großreich - das erste in Europa seit dem Kollaps des Weströmischen Imperiums. "Am Ende knüpft er auch ein politisches Band zu Ostrom. Und so wird man vielleicht auch sagen können, dass er durchaus diplomatische Mittel einsetzen konnte", urteilt der Mittelalterspezialist Becher. 507 sichert Chlodwig seine Macht ab, indem er die bisher nur mündlich tradierten fränkischen Gesetze in der "Lex salica" aufschreiben lässt, um Rechtssicherheit zu schaffen. Südlich seiner neuen Hauptstadt Paris lässt Chlodwig die Basilika der Heiligen Apostel errichten, die spätere Grablege der Merowinger. Am 27. November 511, nach 30 blutigen Jahren an der Spitze seines Volks, stirbt der Begründer des Frankenreichs, aus dem dereinst Deutschland und Frankreich entstehen.





    Es gibt noch Audio, siehe Link unten:


    27.11.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…ig-der-erste-tot-100.html




    Nasa startet Ausschreibung für ein Kernkraftwerk auf dem Mond

    Der erste Mensch auf dem Mond | evangelisch.de

    Als erster Mensch überhaupt setzte Neil Armstrong einen Fuß auf die Mondoberfläche – dieses Foto zeigt seinen Schatten

    Wenn Menschen auf dem Mond leben sollen, müssen sie sich mit Strom versorgen. Die US-Raumfahrtbehörde sucht deshalb nach Ideen – für einen Kernspaltungsreaktor. Bis Februar 2022 können Vorschläge eingereicht werden.

    2025 soll es so weit sein: Nach mehr als 50 Jahren sollen wieder Menschen den Mond betreten – und sie sollen eine Mondbasis aufbauen. Damit sich die Astronautinnen und Astronauten dort mit Strom versorgen können, arbeitet die amerikanische Raumfahrtbehörde derzeit an einem Energiekonzept. Sie hat nun einen Aufruf gestartet: Wer eine Idee für ein System der Energiegewinnung durch Kernspaltung auf dem Mond hat, möge sich mit der Raumfahrtagentur in Verbindung setzen.

    Das heißt: Die Nasa will ein Atomkraftwerk bauen.

    Eine von der Sonne unabhängige Energiequelle Ausgeschrieben hat die Nasa das Projekt gemeinsam mit dem Idaho National Laboratory, einer Forschungseinrichtung des Department of Energy, des amerikanischen Energieministeriums. Die Behörden wollen nach eigenen Angaben bis zum Ende des Jahrzehnts eine sonnenunabhängige Energiequelle finden, um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer künftiger Mondmissionen mit Strom zu versorgen. »Die Bereitstellung eines zuverlässigen Hochleistungssystems auf dem Mond ist ein entscheidender nächster Schritt in der Erforschung des Weltraums durch den Menschen und ist in greifbarer Nähe«, sagte Sebastian Corbisiero, der Leiter des »Fission Surface Power Project« am Idaho National Laboratory.

    »Reichlich Energie wird der Schlüssel für die künftige Erforschung des Weltraums sein«, sagte Jim Reuter aus dem »Space Technology Mission Directorate« der Nasa. Dieses Direktorium finanziert das Kernkraft-Projekt. »Ich erwarte, dass die Kernspaltung unseren Plänen für die Energieversorgung von Mond und Mars sehr zugutekommen wird und sogar Innovationen für Anwendungen hier auf der Erde vorantreibt.« Eigentlich sollte die Mondmission bereits 2024 starten, Anfang des Monats hatte die Nasa aber mitgeteilt, dass die Mondlandung »nicht vor 2025« erfolgen werde.

    Nicht zu groß, nicht zu schwer, nicht zu kompliziert

    Die Ausschreibung richtet sich an amerikanische Unternehmen und läuft bis Mitte Februar 2022. Bis dahin muss ein erstes Systemdesign eingereicht werden. Für etwaige Konzepte gibt es zahlreiche Bedingungen: Innerhalb von zehn Jahren soll das System für eine Demonstration auf dem Mond einsatzbereit sein können. Es soll möglich sein, das System vom Deck einer Mondlandefähre oder eines Rovers auf der Mondoberfläche aus autonom zu betreiben – ohne dass Menschen den Reaktor ein- und ausschalten müssen.

    Auch die Voraussetzungen für die Energiegewinnung werden umrissen: Gesucht würden Pläne für einen Reaktorkern, der mit Uran betrieben werde. Enthalten sein müsse auch ein System zur Umwandlung der Kernenergie in nutzbare Energie, ein Wärmemanagementsystem zur Kühlung des Reaktors und ein Verteilungssystem, das mindestens 40 Kilowatt kontinuierliche elektrische Leistung liefert – genug für 30 Haushalte über zehn Jahre, heißt es von der Nasa. Die Frage, wie ein Kernreaktor auf dem Mond zusammengebaut werden soll, wird in der Ausschreibung ebenfalls beantwortet: soll er nicht. Das System müsse auf der Erde gebaut und dann auf den Mond geschickt werden. Deshalb dürfe es im Durchmesser nicht mehr als vier Meter groß sein und höchstens sechs Meter lang – bei einem Gewicht von maximal 6.000 Kilogramm.

    Die Forschung an kleinen Reaktoren läuft auch auf der Erde

    Das US-Energieministerium arbeitet auch mit privaten Unternehmen an verschiedenen Plänen, insbesondere an einer neuen Generation kleinerer Kraftwerke, die von modularen Reaktoren bis hin zu mobilen Reaktoren reichen, die schnell vor Ort aufgestellt und bei Nichtgebrauch wieder entfernt werden können. Bei der Gewinnung von Kernenergie unterscheidet man zwischen Kernspaltung, die auch »Fission« genannt wird, und Kernfusion. Bei der Fission werden schwere Atomkerne, wie Uran, in leichtere Atomkerne zerlegt. Dabei wird Energie freigesetzt. So arbeiten herkömmliche Atomkraftwerke. Bei der Kernfusion werden leichte Atomkerne miteinander verschmolzen. Für die Stromerzeugung spielt dieses Verfahren bislang keine Rolle.



    20.11.2021 - https://www.spiegel.de/wissens…ocket-newtab-global-de-DE

    Gewitter


    Was passiert, wenn die Temperaturen bestimmte Schwellenwerte überschreiten? Es könnte dann zu unvorstellbaren Regengüssen kommen.



    Das Jahr 2021 wurde auch durch regelmäßige Sintfluten geprägt: Stundenlanger Dauerregen sorgte für schwere Überflutungen unter anderem in der Eifel, in Süditalien, China oder im Oman. Verglichen mit manchen Stürmen der Vergangenheit könnten diese Niederschläge aber wohl nur als Landregen gelten. Jacob Seeley und Robin Wordsworth von der Harvard University haben das Klima vergangener Erdzeitalter simuliert und konzentrierten sich dabei vor allem auf »Heißzeiten«, in denen die durchschnittliche Temperatur der Erde deutlich höher lag als heute, wie sie in »Nature« schreiben.


    Vor rund 2,5 Milliarden und 700 Millionen Jahren etwa gab es auf der Erde einen sehr starken Treibhauseffekt, weil die Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre deutlich höher waren als heute. Die Ozeane heizten sich dadurch auf mehr als 50 Grad Celsius auf, was dramatische Folgen für das Wetter hatte. Durch die Erwärmung von Luft und Wasser entwickelte sich eine Art Trennschicht in der Atmosphäre: Darunter reicherte sich extrem feuchte Luft an, die über mehrere Tage nicht weiter aufsteigen und damit Wolken bilden kann. Oberhalb der Trennschicht wiederum bilden sich zwar einzelne Wolken in dieser Zeit, aber ihre Tropfen verdunsten, sobald sie zu fallen beginnen.


    Nach geraumer Zeit jedoch löst sich die Barriere durch Abkühlung von oben auf, die feuchtheiße Luft darunter schießt nach oben und bildet gewaltige Gewitter. Deren Energie entlädt sich innerhalb weniger Stunden in Stürmen, die mehr Regen bringen können als Hurrikane, die mehrere Tage andauern. Diese Zyklen könnten sich den Simulationen über eine geologisch lange Zeit hinweg kontinuierlich eingestellt haben. »Das stellt einen neuen und völlig unerwarteten Zustand der Atmosphäre dar«, sagt Wordsworth.


    Sollten derartige Megastürme wirklich über mehrere Millionen Jahre hinweg aufgetreten sein, könnten sie die Erklärung für starke Erosionsphasen in der Erdgeschichte sein. Und auch zukünftig könnten der Erde solche Perioden wieder drohen, allerdings nicht durch den momentanen Klimawandel. In der nächsten Milliarde Jahre wird sich die Sonnenstrahlung um etwa zehn Prozent erhöhen und dadurch unseren Planeten entsprechend stark einheizen, so dass neue Sintfluten zu erwarten sind.





    05.11.2021 - https://www.spektrum.de/news/h…ocket-newtab-global-de-DE



    Illustration wie Henry Stanley den vermissten Missionar David Livingstone findet


    Als der Forscher und Missionar David Livingstone im afrikanischen Busch vermisst wird, wittert der Verleger des "New York Herald" eine große Story. Immerhin hat Livingstone durch seine Reisereportagen eine gewisse Berühmtheit erlangt. Die Zeitung schickt Sensations-Reporter Henry Morton Stanley los.



    David Livingstone wird 1813 in Schottland geboren und wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon als Kind muss er in einer Baumwollfabrik schuften, lernt aber abends fleißig Latein, Medizin, Theologie. Er schließt das Studium als Arzt und Theologe ab – eine ideale Kombination für die Mission. 1840 schickt ihn seine Kirche nach Afrika. Doch seine Missions-Arbeit stößt auf wenige Interesse bei den Einheimischen, daher konzentriert sich Livingstone mehr und mehr auf die Erkundung der Umgebung. Auf seinen Expeditionen dringt er tief ins Landesinnere ein und besucht Orte, die vor ihm noch kein Europäer zu Gesicht bekommen hat. Dazu zählt der große Wasserfall des Sambesi, den er zu Ehren seiner Königin Viktoria-Fälle nennt.

    Verschollen auf der Suche nach der Nil-Quelle

    Livingstones abenteuerliche Reiseberichte machen ihn in England zum Star. 1866 bricht er im Namen der Königlich Geographischen Gesellschaft zu einer weiteren Expedition auf. Er will die Quellen des Nils finden. Dann wird es ruhig um ihn, es kommen keine Nachrichten mehr an. Rund vier Jahre nach seinem Aufbruch gilt Livingstone als verschollen, womöglich ist er tot. Der Verleger des "New York Herald", eine Zeitung mit vielen internationalen Nachrichten und Skandalgeschichten, wittert in dem vermissten und berühmten Missionar eine auflagenstarke Sensation.

    Suchtrupp mit 200 Menschen und Badewanne

    Das Blatt schickt Henry Morton Stanley los, um Livingstone zu suchen. Der Kriegsberichterstatter gilt als zielstrebig und zäh. Während Livingstones Expeditionen immer mit überschaubarem Personal auskommen, engagiert Stanley fast 200 Mann für seinen Suchtrupp. Sogar eine Badewanne nimmt er mit. In Reportermanier fragt er sich durch, treibt seine Karawane durch Unwetter, begegnet wilden Tieren, feindseligen Eingeborene. Wer nicht weiter will, bekommt die Hundepeitsche zu spüren. "Er hat sich im Gegensatz zu Livingstone, der bei den Eingeborenen sehr beliebt war, viele Feinde gemacht", sagt der GEO-Redakteur Cay Rademacher.

    "Dr. Livingstone, wie ich vermute?"

    Nach rund einem Jahr, am 10. November 1871, findet Henry Morton Stanley schließlich den vermissten David Livingstone am Tanganjika-See. "Dr. Livingstone, wie ich vermute?", schildert Stanley später mediengerecht seinen kühnen ersten Satz der Begegnung. Wie erhofft, generiert das Auffinden von Livingstone viel Aufmerksamkeit. Sein Buch "Wie ich Livingstone fand" macht Stanley schlagartig zum "Afrikaexperten". In den folgenden Jahren erobert er für verschiedene Kolonialmächte den "schwarzen Kontinent" mit brutalen Methoden.


    David Livingstones Stil ist das nicht. Er stirbt im Mai 1873 an den Folgen von Malaria. Der Missionar und Forscher findet in Westminster Abbey seine letzte Ruhestätte. Dort möchte Henry Morton Stanley nach seinem Tod 1904 ebenfalls beigesetzt werden – neben David Livingstone. Doch sein letzter Wunsch wird ihm wegen seiner Gräueltaten verweigert.





    10.11.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…avid-livingstone-100.html





    Frau mit Laptop mit Zeitbombe auf dem Bildschirm und Überwachungskamera in dunklem Himmel PUBLICATIO

    Für die schlechte Idee der Chatkontrolle ist kein Symbolbild zu stereotyp und hart.



    Die EU-Kommission hat eine ganz schlechte Idee: Die Inhalte unserer Handys und Computer sollen durchsucht werden, bevor wir per Mail oder Messenger kommunizieren. Noch können wir diesen Angriff auf unsere Privatsphäre stoppen – und wir sollten es auch tun. Ein Kommentar.


    Die Idee der EU-Kommission, Inhalte auf unseren Endgeräten schon vor dem Abschicken über Mail, WhatsApp oder Signal auf Illegales zu durchsuchen, könnten die Privatheit digitaler Kommunikation für immer beschädigen. Und nicht nur das: Eine solche „Chatkontrolle“ würde den Grundstein für eine allumfassende Überwachung legen – direkt auf unseren Endgeräten, ohne Transparenz und ohne unsere Kontrolle. Sie wäre ein Angriff auf unsere Grund- und Freiheitsrechte.


    Wie immer beim Ausbau staatlicher Überwachung wird mit dem argumentiert, was wir alle ablehnen: In diesem Falle geht es um die Verbreitung von Kindesmissbrauchdarstellungen. Geht es nach den Überlegungen in der EU-Kommission, sollen Inhalte wie Bilder oder Videos schon vor dem Abschicken mit Datenbanken von Missbrauchsdarstellungen abgeglichen werden. Schlägt das System an, wird der Inhalt blockiert und die Polizei eingeschaltet.

    Wo ein Trog, da kommen die Schweine

    Was nun für manche vernünftig klingen mag, um die Verbreitung von solchen kriminellen Darstellungen zu erschweren, birgt riesige Gefahren, die in keinem Verhältnis zu dem eigentlich positiven Anliegen stehen. Denn alle Erfahrung lehrt: Was einmal gegen Darstellungen von Kindesmissbrauch etabliert wurde, kann später auch gegen Urheberrechtsverletzungen, gegen politisch missliebige Bewegungen und jeden anderen Inhalt eingesetzt werden. Dazu muss nur die Datenbank ausgetauscht werden, gegen die die Inhalte abgeglichen werden – und schon werden unsere Computer und Handys auf den jeweils unerwünschten Inhalt durchsucht und deren Verbreitung verhindert.


    Das weckt Begehrlichkeiten, nicht nur in autoritären Staaten wie Russland, China oder Belarus, sondern auch bei denen, die immer und überall einen Ausbau von Überwachung und den Befugnissen des Staates fordern. Also auch bei uns.

    Angriff über Bande auf die verschlüsselte Kommunikation

    Die Pläne sind ein Angriff über Bande auf die so wichtige, verschlüsselte Kommunikation. Vereinfacht gesagt: Was nutzt uns der sichere digitale Briefumschlag noch beim Versand, wenn die Plattformen und der Staat vorher anschauen dürfen, was wir in ihn hineintun?


    Doch die Idee der EU-Kommission bekommt Gegenwind. Das Who-is-Who führender IT-Sicherheitsforscher:innen und Erfinder von Verschlüsselungstechnologien hat sich gegen die Pläne gestellt. Der Whistleblower Edward Snowden erteilt solchen Plänen eine Absage. Digital-Rights-Organisationen kämpfen zusammen mit Journalistengewerkschaften, Menschenrechtler:innen und Abgeordneten gegen die Einführung solcher Technologien.


    Noch ist Zeit, ein solches Vorhaben zu verhindern und die Privatheit unserer Kommunikation zu retten. Dafür braucht es zuerst Aufklärung breiter Teile der Gesellschaft – und dann politischen Druck auf verschiedenen Ebenen.





    04.11.2021 - https://netzpolitik.org/2021/c…ocket-newtab-global-de-DE



    Maus, Ente und Elefant mit einer großen 50 auf der Wand des Archivhauses.



    Die Maus des WDR feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Ihre Fernsehpremiere war am 7. März 1971.

    Jetzt gab es zum Abschluss dieser Jubiläumssause eine Illuminationsshow in Köln.


    Es sollte eine große und vor allem sehr helle Überraschung für die Maus und ihre Fans sein. Das tierische Aushängeschild des WDR wurde am Samstag in kurzen Animationen und Maus-Spots bei einsetzender Dunkelheit für alle sichtbar auf das Archivhaus des Senders in Köln projiziert - auf einer Fläche von mehr als 2.000 Quadratmetern. Für die Aktion wurde die Nord-Süd-Fahrt gesperrt.



    Die Maus auf einer XXL-Leinwand


    Die Maus wurde in diesem Jahr bereits im Fernsehen, online und im Radio groß gefeiert. Jetzt gab es in der Kölner Innenstadt zur Krönung ihres runden Geburtstags einen ebenso runden Abschluss.


    Das Archivhaus verwandelte sich in eine XXL-Leinwand. Durch einen optischen Effekt begannen sich die 231 Fenster des Gebäudes zu bewegen und wurden so Teil der Maus-Welt. WDR-Moderator Ralph Caspers berichtete auf dem Maus-Facebook-Kanal @DieMaus live von der Licht-Installation. Unter maus50.de kann man sich Impressionen vom großen Maus-Kino ansehen.





    Es gibt noch eine Bilderstrecke, siehe Link unten:


    25.10.2021 - https://www1.wdr.de/nachrichte…zig-illumination-100.html

    Harrison Ford mit dem Finder auf Sizilien

    Harrison Ford mit dem Finder auf Sizilien




    Auf Sizilien hat es Harrison Ford mit der Polizei zu tun bekommen. Die Beamten konnten dem Schauspieler seine Kreditkarte zurückgeben und die Gunst der Stunde für ein Foto nutzen.


    Da stehen sie alle zusammen und lachen. Die italienische Polizei hat ein Foto von Harrison Ford veröffentlicht, auf dem er seine schwarze Kreditkarte in den Händen hält. Drei Polizisten aus dem sizilianischen Badeort Mondello stehen neben dem 79-jährigen Hollywoodstar, der eine blau-weiß gestreifte kurze Hose und ein schwarzes T-Shirt trägt. Die Männer freuen sich, weil es sie noch gibt, die ehrlichen Bürger.


    Ford hatte zuvor auf der italienischen Insel Sizilien seine Kreditkarte verloren. Der Schauspieler dreht dort gerade den neuen »Indiana-Jones«-Film. Zu Fords Glück fand ein Tourist aus Baden-Württemberg die Geldkarte und gab sie bei der Polizei ab. Dem SPIEGEL sagte der Tourist, Ford sei sehr nett gewesen. Die Begegnung mit dem Schauspieler sei für ihn ein Highlight im Urlaub gewesen.


    Die Beamten konnten den Schauspieler rasch ausfindig machen und ihm die Kreditkarte zurückgeben. Und anschließend eben das Foto machen.

    Ford sei überrascht und erleichtert gewesen, hieß es.





    23.10.2021 - https://www.spiegel.de/panoram…35-4b54-9857-798579456a3c






    Wilhelm von Aquitanien, erster Troubadour



    Geistreich, kühn, begabt und witzig soll er gewesen sein: Wilhelm IX. von Aquitanien gilt als erster Troubadour - als Dichter und Sänger von höfischen Liebesliedern. Über zwei Jahrhunderte dichten und singen die Troubadoure in Südfrankreich. Aus ihren Liedern entwickelt sich Literatur: höfische Romane, deutscher Minnesang, italienische Novellen. Der Stammvater der Troubadoure ist Wilhelm IX. von Aquitanien, der gleich zwei Adelstitel trägt: Er ist nicht nur der neunte Herzog von Aquitanien und der Gascogne, sondern auch der siebte Graf von Poitiers. Wilhelm dichtet in Okzitanisch, einer Sprache, die bis heute in Südfrankreich und Nordspanien gesprochen wird. Rund ein Dutzend seiner Lieder ist erhalten geblieben. Doch über den Mann, der am 22. Oktober 1071 in Poitiers geboren wird, gibt es nur wenige gesicherte Quellen.

    Als Herrscher erfolglos

    Nach dem Tod seines Vaters Wilhelm VIII. von Aquitanien übernimmt der 15-Jährige im Jahr 1086 die Herrschaft über ein Gebiet, das damals erheblich größer ist als der Einflussbereich des französischen Königs. Seine erste Ehe bleibt kinderlos und wird annulliert. 1094 heiratet er Philippa, die Tochter des Grafen von Toulouse. Es folgen Konflikte mit ihrer Familie. Wilhelm IX. besetzt daraufhin Toulouse, gibt die Stadt aber bald an einen Neffen ab. Sein Leben lang versucht er erfolglos, seinen Herrschaftsraum zu vergrößern. 1101 beteiligt er sich an einem Kreuzzug nach Jerusalem und kehrt im Jahr darauf zurück.

    "Der Doppelgesichtige"

    Wann er anfängt, Verse zu schreiben, ist unklar. In seinen Texten geht es mal zotig-derb zu, mal dichtet er zarte Verse, dann wieder denkt er sich komische Geschichten oder bildhafte Vergleiche aus. Es gibt Lieder, in denen er anschaulich von körperlicher Liebe mit Frauen singt. Im Gegensatz dazu steht die Liebe zu höfischen Damen, die von ihm idealisiert werden. Seine eigenen Frauen hingegen behandelt der erste Troubadour nicht vorbildlich: Um eine Geliebte heiraten zu können, verstößt er seine zweite Ehefrau. "Der Doppelgesichtige" wird er auch genannt.

    Begründer einer Dynastie

    Wilhelm IX., der dem französischen König die Gefolgschaft verweigert, exkommuniziert wird und 1126 oder 1127 in Blaye bei Bordeaux stirbt, begründet eine Dynastie. Seine Enkelin Eleonore wird Königin von Frankreich und England, sie ist die Mutter von Richard Löwenherz. An ihren Höfen blüht die Kunst und Kultur, das bringt ihr die Bezeichnung "Königin der Troubadoure" ein. Seine Urenkelin Marie de Champgne dichtet sogar selbst. Eleonore fördert den Troubadour Chretien de Troyes, der die ersten Romane der Literaturgeschichte schreibt, über Artus und die Ritter der Tafelrunde.





    Es gibt noch Audio, siehe Link unten:


    22.10.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…anien-troubadour-100.html

    Schauspieler Manfred Krug



    Manfred Krug ist ein gesamtdeutscher Star, der sowohl in der DDR wie auch der Bundesrepublik zu den beliebtesten Schauspielern zählt. Am 21. Oktober 2016 stirbt er mit 79 Jahren. Manfred Krug wird 1937 in Duisburg geboren, zieht kurz darauf mit seiner Familie nach Hennigsdorf bei Berlin. Kurz vor Kriegsende schicken ihn die Eltern aus Angst vor dem Einmarsch der Russen wieder zu seiner Großmutter ins Ruhrgebiet.

    Schmerzhafte Berufserfahrung als Stahlschmelzer

    Nach der Scheidung der Eltern bleibt Manfred Krug bei seinem Vater Rudolf. Der bekommt als Stahlschmelzer ein gutes Angebot von einer Gießerei in Leipzig. Krug tritt in die Fußstapfen seines Vaters. Aus dieser Zeit stammt auch die markante Narbe auf Manfreds Stirn.

    Erste Rolle vor dem heimischen Spiegel

    Eines Abends schaut Manfred Krug sich im Kino einen sowjetischen Film an. Er gefällt ihm, doch einen der Hauptdarsteller findet er so schlecht, dass er die Szene zu Hause vor dem Spiegel nachspielt. Von sich selbst begeistert, schickt er eine Bewerbung an die Schauspielschule. Krug geht kurzerhand zum Berliner Ensemble, spricht bei Bertold Brecht vor und wird aufgenommen.

    Karrierestart bei Brecht und Defa

    Krug absolviert seine staatliche Bühnenreifeprüfung und spielt winzige Rollen unter Brechts Regie. Eine Festanstellung bei der Defa, dem einzigen Filmunternehmen der DDR, bringt seine Karriere in Fahrt. Neben der Schauspielerei findet Manfred Krug im Jazz sein Refugium. Er schreibt Songs, nimmt Platten auf, gibt Konzerte. Er darf sogar Lieder seiner amerikanischen Vorbilder singen.

    Biermanns Ausbürgerung verändert Krugs Leben

    Das Kölner Konzert von Wolf Biermann im November 1976 verändert Manfred Krugs Leben grundlegend: Biermann darf nach seiner Kritik an der DDR nicht mehr zurück. Die Ausbürgerung löst heftige Reaktionen in der Künstler- und Dissidenten-Szene der DDR aus. Auch Manfred Krug unterschreibt die Petition an das Politbüro, die verlangt, Biermanns Ausbürgerung rückgängig zu machen.

    Als Staatenloser in den Westen

    Dieses Engagement hat Folgen. Manfred Krug bekommt keine Rollenangebote mehr. Im April 1977 stellt er einen Ausreiseantrag, der genehmigt wird. Als Staatenloser verlässt Krug mit seiner Familie und der Haushälterin Ost-Berlin.

    Vom Fernfahrer bis zum Tatort-Kommissar

    Manfred Krug

    Manfred Krug als Lkw-Fahrer Franz Meersdonk


    In seiner ersten Rolle im Westen ist er als Fernfahrer Franz Meersdonk "Auf Achse". Auch als "Liebling Kreuzberg" und mit Auftritten in der Sesamstraße spielt er sich in die Herzen der Zuschauer.



    Mit der Rolle des Hamburger Tatort-Kommissars Paul Stoever geht für Krug ein Traum in Erfüllung. An seiner Seite ist Charles Brauer, der zum engen Freund wird.

    Gesamtdeutscher Star mit geradem Kreuz

    Manfred Krug zählt sowohl in der DDR wie auch in der Bundesrepublik zu den beliebtesten Schauspielern. Am 21. Oktober 2016 stirbt er mit 79 Jahren an einer Lungenentzündung.


    Charles Brauer und Manfred Krug


    Charles Brauer und Manfred Krug im Tatort



    Sein Freund und Kollege Charles Brauer: "Er war einfach ein sauguter Schauspieler. Und er war, ich glaube das war ja etwas, das in der DDR für ihn so eine große Rolle gespielt hat, war seine Authentizität. Dass die Leute wirklich das Gefühl hatten, der ist so, wie er wirkt. Und er hielt ja auch das Kreuz gerade."





    Es gibt noch Audio, siehe Link unten:


    21.10.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…hen-manfred-krug-100.html

    Warum der Mond später starb, als wir dachten

    Vulkanische Proben des chinesischen Mondlanders legen nahe, dass der Erdtrabant womöglich eine andere Geschichte hat, als die Forschung bislang annahm.



    Mondoberfläche anders bearbeitet. | Astronomie.de - Der Treffpunkt für  Astronomie



    Der Mond war möglicherweise vulkanisch aktiver, als die Wissenschaft bislang dachte. Mondproben, die die chinesische Raumsonde Chang'e 5 nun zur Erde zurückbrachte, geben neue Hinweise auf Lavaebenen auf der Mondoberfläche sowie vulkanische Aktivitäten. In einer in Science publizierten Studie beschreiben die Forscher die jüngsten jemals auf dem Mond gesammelten Lavaproben.

    Einst riesige Lavaseen

    Das Material stammt aus dem Oceanus Procellarum, einer Region, die für ihre riesigen Lavaseen bekannt ist, die heute zu Basaltgestein erstarrt sind. Die am genauesten analysierte Probe deutet darauf hin, dass der Mond eine Ära vulkanischer Aktivität erlebte, die länger andauerte als bislang gedacht. Die chinesischen Wissenschaftler verglichen Fragmente aus derselben Probe, um festzustellen, wann das geschmolzene Magma kristallisierte. Die Ergebnisse überraschten sie. Kleine, felsige Raumkörper wie der Mond sollten normalerweise schneller abkühlen als größere. Die Beobachtungen zeigen jedoch, dass dies bei unserem nächsten himmlischen Nachbarn nicht unbedingt der Fall gewesen sein muss.


    "Die Erwartung war, dass der Mond so klein ist, dass er wahrscheinlich sehr schnell nach seiner Entstehung abstarb", meint Alexander Nemchin, Professor für Geologie an der Curtin University in Perth, Australien, und einer der Mitautoren der chinesischen Studie. "Diese Probe jungen Datums widerspricht diesem Grundrezept. Und in gewisser Weise müssen wir unsere Sichtweise des Mondes überdenken – vielleicht sogar ziemlich stark."

    Neue Datierungsmethoden

    Mithilfe von Isotopen-Datierungen und einer Technik, die auf der sogenannten Lunar Crater Chronology basiert, bei der das Alter eines Objekts im Weltraum zum Teil durch Zählen der Krater auf seiner Oberfläche geschätzt wird, stellte das Team fest, dass im Oceanus Procellarum noch vor 2 Milliarden Jahren Lava floss. Chang'e 5 war Chinas erste Mission zur Rückführung von Mondproben und die erste Sonde, die seit dem Jahr 1976 echtes Mondmaterial zurückbrachte. Nach dem Start Ende November und der Rückkehr Anfang Dezember 2020 ist sie Teil von mindestens acht Phasen in Chinas Mondprogramm zur Erkundung des gesamten Mondes.


    Laut Nemchin gibt es keine Belege dafür, dass radioaktive Elemente, die Wärme erzeugen (wie Kalium, Thorium und Uran), in hohen Konzentrationen unter dem Mondmantel vorhanden sind. Das bedeutet, dass solche Elemente wahrscheinlich nicht die Ursache für die Lavaausbrüche waren, wie die Wissenschaft bisher angenommen hatte. Nun muss nach anderen Erklärungen für die Entstehung der Lava gesucht werden. Die vulkanische Geschichte des Mondes könnte uns zudem mehr über die Geschichte der Erde lehren: Nach einer Theorie könnte der Mond einfach ein Stück Erde sein, das bei der Kollision unseres Planeten mit einem anderen "losgerissen" wurde.

    Ein Dominoeffekt für die Forschung

    "Jedes Mal, wenn wir neue oder verbesserte Informationen über das Alter des Materials auf dem Mond erhalten, hat das einen Dominoeffekt – nicht nur für das Verständnis des Universums, sondern auch für den Vulkanismus und sogar für die allgemeine Geologie auf anderen Planeten", sagt Paul Byrne, außerordentlicher Professor für Erd- und Planetenwissenschaften an der Washington University in St. Louis, der die Studie kennt.


    Die vulkanische Aktivität hat nicht nur das Aussehen des Mondes geprägt – die alten Lavaschichten sind heute noch mit bloßem Auge als riesige dunkle Flecken auf der Mondoberfläche erkennbar –, sondern könnte sogar dazu beitragen, die Frage zu beantworten, ob wir allein im Universum sind, so Byrne.

    "Die Suche nach außerirdischem Leben erfordert auch ein Verständnis der Bewohnbarkeit der Planeten", sagt Byrne. Vulkanische Aktivität spielt eine Rolle bei der Entstehung von Atmosphären und Ozeanen, den Schlüsselkomponenten für Leben. Doch was genau diese neuen lunaren Erkenntnisse uns über potenzielles Leben auf anderen Himmelskörpern sagen, muss sich noch zeigen.




    12.10.2021 - https://www.heise.de/hintergru…ocket-newtab-global-de-DE


    Portrait Karl Pfizer



    Im Jahre 1848 reist der 24-jährige Konditorsohn Karl Pfizer aus Ludwigsburg in New York ein. Im Gegensatz zu anderen Einwanderern hat Pfizer viel Geld dabei, da er sich einen Teil seines Erbes hat auszahlen lassen und einen Kredit aufgenommen hat.


    Karl Pfizer ist gelernter Apotheker und Chemiker. Zudem hat er eine kaufmännische Ausbildung genossen. Vor der Einwanderung hat er sich die englische Sprache beigebracht und amerikanische Geschichte gepaukt. Mit Pfizer wandert sein 28-jähriger Cousin Karl Erhart ein, ein gelernter Konditormeister. Dessen Fertigkeiten im Umgang mit Zuckerprodukten sollen eine entscheidende Rolle für den Erfolg der jungen Männer spielen.


    Die Anfänge im "Fabrikle"

    1849 finden Karl Pfizer und Karl Erhart in Brooklyn eine geeignete Halle, die sie "es Fabrikle""die kleine Fabrik" - taufen. "Charles Pfizer & Company" will den amerikanischen Markt mit hochwertigen Arzneimitteln und Chemikalien versorgen, die es hier damals tatsächlich noch nicht gibt.

    Süße Hülle für die bittere Pille

    Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Parasitenbefall die amerikanische Volkskrankheit. Es gibt keine Kühlschränke, wer Fleisch oder Kartoffeln verzehrt, holt sich früher oder später Würmer. Gegen die hilft die eklig schmeckende Arznei Santonin. Erhart hüllt das bittere Santonin wie eine Praline in eine Zuckerkruste. Ganz nebenbei erfindet er damit das Prinzip der Dragee-Tablette. Die Firma Pfizer erweitert schnell ihre Produktpalette. Die Firmengründer werden zudem amerikanische Staatsbürger und ihre Namen lauten nun Charles Pfizer und Charles Erhart.

    Familiäre Bande festigen das Unternehmen

    Neben dem Unternehmen wächst auch die Familie. Erhart heiratet Pfizers Schwester Fanny. Pfizer heiratet Anna Hausch, in die er sich bei einem Besuch in der alten Heimat Ludwigsburg verliebt hat. Die Nachkommen bleiben dem Unternehmen lange verbunden und übernehmen später dessen Leitung.

    Aufschwung durch den amerikanischen Bürgerkrieg

    1861 bricht der amerikanische Bürgerkrieg aus. Krankheiten und Seuchen wie Malaria, Typhus, Gelbfieber bringen bis zum Kriegsende 1865 mehr Menschen um als die Gewehrkugeln auf den Schlachtfeldern. Charles Pfizer und sein Partner produzieren alles, was an Medikamenten gebraucht wird und verdienen viel Geld damit.

    Ausgezeichnete Produktqualität

    Die beiden Schwaben erarbeiten sich den Ruf, gleichbleibend gute Qualität zu liefern. Der Historiker Jeffrey Rodengen schreibt: "Die Internationale Jahrhundertausstellung in Philadelphia im Jahre 1876 brachte der Firma Pfizer Aufmerksamkeit im ganzen Land. Zehn Millionen Besucher kamen, um die neuesten Errungenschaften des Fortschritts zu sehen. Pfizer wurde dabei vor allem für die unvergleichbare Qualität der Produkte ausgezeichnet."

    Tod nach einem Treppensturz

    Nach dem Tod Charles Erharts 1891 leitet Charles Pfizer langsam seinen Rückzug aus der Firma im Jahre 1900 ein. 1906 erleidet er bei einem Treppensturz innere Verletzungen, denen er am 19. Oktober 1906 erliegt.





    Es gibt noch Audio, siehe Link unten:


    19.10.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…chen-karl-pfizer-100.html

    Schwarz-weiß Porträt von Alfred Binet.

    Am 18. Oktober 1911 stirbt ein bedeutender Wegbereiter der klassischen experimentellen Psychologie: Alfred Binet. Er entwickelt den weltweit ersten Intelligenztest und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Intelligenzforschung bei Kindern und Jugendlichen.



    Über drei Jahrtausende hat die Menschheit nach geeigneten Methoden gesucht, um Intelligenz zu testen. Gesichtszüge wurden analysiert, Köpfe vermessen, Gehirne gewogen. Lauter Tests mit zweifelhaften Ergebnissen. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt der Franzose Alfred Binet einen Fragenkatalog, der das Denkvermögen von Kindern bestimmt. Seitdem gilt die Erfindung des ersten Intelligenztests als sein Hauptverdienst. Doch das alleine wird Binet nicht gerecht, denn er besticht durch eine unglaubliche Vielseitigkeit in seiner Forschung.

    Kind aus gutem Haus

    Geboren wird Binet 1857 in Nizza. Wie viele Kinder aus gutem Haus studiert er in Paris zunächst Rechtswissenschaften, dann Medizin und Biologie. Die Entwicklung des Intelligenztests ist ein langer Prozess. Zunächst befasst er sich mit Psychopathologie, der Lehre von den Leiden der Seele. Er arbeitet in der Salpêtrière, eine der bekanntesten psychiatrischen Anstalten Europas und forscht zu Hypnose und Hysterie.

    1889 gründet Binet an der Sorbonne ein psychologisches Laboratorium, an dem er sich mit der Intelligenzmessung von Kindern beschäftigt: Erste Probandinnen sind seine zwei Töchter. Dabei fällt ihm auf, dass die Mädchen je nach Alter unterschiedlich auf die Aufgaben reagieren. Seine Schlussfolgerung: Persönlichkeit und Lebensalter müssen bei einer Bewertung berücksichtigt werden. 1904 kommt der entscheidende Auftrag: Das französische Bildungsministerium bittet Binet, ein Verfahren zu entwickeln, um Schulkinder mit besonderem Förderbedarf zu identifizieren. Gemeinsam mit seinem Kollegen Theodore Simon macht er sich an die Arbeit.

    Intelligenz in 30 Aufgaben

    Heraus kommt der weltweit erste, standardisierte Intelligenztest für Kinder und Jugendliche. Er besteht aus 30 Aufgaben mit wachsendem Schwierigkeitsgrad - etwa: unterscheide rechts und links (ab 6 Jahren) oder zähle von 20 rückwärts (ab 8 Jahren). Aus den richtig gelösten Aufgaben errechnet sich eine Punktzahl, die das geistige Alter des Kindes anzeigen soll. Damit ist auch der Grundgedanke des Intelligenzquotienten (IQ) gelegt.


    Der Binet-Simon-Test hat immensen Einfluss, nicht nur in Frankreich. In seiner Folge entsteht eine ganze Testmaschinerie - Intelligenztests für Einwanderer, Hunde und Manager sind nur einige Beispiele. Binet, der am 18. Oktober 1911 mit nur 54 Jahren in Paris stirbt, würde diese Entwicklung wohl kritisch sehen, denn er warnte stets davor, zu viel und Falsches in die Ergebnisse zu interpretieren.


    Dennoch werden bis heute Intelligenztests genutzt, um die richtigen Bewerber für die richtigen Stellen zu rekrutieren. Die Verfahren entscheiden über den sportlichen, politischen und wirtschaftlichen Erfolg - vor allem im westlichen Ausland, wo derartige Tests bis zu 20 Mal häufiger eingesetzt werden als in Deutschland.




    Es gibt noch Audio, siehe Link unten:


    18.10.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…hen-alfred-binet-100.html





    Schauspielerin Ursula Schult und Schauspieler Carl Raddatz im Theaterstück


    Heute gehört "Die Möwe" von Anton Tschechow zu den meistgespielten Stücken an deutschen Theatern. Das ist nicht selbstverständlich. Denn der Höhenflug beginnt mit einem Flop.



    Im Oktober 1895 schreibt der Schriftsteller und Arzt Anton Tschechow ein neues Stück: "Eine Komödie, vier Akte, eine Landschaft (Blick auf den See); viele Gespräche über die Literatur, wenig Handlung, ein Pud Liebe." Ein besonderes Gewicht hat dabei die Liebe: Die russische Maßeinheit Pud entspricht gut 16 Kilogramm. Es ist eine subtile Studie über unglückliche Menschen, die in einem Landhaus zusammentreffen.


    Die Figuren sehnen sich nach dem, was sie nicht haben. Die Theaterdiva Irina Arkadina gäbe alles dafür, wieder jung zu sein. Die Nachbarstochter Nina hingegen wünscht sich, Schauspielerin zu werden. Irinas Bruder Sorin wäre gern ein erfolgreicher Schriftsteller. Irinas Geliebter wiederum - der Schriftsteller Trigorin - fühlt sich vom Erfolg erdrückt und geht lieber angeln.

    "Bosheit" und "Hass"

    "Man ist ein gefangenes Tier!", lässt Tschechow den Schriftsteller Trigorin ausrufen. Die Freiheit einer Möwe hingegen erscheint der Figur als Glück. Die Uraufführung des symbolhaften Stückes am 17. Oktober 1896 gerät allerdings zum Desaster. Für die Probe sind gerade einmal drei Tage angesetzt worden. Das Ensemble agiert, wie Tschechow findet, "widerwärtig und dumm". Das Publikum reagiert mit Unmut. "Meine 'Möwe' hatte in Petersburg, bei der ersten Vorstellung, einen Riesenmisserfolg. Das Theater atmete Bosheit, die Luft war explosiv vor Hass."

    Potenzial doch noch erkannt

    Der Tumult ist so groß, dass Tschechows Schwester fürchtet, ihr Bruder könnte sich umbringen. Doch er erholt sich rasch: "Zu Hause habe ich Rizinusöl genommen, mich in kaltem Wasser gewaschen - und jetzt könnte ich sogar ein neues Stück schreiben." Schon bald nach der Uraufführung erkennt der Theater-Reformer Konstantin Stanislawski das Potenzial der "Möwe". Mit ihr eröffnet er 1898 sein neugegründetes Moskauer Künstlertheater. Weil Tschechow inzwischen an Tuberkulose erkrankt ist, kann er bei der Premiere nicht dabei sein. Er hält sich im warmen Jalta auf.

    Einen Spiegel vorhalten

    Diesmal bricht nach der Aufführung Jubel aus. "Der Saal hallte wieder von aufgeregten Stimmen, die forderten, sofort ein Telegramm zu Tschechow in Jalta zu schicken. Die 'Möwe' war rehabilitiert", erinnert sich Schauspielerin Olga Knipper. Tschechow wird als Dramatiker weltberühmt. Trotzdem findet er Stanislawskis Inszenierung zu rührselig: "Ich wollte etwas ganz anderes. Ich wollte einfach und ehrlich sagen: 'Schaut euch an, seht doch, wie schlecht und langweilig ihr euer Leben führt!'" Er selbst ist nicht apathisch: Als Landarzt behandelt er kostenlos Bauern, baut Schulen, ein Krankenhaus und eine Feuerwehrstation.




    Es gibt noch Audio, siehe Link unten:


    17.10.2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…-anton-tschechow-100.html

    Ein Kinosaal mit Gästen



    Heute hat der neue James Bond-Film Weltpremiere - ab Donnerstag ist er auch in den deutschen Kinos zu sehen.

    Nachdem die Kinos wegen Corona lange geschlossen waren, kommen die Zuschauer jetzt wieder zurück.




    Corona hat die Kino-Branche hart getroffen. Von Januar bis Juni 2021 verkauften die Kinos in Deutschland gerade einmal 800.000 Tickets. Vor Corona waren es im gleichen Zeitraum 2019 noch rund 54 Millionen. Das geht aus der Kinobilanz der Filmförderungsanstalt (FFA) hervor. Eine gute Nachricht gibt es trotzdem. "Das vielbefürchtete Kinosterben hat bisher nicht stattgefunden", meint Vorstand Peter Dinges. Nur 18 Kinos mussten seit dem letzten Jahr ihre Türen für immer schließen. In NRW wurde sogar ein neues eröffnet.

    Zuschauer kehren ins Kino zurück

    Seit Anfang Juli sind die Kinos nun wieder geöffnet und die Besucherinnen und Besucher kommen zurück. Am ersten Startwochenende strömten bereits 830.000 Gäste in die Kinosäle. Das teilten die Betreiber-Interessensgemeinschaft HDF Kino und der Verband der Filmverleiher (VdF) mit. So eine positive Bilanz ziehen auch die Kinos selbst. "Wir sind mit den Besucherzahlen auch durchaus zufrieden. Man merkt, wie sehr die Gäste das Filmerlebnis auf der großen Leinwand vermisst haben", so Sandra Backhaus, verantwortlich für die Pressearbeit der Kinokette Cinestar. Die gehört mit 49 Standorten zu den Marktführern in Deutschland.

    Kino-Herbst: Zwischen Euphorie und Angst vor neuen Beschränkungen

    Mit der Wiedereröffnung der Kinos fangen die großen Filmstudios auch wieder an, ihre Blockbuster in die Kinos zu bringen. "Das Filmangebot ist großartig. Wir starten in einen richtig tollen Kino-Herbst, u.a. mit dem jetzt am 30.9. startenden neuen James Bond", teilt Backhaus mit. Der Film sollte eigentlich schon im November 2019 in die Kinos kommen, wurde dann aber immer wieder wegen Corona nach hinten verschoben. Der neue James Bond "Keine Zeit zu sterben", Denis Villeneuves Neuauflage von "Dune" und andere Blockbuster sind Hoffungsträger für die Kinos. Denn nach wie vor müssen die Kinos mit Einschränkungen durch Corona zurechtkommen. Das spiegelt sich auch im Verhalten der Gäste wider.





    29.09.2021 - https://www1.wdr.de/nachrichte…ond-corona-kinos-100.html

    SEM 80/90



    Das SEM 80/90 mit 16 KBit/s wird exakt nachgebaut, zum Stückpreis von rund 20.000 Euro. Das Retrogerät geht für die Bundeswehr in Serie.


    Die Bundeswehr will für rund 600 Millionen Euro Tausende Funkgeräte aus dem Jahr 1982 nachbauen lassen. Wie der Spiegel erfahren hat, unterzeichnete das Koblenzer Beschaffungsamt der Bundeswehr im Juli 2021 mit dem staatlich kontrollierten französischen Rüstungskonzern Thales Deutschland dazu einen Rahmenvertrag.


    Thales hatte Teile der Stuttgarter Firma Standard Elektrik Lorenz übernommen, die in den Achtzigerjahren mit dem SEM 80/90 die Standardfunkgeräte der Landstreitkräfte entwickelt und produziert hatte. Sie sind bis heute in den meisten Bundeswehrfahrzeugen eingebaut. Weil sich die Beschaffung neuer, digitaler Geräte immer wieder verzögerte, wollen die Militärs nun die alten erst einmal nachbauen lassen, bei denen die Datenübertragungsrate 16 KBit/s beträgt. Das SEM 80/90 arbeitet im Frequenzbereich 30,000 bis 79,975 MHz.

    Thales baut Retrofunk

    In den nächsten zwei Jahren soll Thales laut Vertrag den Prototypen eines neuen Funkgeräts entwickeln, das die gleichen Maße und Anschlüsse hat wie das SEM 80/90, damit es problemlos in alle Fahrzeuge eingebaut werden kann. Gleichzeitig soll die Leistung nicht höher sein als die der alten Modelle, um keine langwierige Ausschreibung machen zu müssen. Bis zu 30.000 dieser Retro-Geräte auf dem technischen Stand der Achtzigerjahre zum Stückpreis von etwa 20.000 Euro könnten dann bis zum Jahr 2035 eingesetzt werden.


    Das Magazin Europäische Sicherheit und Technik (ES&T) berichtet, dass das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) die Vertragsvereinbarung getroffen hat. Die Redaktion beruft sich auf eine Meldung auf der europäischen Vergabeplattform TED. Die Behörde erklärte laut dem Bericht: "Nur der Originalhersteller der bisherigen Geräte kann die einzelnen Funkgeräte so in das Gesamtfunkgerätesystem der SEM 80/SEM 90 Funkgerätefamilie einsetzen und damit in die Fahrzeuge/Plattformen der Bundeswehr integrieren."





    24. September 2021 - https://www.golem.de/news/600-…ocket-newtab-global-de-DE


    »Höllenbrunnen« im Jemen: Befindet sich hier ein Gefängnis für Naturgeister?


    Der Legende zufolge spukt es im Brunnen von Barhut im Westen des Bürgerkriegslandes Jemen. Fachleute haben sich nun zum ersten Mal 112 Meter tief auf den Grund der Höhle abgeseilt.



    Expedition in den »Höllenbrunnen«: Fachleute aus Oman haben erstmals den Boden einer sagenumwobenen Höhle im Jemen erkundet. Der Legende zufolge sollen dort Dschinns eingesperrt sein. Dabei handelt es sich dem Glauben nach um Naturgeister, die aus rauchlosem Feuer erschaffen werden und für Menschen nur in Ausnahmefällen sichtbar sind. Das Team stieß in rund 112 Metern Tiefe allerdings lediglich auf Schlangen, tote Vögel und graue und lindgrüne Höhlenperlen, die durch herabtropfendes Wasser entstanden sind – Anzeichen für übernatürliche Phänomene fand es nicht. »Dort gab es Schlangen, aber sie belästigen einen nicht, solange man sie nicht stört«, sagte der Geologieprofessor Mohammed al-Kindi.



    Rätselhaftes Loch in der Erde: Geologen zufolge ist es Millionen Jahre alt


    Rätselhaftes Loch in der Erde: Geologen zufolge ist es Millionen Jahre alt


    Al-Kindi war einer von acht Höhlenforschern, die sich vergangene Woche auf den Grund der Höhle abseilten. Das Team sammelte Wasser-, Gesteins- und Bodenproben sowie mehrere tote Tiere. Eine Auswertung der Funde solle in Kürze veröffentlicht werden, kündigte al-Kindi an. Er lehrt an der German University of Technology in Muskat, einer privaten Hochschule, die mit der RWTH Aachen kooperiert.

    Bekannt als Unglücksort

    Der Brunnen von Barhut liegt in der Wüste der Al-Mahra-Provinz im Westen des Jemen. Um das Erdloch mit einem Durchmesser von rund 30 Metern ranken sich seit Jahrhunderten Mythen. Viele Bewohner der Region glauben, dass der Ort Unglück bringt. Geologen zufolge ist das Loch Millionen Jahre alt. Bislang waren Fachleute nur in eine Tiefe von etwa 60 Metern vorgedrungen. Sie berichteten anschließend von »seltsamen Dingen« und »eigenartigen Gerüchen«. Die aktuelle Expedition liefert zumindest für die Gerüche eine Erklärung. »Es gab tote Vögel, die tatsächlich einen schlechten Geruch verursachen, aber es gab keinen überwältigenden Gestank«, sagte al-Kindi.


    Im Jemen herrscht seit sieben Jahren Bürgerkrieg. Zehntausende Menschen wurden getötet, Millionen Einwohner mussten flüchten. Die Vereinten Nationen stufen die Lage in dem Land aktuell als schwerste Krise der Welt ein.





    22.09.2021 - https://www.spiegel.de/wissens…c1-4064-844d-22bd53815a31



    NASA-Rentner retten das Hubble-Weltraumteleskop

    USA Maryland | NASA Goddard Flight Center | Hubble Teleskop


    Sicherheitshalber holte sich Nzinga Tull, die Leiterin des Hubble-Notfall-Teams, Hilfe von ehemaligen Mitarbeitern




    Als beim mehr als 30 Jahre alten Hubble-Teleskop plötzlich ein Computer ausfiel, musste die NASA ehemalige Mitarbeiter um Hilfe bitten.



    Solche Geschichten denkt sich sonst nur Hollywood aus: Seit 31 Jahren kreist das Hubble-Teleskop in etwa 550 Kilometern Höhe um die Erde und liefert uns faszinierende Fotos von weit entfernten Sternen und Galaxien. Ursprünglich sollte die Mission nur 15 Jahre lang dauern, aber unser Fernrohr in ferne Galaxien fliegt weiter und hat bislang etwa 1,5 Millionen Aufnahmen zur Erde geschickt.



    Foto vom gigantischen Nebel NGC 2014 und seiner Nachbargalaxie NGC 2020


    Hubble fotografierte auch den gigantischen Nebel NGC 2014 und seine Nachbargalaxie NGC 2020



    Bis zum 13. Juni 2021, als plötzlich ausgerechnet der Hubble-Nutzlastcomputer ausfiel, der die wissenschaftlichen Instrumente an Bord des Observatoriums steuert und koordiniert. Als der Hauptcomputer kein Signal mehr vom Nutzlastcomputer empfing, versetzte er alle wissenschaftlichen Instrumente von Hubble automatisch in einen Ruhemodus. Alle Versuche der Bodencrew, den ausgefallenen Rechner über den Hauptcomputer wieder zu starten, schlugen fehl.

    Einen Backup-Rechner gibt es, aber wie funktioniert er?

    Kein Grund zur Panik, schließlich wurden im Hubble für den Fall der Fälle alle wichtigen Bauteile doppelt verbaut - auch für den ausgefallenen Computer gibt es ein Backup-Rechner - nur der war seit dem Start 1990 noch nie benutzt worden. Und bei solch einem Rechner kann man auch nicht einfach mal so den On-Schalter betätigen.



    Wie kann das sein, dass man bei der hochtechnisierten NASA nicht mehr weiß, wie die Geräte früher funktionierten? Naja, stellen Sie sich mal vor, Sie finden im Keller eine Kiste mit Kindheitserinnerungen, darin eine Musik-Kassette mit Ihren alten Lieblingssongs und eine Floppy-Disk mit Fotos. Während vielleicht Ihr Enkel fragt, was das für seltsame Plastikdinger sind, fragen Sie sich, wer wohl noch einen Kassetten-Player und ein Floppy-Laufwerk haben könnte.

    Banale Beispiele, aber alte Technik und altes Wissen gehen in der schnelllebigen Zeit leicht verloren und jeder Fehler bei der NASA-Rettungsaktion hätte das unwiederbringliche Ende der Hubble-Mission bedeuten können.

    Hubble-Rentner unterstützten das neue Team

    Sicherheitshalber trommelte Nzinga Tull, die Leiterin des Hubble-Notfall-Teams, einige frühere Mitarbeiter zusammen. Um ein in den 1980er Jahren gebautes Teleskop zu reparieren, brauchte es eben das Wissen von Mitarbeitern aus der gesamten Hubble-Geschichte, schreibt die NASA erfreulich offen in einer Mitteilung nach geglückter Mission.



    Nasa Mitarbeiter im NASA Goddard Flight Center


    Schritt für Schritt wurde das Hochfahren des Rechners in einem Simulator durchgerechnet.



    Mehr als 50 Personen waren an der zweiwöchigen Rettungsaktion beteiligt. Gemeinsam arbeiteten sich neue und alte Teammitglieder zunächst durch die Liste der möglichen Schwachstellen und versuchten, das Problem einzugrenzen.

    Analoges Wissen in Köpfen und auf Papier

    Ehemalige Mitarbeiter, die bereits am Bau des Teleskops beteiligt waren, kannten sich etwa noch mit der alten Befehls- und Datenverarbeitungseinheit im Nutzlastcomputer aus. Andere NASA-Rentner fanden die entscheidenden Hinweise für das richtige Prozedere in 30 bis 40 Jahre alten Originalunterlagen von Hubble.


    "Das ist einer der Vorteile eines Programms, das seit über 30 Jahren läuft: die unglaubliche Menge an Erfahrung und Fachwissen", so Nzinga Tull, die Leiterin des Hubble-Notfall-Teams. "Es ließ demütig werden und war inspirierend, sowohl mit dem aktuellen Team als auch mit denen, die zu anderen Projekten gewechselt sind, zusammenzuarbeiten. Sie zeigen so viel Hingabe für ihre Hubble-Kollegen, das Observatorium und die Wissenschaft, für die Hubble berühmt ist."

    Verschmelzende Galaxien als Belohnung

    Schritt für Schritt wurde das Hochfahren des Rechners in einem realitätsnahen Simulator im Kontrollzentrum durchgerechnet. Mit vereinten Kräften konnte der Backup-Rechner am 15. Juli tatsächlich erfolgreich gestartet werden, nach fünfwöchiger Zwangspause.




    zwei Galaxien aus dem Hubble Teleskop


    Hubble zeigt uns zwei gerade verschmelzende Galaxien im Steinbock mit drei Spiralarmen



    Zwei Tage später lieferten die Instrumente wieder faszinierende Fotos aus fernen Galaxien. Als erstes fotografierte Hubble zwei gerade verschmelzende Galaxien im Steinbock mit drei Spiralarmen. Das Weltraumteleskop ist wieder voll einsatzfähig - dank der Hilfe der NASA-Rentner.





    Es gibt noch Video und Bilderstrecke, siehe Link unten:


    17.09.2021 - https://www.dw.com/de/nasa-ren…ocket-newtab-global-de-DE








    Eröffnung des Filmfestivals im französischen Cannes




    Jedes Jahr im Mai treffen sich in Cannes an der Côte d’Azur die Filmstars der alten und der neuen Zeit. Dann steht ein 60 Meter langer roter Teppich im Zentrum des Geschehens. In zwölf Tagen schreiten immerhin rund 30.000 Paar Schuhe darüber: Deshalb wird er drei Mal am Tag gereinigt. Seit den 1980er Jahren führt der Teppich über die 24 Stufen hinauf zum Festival-Palais. Bei den Filmfestspielen in Berlin und Venedig sind die Eingänge zum Premierenkino ebenerdig – in Cannes jedoch steigt man höher und höher. Der ehemalige Festivalleiter Gilles Jacob hat diesen Aufstieg in den Kino-Olymp einmal eine religiöse Metapher genannt.

    Antwort auf Venedig

    Das Internationale Filmfestival in Cannes versteht sich als französische Antwort auf die Filmfestspiele in Venedig: Festivalgründer Philippe Erlanger will ein Gegengewicht zum faschistisch geprägten Filmfest in Italien schaffen, das 1938 Leni Riefenstahls "Olympia" und einen Film des Mussolini-Sohns Vittorio auszeichnet, statt der von der Jury präferierten Disney-Produktion "Schneewittchen und die sieben Zwerge".


    Amerikanische, französische und britische Filmemacher verlassen protestierend die Veranstaltung. So entsteht der Gedanke für ein "Filmfest der freien Welt". Dieses Filmfest soll ursprünglich im Herbst 1939 starten. Stars wie Gary Cooper, Tyrone Power und Mae West sind auch schon angereist. Als Eröffnungsfilm läuft am 1. September "Der Glöckner von Notre Dame". Es ist der Tag des Überfalls von Nazi-Deutschland auf Polen: Die Festivalpremiere wird abgesagt.

    Autorenfilm und Kommerzkino

    Erst am 20. September 1946 eröffnen die Franzosen das "Erste Internationale Filmfestival von Cannes". Nur zweimal, 1948 und 1950, fällt der Filmwettbewerb wegen Geldmangels aus. Ab 1952 verlegen die Organisatoren das Filmfest in den Mai: Auch das Festival in Venedig findet im September statt. In Cannes trifft bis heute Filmkunst auf Kommerz. Rings um das Festival-Palais wird mit Drehbüchern ebenso gehandelt wie mit abgeschlossenen oder halb fertig gestellten Kinostreifen. Im Wettbewerb jedoch laufen vor allem anspruchsvolle Autorenfilme.


    Von 2.000 eingereichten Filmen gelangen rund 20 in den Wettbewerb; eine wechselnde Jury vergibt als Hauptpreis die Goldene Palme und Preise für die besten Darsteller und die beste Regie. Viele Filmlegenden saßen der Cannes-Jury in der Vergangenheit vor, darunter Fritz Lang, Jean Cocteau, Ingrid Bergman, Yves Montand, Sean Penn oder – als erster schwarzer Jurypräsident – 2021 Spike Lee.





    20. September 2021 - https://www1.wdr.de/radio/wdr5…mfestival-cannes-100.html

    Rätselhafte Radiosignale aus dem Zentrum der Milchstraße empfangen

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    Eine Forschungsgruppe berichtet von ungewöhnlich unregelmäßigen Radiowellen, die dank eines sensiblen Radioteleskops erfasst wurden.



    Ein eigenartiges Signal aus dem All spürte ein internationales Forschungsteam auf: Das Radiosignal wiederholt sich offenbar wochenlang, bricht dann aber von einem Tag auf den anderen wieder ab. Das fehlende Muster des kosmischen Signals macht es so rätselhaft. In einer Studie im Fachmagazin "The Astrophysical Journal" berichtet das Team von den Beobachtungen und möglichen Ursachen.


    Zwischen April 2019 und August 2020 wurde das Signal 13 Male registriert. Die Radioquelle, die sich im Zentrum unserer Milchstraßengalaxie befindet, wurde mit einem der sensibelsten Radioteleskope aufgespürt, dem Australian Square Kilometre Array Pathfinder (ASKAP) in Westaustralien. Entsprechend wird das Signal als "ASKAP J173608.2−321635" bezeichnet.

    Unregelmäßige Teleskopbeobachtungen

    Andere Teleskope, etwa das Röntgenteleskop des Satelliten Chandra oder der Forschungssatellit Neil Gehrels Swift Observatory, die für die Nasa im Einsatz sind, konnten das Signal nicht erkennen. Bei späteren Beobachtungen zeigten das südafrikanische MeerKAT-Radioteleskop und das Australia Telescope Compact Array (ATCA) Treffer im Februar bzw. April 2021, obwohl sie frühere Signale nicht aufspüren konnten.


    Interessant am Objekt ist auch, dass das ausgesendete Signal stark polarisiert ist. Die Schwingung der elektromagnetischen Welle ist in ihrer Ausrichtung verzerrt, und das sowohl linear als auch zirkular. Die Polarisierung deutet darauf hin, dass Staub und Magnetfelder im interstellaren Raum zwischen der Quelle und uns für Streuung und Magnetisierung sorgen. Auch könnte die Quelle selbst magnetisiert sein.

    Neue Objektklasse möglich

    Dem Team um Erstautor Ziteng Wang von der Universität Sydney zufolge können etwa Sterne mit geringer Masse, Radioblitze oder Pulsare, also tote Sterne, die regelmäßige Radiosignale aussenden, als Erklärung ausgeschlossen werden. Diese Regelmäßigkeit passt nicht zum Abklingen des Signals, das bei dem neuen ASKAP-Objekt festgestellt wurde.


    Stattdessen könnte es sich dabei um "einen Vertreter einer neuen Klasse von Objekten handeln", schreibt die Forschungsgruppe. Parallelen zog sie zu den sogenannten "Galactic Center Radio Transients" (GCRT), Objekten, die vorübergehend eine Funkquelle in der Nähe des galaktischen Zentrums mit niedriger Frequenz darstellen. Drei GCRT-Objekte wurden in den 2000er-Jahren identifiziert, weitere müssen erst bestätigt werden. Falls es sich bei dem unbekannten Objekt ebenfalls um ein GCRT handelt, dürfte es bei dem Auffinden weiterer solcher Quellen und bei deren Identifikation helfen.





    10. September 2021 - https://www.derstandard.de/sto…ocket-newtab-global-de-DE