Beiträge von reyhan

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    Nichts!

    ;-)

    Meine Frage bezog sich auf Lucys Rüge, sie hat die Korrektur des Titels vorgenommen. Was mir aus technischen Gründen leider nicht möglich war. Deren vermutete Ursache Du mir dankenswerter Weise bestätigt hast.

    Soll nicht wieder vorkommen!

    :-)

    Gerade fällt mir eine Musik ein, die in zwei Filmen verwendet wurde, die ich beide großartig finde.


    "Dead Man" von Jim Jarmusch (1995)

    "Mount Everest - Der Friedhof meiner Freunde" (SWR, 2007)

    (Dokumentation der Tragödie um einen Besteigungsversuchs des Mount Everest durch einen stark sehbehinderten Kunden eines Anbieters für Pauschaltrips auf den höchsten Berg der Erde)


    In beiden Filmen trägt die Musik sehr viel dazu bei, eine teils nahezu rauschhafte, teils fast surreale Stimmung zu erzeugen.

    Eine großartige Musik von Neil Young, wie ich finde. Und für mich persönlich zwei schöne Beispiele, wie sich Filme rein über die Filmmusik sofort wieder ins Gedächtnis rufen lassen. Irre.


    Dead Man


    Den muß ich unbedingt mal wieder anschauen, und ich weiß auch schon wann: Jetzt!
    ;-)


    Mount Everest - Der Friedhof meiner Freunde


    Stalker - Andrei Tarkowski (1979)


    Einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Die Filmmusik stammt von Eduard Artemyev.

    Im Film gibt es eine Traumsequenz. Die Kamera fährt über brackiges Wasser, in dem die verschiedensten Gegenstände zu erkennen sind (unter anderem ein Kalenderblatt mit dem Datum "28. Dezember". Es war der letzte Tag seines Lebens: Tarkowski starb am 29. Dezmber 1986). Eine für mich, gerade auch durch die unterlegte Musik, unvergesslich in Erinnerung bleibende Szene:



    Das Motiv, das die Flöte spielt, taucht im Film mehrmals auf, unter anderem während der Fahrt mit der Draisine in die "Zone":



    Die Melodie stammt aus einem mittelalterlichen Kodex und klingt so:


    Ari Aster - Midsommar (2019)



    Kleine Ergänzung.
    Hier habe ich eine, wie ich finde, ganz hervorragende Analyse der audiovisuellen "Tricks" gefunden, die mir zeigt, wie großartig Ari Aster diesen Film komponiert hat.
    Das macht mir Lust, den Film gleich noch einmal anzuschauen...

    Benedek Fliegauf - Dealer (2004)


    Nur mit Geräuschen eine Stimmung aufzubauen, die die düstere Atmosphäre des Films vorwegnimmt, finde ich originell.

    Die "Filmmusik" erschöpft sich in einer absteigenden Tonfolge aus 3 Tönen, die im Film immer wieder auftaucht.
    Das Motiv stammt aus Rachmaninoffs Prelude in c-moll Op. 3 Nr. 2:


    Einer meiner Lieblingsfilme.


    Andrei Tarkowski - Opfer (1986)


    Sein allerletzter Film.

    Ganz besonders ergreifend ist für mich immer wieder die Schlußszene mit dem brennenden Haus.

    Und die allerletzte Einstellung daraus.

    "Jungchen", der bis zu diesem Moment stumm war "wie ein Fisch", liegt unter dem abgestorbenen Baum, den sein Vater unermüdlich in der Hoffnung gewässet hatte, er würde zu neuem Leben erwachen.

    Jungchen zitiert, nun alleine unter dem Bäumchen liegend, die Worte seines Vaters: "Am Anfang war das Wort".

    Und er fragt: "Warum, Papa?"


    ich weiß nicht, wie oft ich diesen Film schon gesehen habe. Und er berührt mich immer wieder unendlich tief...

    Dürfte ich auf eine einsame Insel nur einen einzigen Film mitnehmen, es wäre wohl dieser.


    Schlußszene aus "Solaris" (Andrei Tarkowski, 1972)


    Die letzte Szene dieses Films hat sich mir besonders tief eingebrannt.


    Sie korrespondiert mir der Einangsszene. Zunächst sieht es so aus, als sei Kris Kelvin vom Planeten Solaris nach Hause zurückgekehrt. Er geht am Seeufer entlang zum Haus seines Vaters. Erste Irritation: Die Oberfläche des Sees wirkt wie erstarrt, irgendwie tot.

    Bis hierher ist die Szene mit jener Orgelmusik unterlegt, die auch am Beginn zu hören ist (Choral "Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ"). Als sich Kris dem Haus nähert, verstummt die Musik. Man hört den Hund, der ihm entgegenläuft. Rauch steigt auf von jener Stelle, an der Kris Kelvin sich am Beginn des Films von Dingen trennte, die er meinte, nicht mehr zu brauchen, oder die er aus seiner Erinnerung tilgen wollte (er verbrennt das Bild, das seine Frau zeigt, die seinetwegen Selbstmord beging), bevor er die Reise zu Solaris antritt.

    Als sich Kris Kelvin dem Haus nähert, setzt ganz leise das "Ozeanmotiv" ein, jene merkwürdigen Geräusche, die immer dann erklangen, wenn der Solaris-Ozean gezeigt wurde und in den Traumszenen.

    Kris lehnt ans Fenster und schaut ins Haus hinein: Sein Vater ist mit dem Ordnen von Dingen beschäftigt. Zweite Irritation: Es regnet im Haus (Bezug auf den Anfang des Films). Der Vater erblickt, vollkommen durchnässt, schließlich den Sohn draußen am Fenster. Er tritt vor die Türe. Dritte Irritation: Er erscheint durch die gewählte Perspektive riesig. Die Proportionen scheinen irgendwie nicht zu stimmen. Kris kniet vor dem Vater nieder, dieser legt seine beiden Hände auf seine Schultern. Diese Szene erinnert an Rembrandts Bild "Die Rückkehr des verlorenen Sohnes".

    Jetzt fährt die Kamera langsam nach oben, immer höher, die Wolkenschicht wird durchbrochen. Während der gesamten Kamerafahrt nach oben wird die Musik, die sehr stark an György Ligetis "Atmosphères" erinnert (jene Musik, die in der langen Schlußszene des Films "2001: Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick verwendet wird), immer lauter. Und nun erkennt man plötzlich: Das Haus steht auf einer winzigen Insel, die auf dem Solaris-Ozean schwimmt!


    Für mich nimmt diese ganze letzte Szene Bezug auf den Satz, mit dem Stanislaw Lem seinen Roman enden läßt:

    "Ich wußte nichts, und so verharrte ich im unerschütterlichen Glauben, die Zeit der grausamen Wunder sei noch nicht um."

    Das belastete und ungeklärte Verhältnis zwischen Kris und seinem Vater (hier gibt es starke Parallelen zum Verhältnis zwischen Tarkowski selbst und seinem Vater) hat ihn im Unterbewußtsein so stark beschäftigt, daß der Ozean dies als "Bauplan" für das nächste der "grausamen Wunder" nimmt:

    Kris Kelvin wird von seinem Vater als der verlorene Sohn auf- und angenommen. Eine "Versöhnung" findet statt. Insofern könnte man sagen, daß der Ozean hier dazugelernt hat. Anstatt einer schmerzhaften und selbstzerstörerischen Konfrontation mit dem Versagen und der Schuld der Protagonisten wird hier eine Art Heilung des unbewältigten Vater-Sohn-Konflikts in Aussicht gestellt...


    Entschuldigung für meine weitschweifigen Ausführungen zu einem Film, der zu meinen absoluten Lieblingsfilmen aller Zeiten gehört und immer gehören wird.

    Natürlich ist dieser Schluß auch ganz anders interpretierbar, das macht gerade Filme von Andrei Tarkowski für mich so interessant und besonders.


    Hier zum Abschluß noch ein Hinweis auf eine sehr interessante Arbeit, die Tarkowskis Original mit Soderberghs Remake vergleicht:

    https://monami.hs-mittweida.de…/4192/file/Endfassung.pdf


    Und hier die besprochene Schlußzene aus "Solaris" von Andrei Tarkowski:

    Almost Human
    Lauren Daigle im Film-Abspann eines meiner Lieblingsfilme, wie man unschwer erkennen kann...
    ;-)